Von Palmen, Stars und Favoriten: Die 70. Filmfestspiele in Cannes

Kino | Präsentationen

Im 70sten Festivaljahr blickt Cannes zurück

19 Filme konkurrieren in diesem Jahr um den wichtigsten Festivalpreis der Welt. Mit dabei ist auch ein Deutscher. Aus den USA kommt unabhängiges Kino aus kleineren Studios. Und auch andere Sektionen haben viel zu bieten.
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Normalerweise lenken beim Festival an der Côte d'Azur jedes Jahr auch mächtige Filmplakate und Werbebanner die Blicke der Filmwelt auf neue Blockbuster aus Hollywood. Das ist in diesem Jahr anders: Die großen Major-Studios, die Cannes auch als Werbeplattform für ihre millionenschweren Großproduktionen nutzen, machen sich 2017 rar. So ist im prestigeträchtigen Wettbewerb um die Goldene Palme in diesem Jahr keine große Studioproduktion dabei.
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US-Kino kommt 2017 aus kleineren Studios
Was nicht heißt, dass US-amerikanische Regisseure dem Wettbewerb fernbleiben. Mit Sofia Coppola und Todd Haynes sind zwei der interessantesten nordamerikanischen Filmemacher im Palmen-Rennen vertreten. Außerdem bewerben sich drei weitere US-Produktion um die Preise: "Good Time" von Joshua und Ben Safdie, "The Meyerowitz Stories" von Noah Baumbach und "You Were Never Really Here" von der Schottin Lynne Ramsay.
Sie treten an gegen Filme aus Asien und Europa, wobei der Gastgeber Frankreich wie immer besonders präsent ist (mit acht Produktionen bzw. Co-Produktionen). Aber auch Deutschland kann sich freuen. Nachdem Cannes das Nachbarland jahrelang ignoriert hatte, könnte der letztjährige Triumph von Maren Ades "Toni Erdmann" den Bann gebrochen haben. 2017 wurde Fatih Akin mit "Aus dem Nichts" eingeladen. Und wer gern auf nationale Kategorien schaut, der darf auch den gebürtigen Münchner Michael Haneke auf die deutsche Haben-Seite zählen. Der neue Film des Österreichers, "Happy End", ist eine deutsch-französisch-österreichische Co-Produktion.
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Cannes blickt auch in andere Kinoregionen
Spannende Beiträge kommen darüberhinaus aus Russland, Ungarn und Griechenland. Der asiatische Raum ist durch Filme aus Japan und Südkorea vertreten. Wer am Ende die Goldene sowie die Silbernen Palmen mit nach Hause nehmen darf, bestimmt unter anderem Spaniens Starregisseur Pedro Almodóvar als Chef der Jury.
Doch Cannes bietet in diesen Mai-Tagen nicht nur eine erlesene Auswahl von weltweit gefeierten Regisseuren, die sich der Palmen-Konkurrenz stellen. Natürlich wird auch das Star-Aufkommen aller Voraussicht nach wieder exquisit - der Rote Teppich und die um gute Bilder gierenden Fotografen werden überall präsent sein. Zumindest hier macht sich Hollywood nicht rar.
Nicole Kidman wird erwartet, die Schauspielerin ist gleich mit mehreren Filmen dabei. Hollywood-Star Jessica Chastain ist Mitglied der internationalen Jury, ebenso ihr Kollege Will Smith. Angekündigt sind auch Julianne Moore und Jake Gyllenhaal sowie Kristen Stewart, die in den letzten Jahren mit ihrer klugen Rollenauswahl den Sprung zu einer der wandlungsfähigsten Darstellerin des internationalen Films geschafft hat.
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Im 70sten Festivaljahr blickt Cannes zurück
1946 hatte das Festival erstmals stattgefunden. Auch weil man in Frankreich nach dem Zweiten Weltkrieg ein Gegengewicht zum Festival in Venedig setzten wollte. Das Festival in der Lagunenstadt war wegen deren Nähe zum Faschismus im Misskredit geraten. Cannes sollte ein Fest der Kultur und des Kinos werden. Der Anfang war noch holprig, gleich zwei Jahrgänge fielen wegen mangelnder Finanzierung aus.
Erst in den 1950er Jahren wurde Cannes zu dem, was es heute noch ist: zum wichtigsten Filmfestival der Welt. Vor allem auch, weil es die Festival-Chefs Jahr für Jahr schafften, die weltweit wichtigsten Regisseurinnen und Regisseure nach Südfrankreich zu locken. Zahlreiche inzwischen zu Klassikern der Filmkunst gereifte Werke wurden hier uraufgeführt, viele mit Goldenen Palmen ausgezeichnet: "Der Dritte Mann" und "Das süße Leben" bekamen hier ebenso einen Hauptpreis wie später Meisterwerke wie "Padre Padrone", "Taxi Driver" oder "Yol - der Weg". Für Deutschland trugen sich Volker Schlöndorff ("Die Blechtrommel") und Wim Wenders ("Paris, Texas") in die Siegerliste ein.
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Das letzte Wort hat Pedro Almodóvar
So blickt das Festival im Jahr 2017 auch zurück und lässt in zahlreichen Aufführungen legendäre Cannes-Gewinner auf die Leinwand zurückkehren. Im Mittelpunkt des Geschehens an der Côte d'Azur werden aber natürlich die neuen Filme stehen - und der wie immer mit Spannung erwartete Ausgang im Rennen um die Goldene Palme. Die wird am Abend des 28. Mai dem Sieger aus den Händen von Pedro Almodóvar überreicht werden.
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Jochen Kürten    
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Cannes eröffnet mit Beziehungsdrama

