UEFA-Präsident Ceferin: Reformen im Blick

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Er ist einer der einflussreichsten Menschen des Weltsports: UEFA-Präsident Ceferin. Ein Jahr ist er jetzt im Amt, kaum wahrgenommen von der Öffentlichkeit. Obwohl er die Probleme des europäischen Fußballs anpacken will.
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Aleksander Ceferin, ausgewachsener Dreitagebart, austrainierter Körper, eher der Typ James Bond als der Typ Sportfunktionär, kommt mit wachem Blick. Es ist früh morgens, der erste Termin des Tages in der Zentrale der UEFA in Nyon am Genfer See, ein ungewöhnlicher. Ein Exklusivinterview. Der Slowene gibt selten Interviews. Um nicht zu sagen, so gut wie nie. Nicht nur deshalb kennt ihn kaum jemand in Deutschland, in Europa, in der Welt.
Er ist der Chef des europäischen Fußballverbandes UEFA und damit einer der wichtigsten Menschen des internationalen Sports. Aber er sagt Sätze wie: "Um ehrlich zu sein ist es mir ziemlich egal, ob mich jemand wahrnimmt oder nicht." Oder: "Ich mache nie etwas, um im Rampenlicht zu stehen." Und tatsächlich: Bisher hat er es recht erfolgreich vermieden, im Rampenlicht zu stehen.
Aber das könnte sich bald ändern. Aleksander Ceferin, 49, schwarzer Gürtel in Karate, fünf Mal die Sahara durchquert, dessen Familie eine der einflussreichsten Anwaltskanzleien Sloweniens gehört, der selbst schon Oligarchen, korrupte Politiker und Drogendealer verteidigt hat, sagt, auch die bräuchten Verteidiger. Dieser Ceferin will nun Europas Fußball reformieren.
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Financial Fairplay modernisieren
Zuallererst das Financial Fairplay. "Das Financial Fairplay wurde eingeführt, um die Stabilität im Fußball zu erhöhen. Und es war erfolgreich", sagt Ceferin im Interview der ARD Sportschau und betont: "Aber Zeiten ändern sich. Wir müssen es modernisieren, was für die Ausgeglichenheit des sportlichen Wettbewerbs tun, weil die Schere zwischen den großen und den kleinen Klubs immer größer wird."
Das Financial Fairplay der UEFA, die Regelung, dass kein Verein deutlich mehr ausgeben darf als er einnimmt, ist bedroht. Vor allem durch Paris Saint Germain und den Transfer von Brasiliens Kapitän Neymar von Barcelona zu Paris Saint Germain (PSG). Für 222 Millionen Euro.
Jetzt ermittelt die UEFA. Und Ceferin lässt keinen Zweifel daran, dass er auch vor großen Namen wie PSG nicht haltmachen will, sie womöglich auch aus der Champions League ausschließen würde.
Das Problem aber ist: PSG hat noch bis 30.06.2018 Zeit, das Transferdefizit auszugleichen. Aber Ceferin weiß, die UEFA, er macht sich angreifbar, wenn die großen Klubs machen können, was sie wollen. Und in der Vergangenheit haben sie häufig gemacht, was sie wollten. Das Financial Fairplay gilt als stumpfes Schwert. Bisher. Der Umgang mit PSG und anderen wie Manchester City wird zeigen, wie ernst es der UEFA-Präsident wirklich mit Reformen nimmt.
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Breite Unterstützung für den Teamplayer
Apropos Reformen. Wenn man sich umhört hinter den Kulissen des Europäischen Fußballs sagen viele, es sei ein neuer Stil eingezogen, Ceferin kommuniziere viel, mit kleinen und großen Verbänden, mit Ligen und Klubs. Und er höre zu. Es gibt so gut wie keinen, der schlecht über ihn spricht. Ins Amt gewählt wurde er durch eine breite Front der Unterstützung von den Fußballverbänden Skandinaviens bis Italien, von Osteuropa bis Deutschland.
Im Sportschau-Interview sagt der Präsident des deutschen Fußball-Bundes, Reinhard Grindel, unter Ceferins Vorgänger Michel Platini, dem Weltfußballer, sei es eine Art "Alleinherrschaft" gewesen, Ceferin aber sei ein Teamplayer. Ihm gehe es um die Sache, nicht um sich.
Die Sache, die in Ceferins erstem Jahr an der Spitze am meisten Veränderung brachte, waren die Ethikreformen. Die ersten in der Geschichte der UEFA. Und lange überfällig. Im Schatten der FIFA-Dauer-Skandale bekam keiner mit, dass im Hort des Europäischen Fußballs von demokratischen Entscheidungsstrukturen nichts zu sehen war. Da kam der alte Präsident Platini schon mal in eine Sitzung des UEFA-Exekutivkomitees, sozusagen dem Aufsichtsrat, um diesem vor der Abstimmung mitzuteilen, wie die 16 Beteiligten nun gleich abzustimmen hätten, wenn es um den Austragungsort des nächsten Champions League-Finales ging. Demokratie à la UEFA.
Das hat Ceferin geändert. Zukünftig soll alles in transparenten, für die Öffentlichkeit nachvollziehbaren Entscheidungsprozessen ablaufen. Es gibt eine Amtszeitbeschränkung von zwölf Jahren für Präsident und Exekutivkomiteemitglieder sowie ein so genanntes governance and compliance Komitee, also einen Ausschuss für gute Regierungsführung und Ethik, geleitet vom DFB-Präsidenten, neuerdings auch UEFA-Vizepräsidenten und Ceferin-Intimus, Grindel.
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Es gibt noch viel zu tun
Aber immer noch sitzt gerade mal eine Frau im ExCo, immer noch entscheiden 16 Personen dieses Gremiums über die Vergabe der Europameisterschaft und nicht der Kongress, was Ceferin auf Nachfrage "auch gut so" findet und immer noch sind die Gehälter von Ceferin und den ExCo-Mitgliedern nicht veröffentlicht, obwohl er das schon für diesen Sommer angekündigt hatte. Im nächsten Finanzbericht Ende des Jahres oder Anfang 2018 soll dann aber alles genau aufgeschlüsselt drinstehen, sagt Ceferin.
Es gibt also noch allerhand zu tun für den nicht-mehr-ganz-so-Neuen. Und beginnen will er mit dem europäischen Transfermarkt. Der soll stärker reguliert werden, sagt Ceferin. Weil die großen Klubs schon lange nicht mehr in Sichtweite der kleinen sind.
Also soll eine Gehaltsobergrenze her, weniger Spieler pro Mannschaft, weniger Ausleihgeschäfte, damit die Großen den Kleinen nicht einfach wegkaufen können, wen Sie wollen. Und vor allem soll das Transferfenster schon Ende Juli geschlossen werden, so wie es Borussia Dortmunds Boss Hans-Joachim Watzke fordert.
Für viele der Ideen braucht Ceferin die FIFA, die nationalen Ligen und die Klubs. Und da ist der Haken. Die großen Klubs haben es gern so, wie es ist.
Ein entschlossener Mensch sei Ceferin, sagt DFB-Präsident Grindel. Es wird sich zeigen müssen, wieviel Entschlossenheit der Realität weichen muss und was Ceferins Ankündigungen der Reformen wirklich wert sind.
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Florian Bauer    
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Datum: 18.09.2017
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