U21-Europameisterschaft in Polen: Ein hart erkämpfter Sensationserfolg der DFB-Junioren

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Mit einem 1:0 (1:0) über Spanien sichert sich Deutschland zum zweiten Mal nach 2009 den Titel eines U21-Europameisters. Der Sieg ist der Lohn für eine große kämpferische Leistung gegen technisch bessere Spanier.
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Als Mitchell Weiser in der 40. Minute seinen Führungstreffer bejubelte, fiel die Freude noch recht verhalten aus. Weiser selbst, der eine Flanke des Hoffenheimer Rechtsverteidigers Toljan eingenickt hatte, schien eher an die nun beginnende 50-minütige Abwehrschlacht zu denken als an die bald folgende Halbzeitpause.
Beim Anpfiff des Finals der U21-Europameisterschaft hatte ein Sieger bereits festgestanden: Die deutsche Mannschaft nämlich. Dass es die Spanier bis hierhin geschafft hatten, war kein Wunder: Das mit Stars wie Bellerin und Vallejo, aber vor allem Atletico Madrids Saul Niguez und Asensio vom Stadtrivalen Real gespickte Team galt als der große Turnierfavorit.
Für die Deutschen aber war schon das Erreichen des Endspiel ein Erfolg. Denn sie mussten beim Turnier auf einige ihrer Besten verzichten: Leon Goretzka und Timo Werner spielen gerade in der A-Mannschaft beim Confederations-Cup, der Ex-Schalker Leroy Sané von Manchester City fehlte aus gesundheitlichen Gründen.
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Verdiente Führung zur Pause
Das Spiel begann wie zu erwarten war: Mit stürmischen Spaniern, die die Deutschen durch konsequentes Pressing unter Druck setzten. Dennoch: Bei ihrem ersten Auftritt vor dem Tor der in Rot spielenden Spanier traf der Schalker Max Meyer in der sechsten Minute mit einem sehenswerten Kopfball den Pfosten.
Das Spiel vor rund 15.000 Zuschauern im fast ausverkauften Stadion in Krakau hatte so recht furios begonnen, zumal der Wolfsburger Maximilian Arnold zwei Minuten später noch einen knackigen Fernschuss folgen ließ, der nur knapp das Tor verfehlte.
In der elften Minuten dann die erste Chance für die Spanier: Bellerins Kopfball ging aber am langen Pfosten des von Julian Pollersbeck gehüteten Tors vorbei. Zur gleichen Zeit ließ unerklärlicherweise auch das Pressing der Spanier nach, die DFB-Elf kam besser ins Spiel. Der Lohn waren weitere Chancen von Serge Gnabry in der 16. und der 21. Minute und vor allem auch der verdiente Führungstreffer. Mit einem schönen Kopfball aus der rechten Halbposition gab Mitchell Weiser von Hertha BSC dem spanischen Torhüter Arrizabalaga das Nachsehen und erzielte das 1:0.
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Eine lange Abwehrschlacht
Die zweite Hälfte begann mit dem Bemühen der Spanier, all das nachzuholen, was sie in den ersten 45 Minuten meist hatten vermissen lassen: Jetzt zeigten sie mehr Einsatz, störten wieder früher und hatten mehr Zug zum Tor. Die Deutschen wehrten sich, kassierten aber in nur wenigen Minuten gleich drei gelbe Karten, und zwar für Arnold, Janik Haberer und Niklas Stark. Dennoch dauerte es bis zu 58. Minute, bis Niguez den deutschen Keeper zum ersten Mal in der zweiten Hälfte ernsthaft prüfte: Das bessere Ende hatte jedoch Julian Pollersbeck vom 1. FC Kaiserslautern für sich.
Um die 60. Minute herum ergaben sich Konterchancen für Serge Gnabry, Max Meyer und Eintracht Frankfurts Marc-Oliver Kempf, die sie jedoch alle nicht verwerten konnten. Zu diesem Zeitpunkt galt: Spanien stellte die bessere Mannschaft, die zahlreicheren und besseren Chancen aber hatten die Deutschen.
Eine Viertelstunde vor dem Ende der regulären Spielzeit erhöhten die Iberer den Druck wieder - mit Fernschüssen wurden sie immer gefährlicher. Mit dem Beginn der spanischen Schlussoffensive geriet die DFB-Elf immer mehr unter Druck und wurde zwischenzeitlich fast schwindlig gespielt, gleichzeitig nahmen die Ungenauigkeiten in ihrem Aufbauspiel zu, die Fehlpässe häuften sich - Chancen spielten sie sich nun nicht mehr heraus.
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Ein historischer Sieg
Bis zum Abpfiff gaben die Spanier Gas und drückten die Deutschen immer weiter nach hinten - doch große Chancen sollten sich nicht mehr ergeben. Mit etwas Glück und mit großem Einsatz hielten die Deutschen den Vorsprung und sicherten den insgesamt verdienten Sieg.
Das 1:0 (1:0) bedeutet den zweiten U21-EM-Titel für Deutschland nach 2009. Am Sonntag hat die deutsche A-Nationalmannschaft in St. Petersburg die Gelegenheit im Finale gegen Chile den Confed-Cup zu gewinnen und das deutsche Fußball-Wochenende endgültig zu vergolden.