Zum Auftakt lenkt das berühmteste Filmfestival der Welt das Augenmerk auf das eigene Kino - und präsentiert französische Stars auf dem Roten Teppich beim Eröffnungsfilm "Les Fantômes d'Ismaël" von Arnaud Desplechin.
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Im siebzigsten Jahr setzt Cannes ein Zeichen: Waren die Festspiele an der Côte d'Azur in den vergangenen Jahren oft von großen internationalen Produktionen eröffnet worden, so steht 2017 klassische französische Kinokost auf dem Programm - besonders zur Eröffnung. Der Name des Regisseurs hat in der heimischen Szene einen guten Klang, Kritiker erinnern seine Filme schon einmal an Ingmar Bergman oder François Truffaut.
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Ein Regisseur in der Krise
Arnaud Desplechin, geboren 1960 im nordfranzösischen Roubaix, hat seinen neuen, inzwischen zehnten Spielfilm, in seiner Heimatstadt und vor allem auf der französischen Atlantikinsel Île de Noirmoutier inszeniert. Auch in Paris, Prag und Marokko wurde gedreht. Desplechin erzählt in "Les Fantômes d'Ismaël" die Geschichte eines Filmregisseurs, der gerade ein neues Projekt vorbereitet und dabei durch eine ungeheure Begegnung gestört wird.
Carlotta, die er vor zwanzig Jahren geliebt hat und die doch eigentlich tot sein sollte, taucht plötzlich wieder auf. Dadurch gerät Ismaël in eine tiefe Lebenskrise, die natürlich auch die Beziehung zu seiner jetzigen Freundin Sylvia in Frage stellt. Der verstörte Regisseur reagiert mit Flucht und zieht sich in das Haus seiner Familie nach Roubaix zurück. Mit Mathieu Amalric (Ismaël), Marion Cotillard (Carlotta) und Charlotte Gainsbourg (Sylvia) glänzt der Film mit drei Stars des französischen und internationalen Kinos. Auch in den Nebenrollen ist der Auftaktfilm von Cannes prominent besetzt.
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19 Filme im Rennen
"Les Fantômes d'Ismaël" läuft bei dem Filmfestival außer Konkurrenz, beteiligt sich also nicht am Rennen um die begehrte Goldene Palme. In den kommenden Tagen werden 19 Filme um die Auszeichnung konkurrieren. Das allabendliche Schaulaufen der Filmemacher und Stars aus aller Welt auf dem berühmten Roten Teppich am Fuße des Festivalpalais dürfte wieder zu Massenaufläufen und heftigen Blitzlichtgewittern führen.
Cannes kann - im Wettbewerb wie in den Nebensektionen - auch in diesem Jahr wieder mit zahlreichen berühmten Namen prunken. Den Vorsitz der Jury hat 2017 der spanische Regisseur Pedro Almodóvar inne, auch die Deutsche Maren Ade ist in diesem Jahr dabei. Im vergangenen Jahr gehörte übrigens Arnaud Desplechin zu den Mitgliedern der Wettbewerbsjury. Jetzt darf sich der Regisseur entspannt zurücklehnen und muss nicht auf das Urteil der Jury warten.
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Jochen Kürten    
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Datum: 19.05.2017
Hinzugefügt:   venjamin.tolstonog
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zagluwka
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