Weltpremiere in Pisa: Roboter-Dirigent stiehlt Andrea Bocelli die Show

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Der italienische Startenor Andrea Bocelli hebt an zu einem Stück aus Verdis Oper "Rigoletto" - doch alle Augen richten sich auf den Leiter des Orchesters: "YuMi", ein zweiarmiger Roboter, der den Taktstock schwingt.
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Im Teatro Verdi im toskanischen Pisa schwenkt "YuMi" in einer Weltpremiere seine Arme, um die Philharmoniker von Lucca zu führen. Der Roboter, vom Konzern ABB in der Schweiz entwickelt, dirigiert von einem Podest aus Andrea Bocelli durch "La Donna è Mobile", die bekannte Arie aus "Rigoletto" von Giuseppe Verdi. Der weniger als einen Meter große "Dirigent" hat auch "O Mio Babbino Caro" von Giacomo Puccini einstudiert, das die Solistin Maria Luigia Borsi darbietet. Dabei imitiert er die Gesten des echten Dirigenten Andrea Colombini. Die ungewöhnliche Aufführung findet im Rahmen des ersten internationalen Roboter-Festivals statt, mit dem die Organisatoren auch eine Verbindung zwischen Technik und Kultur herstellen wollen.
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Schwierige Vorbereitungszeit
Der Roboter sei "extrem schwierig zu trainieren" gewesen, berichtet Colombini über die Vorbereitungszeit. Insgesamt habe es 17 Stunden Arbeit gekostet, bis "YuMi" sechs Minuten Musik dirigieren konnte. Mit dem Ergebnis zeigt sich der Orchesterchef zufrieden. "Er besitzt dieselbe Beweglichkeit wie ich und ist sehr flexibel." Nach Meinung von Colombini sind die Fähigkeiten von "YuMi" auch deutlich besser als die des Roboters "Asimo", der 2008 das Detroit Symphony Orchestra dirigiert hatte.
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"Ein Roboter hat keine Seele, kein Herz"
Dennoch hat der Einsatz von "YuMi" nicht nur wegen der aufwändigen Vorbereitung enge Grenzen: Der Roboter kann nicht improvisieren oder mit den Musikern interagieren. Er kann auch nicht den Takt spontan variieren. "Es ist unmöglich, dass er die Empfindsamkeit und Gefühle eines Dirigenten ersetzt, denn ein Roboter hat keine Seele", sagt Colombini. "Es ist nur ein Arm, kein Hirn, kein Herz." Dies zeige, dass der Mensch den Roboter brauche, der Roboter aber genauso den Menschen brauche.
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Menschliche Dirigenten überflüssig?
Das Dirigieren sei ein Entstehungsprozess, erläutert Professor Harald Jers der Deutschen Presse-Agentur. Er ist Dirigent und Professor für Chorleitung an der Musikhochschule Mannheim. Ein Dirigent gehe auf das Spiel des Orchesters ein und denke dann die nächsten Schritte voraus. Umgekehrt schauten die Orchestermusiker beim Spielen vor allem auf das Gesicht des Dirigenten. Es komme daher viel auf die Mimik an, so Jers. Die Handbewegungen würden eher beiläufig wahrgenommen. "In den nächsten 40 bis 50 Jahren sehe ich daher keine Chance, dass ein Roboter die Arbeit eines Dirigenten ersetzen könnte."
Auf die Frage, wie der blinde Sänger Bocelli auf den Roboter reagieren konnte, erklärt Jers, Sänger achteten generell vor allem auf die Harmonie des Orchesters.
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se/uh (dpa, afp, rtr)    
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Datum: 18.09.2017
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