Politisches und Bewährtes auf der Kunstmesse Art Basel 2017

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Sie ist die wohl bedeutendste Kunstmesse der Welt - besonders für die Reichen und Wichtigen. Millionenbeträge werden bei der Art Basel bewegt. Dieses Jahr sind mehr politische Werke vertreten. Ein Zeichen der Zeit?
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Unsicherheit, Krisen, politische Umwälzungen - gerade in aufwühlenden Zeiten sei Kunst wichtig und zwar "mehr denn je", sagte Marc Spiegler, der Direktor der Art Basel im Vorfeld der Eröffnung der wichtigsten Kunstmesse der Welt am Dienstag (13.06.2017): "Künstler sehen die Welt durch eine andere Linse, sie können Themen direkter aufgreifen als viele andere."
Bei der Art Basel zeigen vom 15. bis zum 18. Juni mehr als 290 Galerien aus über 30 Ländern Werke von mehr als 4000 Künstlern aus den vergangenen zwölf Jahrzehnten. Die Kunstverkäufe weltweit sind zwar in den letzten zwei Jahren um 17 Prozent geschrumpft, aber von Flaute am Kunstmarkt will Spiegler nichts wissen: "Hier sind schon heute bedeutende Werke verkauft worden".
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Mehr politische Kunst im Segment "Unlimited"
Die Art Basel hat den Trend zu großformatigen Werken früh entdeckt, wenn nicht beflügelt: Seit fast 20 Jahren bietet sie im Rahmen ihrer jährlichen Schau im Segment "Unlimited" Künstlern Raum für Großformatiges. In diesem Jahr sind mehr als 70 Künstler dabei. Nach Angaben von Kurator Gianni Jetzer finden sich dieses Jahr mehr politische Arbeiten als je zuvor.
Der Italiener Francesco Arena zeigt auf einem zwischen Wänden gespannten meterlangen Metallbalken Erde aus einem Flüchtlingslager auf Lampedusa, genau auf der Höhe von 1,57 Metern, seiner Augenhöhe. Er kreiert so einen Horizont zwischen Himmel und Erde, Verheißung und Bedrohung. Die Britin Phyllida Barlow zeigt riesige Fahnen, Symbole der Macht und des Patriotismus', aber ohne jegliche Aufschrift und so dicht aufgestellt, dass Besucher sich nur hindurchzwängen können. Julian Charrière und Julius von Bismarck zeigen Bilder aus Tschernobyl von einer Kamera, die Hirschen aufs Geweih montiert war.
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Bewährte Größen: Miró, Tillmans, Basquiat
Viele Galerien präsentieren sichere Werte: Hochkaräter wie Miró und Picasso, Zeitgenössisches von Martin Kippenberger und Wolfgang Tillmans, oder angesagte Künstler wie Jean-Michel Basquiat und Daniel Knorr. Ein Gemälde von Basquiat hat bei einer Auktion gerade den Rekordpreis von 110,5 Millionen Dollar erzielt, umgerechnet 99,4 Millionen Euro. Knorr ist aktuell auf der documenta in Kassel und in Athen vertreten.
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Auch etwas Spaß darf sein
Ein Spaßprojekt präsentiert der Schweizer Urs Fischer: Er hat das berühmte Denkmal "Der Kuss" von Rodin mit Knete nachgebildet, lebensgroß, und fordert Besucher auf, selbst Hand anzulegen und das Werk zu verändern.
"Wofür wird Kunst benutzt?" fragt der Esslinger Bildhauer Tobias Rehberger. Er ist mit einer funktionierenden Küche auf der Kunstmesse vertreten, der ersten Einbauküche "Frankfurter Küche" von 1926 nachempfunden, aber ganz aus Porzellan. "Um das Gehirn zu erweitern, um festgefahrene Gewohnheiten umzustoßen, als Hilfe, um um die Ecke denken zu können - und zum Angeben", sagt er.
Die Kunstmesse Art Basel zieht Museen und Privatsammler aus mehr als 100 Ländern an. Jedes Jahr kommen rund 100.000 Besucher. Dank der beiden kürzlich eröffneten großen Kunstschauen documenta in Kassel und Skulptur Projekte Münster seien gerade besonders viele Kunstinteressierte in Europa unterwegs, so Art Basel-Direktor Spiegler. Auf dem Flughafen Basel-Mühlhausen seien 90 Privatflugzeuge angemeldet worden.
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jhi/ bb (dpa/artbasel.com)
http://p.dw.com/p/2eeJ9
Datum: 20.06.2017
Hinzugefügt:   venjamin.tolstonog
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