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Dirk Kaufmann
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Kommentar: Gold für die Nachwuchsarbeit

Deutschland siegt gegen Spanien und wird U21-Europameister. Das ist ein großer Erfolg für den DFB. Aber dieser Titelgewinn hat eine lange Vorgeschichte, die man nicht vergessen sollte, meint DW-Redakteur Dirk Kaufmann.
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Da hat der DFB ja ein glückliches Händchen bewiesen: Stefan Kuntz als Trainer der U21 ist das perfekte Symbol für den aktuellen Höhenflug des deutschen Fußballs. Als er seinen größten Triumph als Spieler feierte (die Europameisterschaft 1996 in England), war dies für viele Jahre der letzte Erfolg des deutschen Fußballs. An die teilweise armseligen Auftritte der Nationalmannschaft bis zur Heim-WM 2006 möchte man ja gar nicht mehr denken. Und heute ist Kuntz der Kopf einer neuen und erfolgreichen deutschen Kickergeneration.
Das Gute an der jahrelangen Durststrecke war, dass das Problem - nämlich ein mangelhaft ausgebildeter Nachwuchs - nicht nur schnell erkannt, sondern sogar konsequent angegangen wurde. Die Früchte: U21-Europameistertitel 2009 und der WM-Gewinn in Brasilien 2014. Aber vor allem hat es auch in den anderen Turnieren seit 2006 keinen Grund mehr gegeben, sich für die deutschen Auftritte zu schämen - im Gegenteil.
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Reiche Ernte
Und nun wieder Stefan Kuntz: Mit den U21-Kickern des DFB hat er im Finale die hoch favorisierten Spanier geschlagen, ist mit den jungen Spielern Europameister geworden. Und das, obwohl er auf einige der Besten hatte verzichten müssen: Timo Werner und Leon Goretzka sind dabei nur die auffälligsten - sie schreiben gerade beim Confederations-Cup in Russland an einer eigenen Geschichte.
An diesem Wochenende erntet der DFB in Person von Stefan Kuntz und den (möglichen) Stars von morgen die Früchte jener Nachwuchsförderung, deren Notwendigkeit der deutsche Rumpelfußball vor mehr als 20 Jahren mehr als deutlich gemacht hatte.
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Die anderen werden nicht schlafen
Die halbe Weltmeisterelf von 2014 war fünf Jahre zuvor U21-Europameister geworden. Da träumt jetzt so mancher, dass er in den EM-Helden von Polen 2017 die Weltmeister von 2022 gesehen hat. Doch gemach: Der Fußball ist nicht nur im wöchentlichen Ligabetrieb ein kurzlebiges Geschäft.
Wie schnell ist ein Kreuzband gerissen! Wie oft sind die auf Höchstleistung gedrillten Körper schon in jungen Jahren verschlissen! Von Jungmillionären, denen der Ruhm und das viele Geld zu Kopf steigen und die mehr Zeit beim Frisör als auf dem Trainingsplatz verbringen, haben wir auch schon zu viel gehört und gelesen.
Und die aktuellen großen Erfolge des deutschen Nachwuchses sollten den Blick nicht trüben - die Konkurrenz in Spanien und Italien, in Portugal und Frankreich schläft nicht. Zu glauben, dass die den scheinbaren Rückstand zu denen "mit dem Adler auf der Brust" nicht aufholen könnten, wäre nicht nur dumm, es wäre auch sehr überheblich.
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Wer so schön spielt, darf auch mal verlieren - wenn's denn sein muss
Dennoch: Im Bewusstsein, dass die A-Mannschaft beim Confed-Cup und die U21 bei der Europameisterschaft nicht in Bestbesetzung antreten konnten und es dennoch weit gebracht haben, gibt Anlass zu Freude und Genugtuung. Eine immer mögliche Niederlage im Finale, oder ein Ausscheiden im Halbfinale, wie vor zwei Jahren, als die U21 mit 0:5 gegen Portugal einging, tut dem Großen und Ganzen dabei keinen Abbruch.
Denn da ist noch etwas, auf das man, wenn man solcher Gefühle fähig ist, sogar stolz sein kann: Die deutschen Nachwuchskicker sind derzeit nicht nur erfolgreich - das waren in der Fußballgeschichte sehr viel schlechtere DFB-Teams ebenfalls - sie spielen auch noch schönen Fußball. Da kommt zu einer guten Nachwuchsförderung auch das Glück, dass es gerade viele hochbegabte junge Leute gibt - das ist keine Selbstverständlichkeit.
Aus diesen Gründen ist der aktuelle Höhenflug der deutschen Fußballer, ob sie nun in Polen oder in Russland triumphieren, kein Blankoscheck auf eine Zukunft, in der deutsche Mannschaften den Fußball dominieren. Doch bieten die aktuellen Erfolge auf jeden Fall eine Menge Gründe, mal ein Fläschchen Bier aufzumachen und sich für die jungen Leute zu freuen, die einen so erfrischenden Fußball spielen. Ach ja: Und für den vergleichsweise steinalten Stefan Kuntz auch, den Europameister von 1996.
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Dirk Kaufmann    
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Datum: 01.07.2017
Hinzugefügt:   venjamin.tolstonog
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