Leichtathletik - Weltmeisterschaft London 2017

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Bolt verliert seinen letzten 100-Meter-Lauf

Der Sprintkönig wird bei seinem letzten Rennen über diese Distanz entthront. Zwei Amerikaner laufen bei der WM in London schneller als der Superstar. Auch für Diskuswerfer Robert Harting gibt es kein Happyend.
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Ausgerechnet in seinem letzten ganz großen Rennen hat Bad-Boy Justin Gatlin den Jamaikaner vom Sprint-Thron gestoßen. Bolt verlor bei der WM in London erstmals ein Finale über 100 Meter im direkten Duell und muss sich nach 9,95 Sekunden mit Bronze begnügen. Sein alter Rivale Gatlin aus den USA - mehrfach in seiner Karriere des Dopings überführt - gewann Gold mit 9,92 Sekunden. Zweiter wurde sein Landsmann Christian Coleman (9,94). Gatlin wurde nach seinem Sieg ausgebuht, der 35-Jährige richtete mehrfach den Zeigefinger auf den Mund in Richtung des Publikums. Vor zwölf Jahren war Gatlin schon einmal Weltmeister, seither hatte er Bolt vergeblich gejagt. Nun weinte Gatlin hemmungslos, er ging vor Bolt auch auf die Knie und huldigte dem Supermann der vergangenen Jahre.
Das 100-Meter-Finale von London war Bolts letztes großes Einzelrennen, nach den Titelkämpfen beendet der achtmalige Olympiasieger seine Karriere. 2009, 2013 und 2015 hatte Bolt WM-Gold über die prestigeträchtigen 100 Meter gewonnen, 2011 war er wegen eines Fehlstarts disqualifiziert worden. Bolt wollte ungeschlagen in Rente gehen, doch es hat nicht sollen sein: Mit mittlerweile 30 Jahren fiel sein sonst so unwiderstehlicher Schlussspurt diesmal deutlich weniger kraftvoll aus. Dabei hatte sich der Weltrekordler und Olympiasieger trotz einer holprigen Vorbereitung zuletzt gesteigert und äußerst selbstbewusst präsentiert. Doch wie im Vorlauf erwischte Bolt wieder einen schwachen Start - trotzdem ließ er sich ausgiebig feiern.
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Bolt mit Rückenproblememn
"Es ist Zeit loszulegen. Also lasst uns loslegen", hatte Bolt vor dem Finale gesagt: "Wenn ich bei einer Weltmeisterschaft antrete, solltet ihr wissen, dass ich vollstes Vertrauen in mich habe. Ich bin bereit." Doch es hatte sich schon angedeutet, dass Bolt in diesem Jahr schlagbar sein könnte. Der Körper machte dem Schlaks wieder einmal zu schaffen, Bolt war nur als Nummer sieben der Welt an die Themse gereist. Wie schon vor Olympia in Rio ließ er sich im Vorfeld zwar erneut in München von seinem Lieblingsarzt Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt am maladen Rücken behandeln, doch die Probleme blieben offenbar zu groß.
Seine Fans konnten es nicht glauben. Bolt ist nach wie vor die größte Nummer der Leichtathletik, er fasziniert die Massen nach wie vor, er braucht nur mit den Augen zu zwinkern und das Publikum grölt. Keine Frage, Bolt wird der Leichtathletik auch als geschlagener König fehlen. "In meinem ganzen Leben habe ich noch keinen Sportler - neben Muhammad Ali - erlebt, der die Menschen so in seinen Bann gezogen hat", hatte Weltverbands-Präsident Sebastian Coe vor dem Finale gesagt: "Ich bin großer Boxfan, daher wage ich diesen Vergleich: Damals, als Ali aufgehört hat, fragten sich auch alle plötzlich, wer ihm nachfolgen, wie es weitergehen werde. Das gleiche Szenario erlebt jetzt die Leichtathletik, weil Bolt abtreten wird. Die Antwort ist: Du ersetzt weder Ali noch Bolt!"
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Harting verabschiedet sich ohne WM-Medaille
Bolt selbst verspürt nach eigenem Bekunden keinen Bammel vor der Rente. "Es wird eine Freude sein, sich zurückzulehnen" und "sich zu erinnern", sagte er. Was er vermissen wird? "Die Menge im Stadion. Das Training werde ich definitiv nicht vermissen." Bolt hat schon angekündigt, auf dem Oktoberfest in München jetzt "mehr Biersorten ausprobieren" zu wollen. Und Kinder will Bolt haben, "ganz sicher".
Ohne Erfolg von der WM-Bühne verabschiedet sich auch der deutsche Diskuswerfer Robert Harting. Der einstige "King of the Ring" hat mit Platz sechs deutlich die Medaillenränge verpasst. Der Ort, an dem Harting bei den Sommerspielen 2012 mit Gold den größten Erfolg seiner Karriere gefeiert hatte, hielt kein Happyend bereit. Vor den Augen seines Bruders Christoph, der sich ein Jahr nach seinem Olympiasieg nicht für die Titelkämpfe qualifizierte hatte, blieb der ältere Harting mit 65,10 Meter im Rahmen seiner Möglichkeit, der Rückstand auf die Medaillen war am Ende gewaltig. "Ich hatte technische Probleme, und wenn man im WM-Finale damit anfängt, die zu lösen, dann kann man nicht mehr richtig werfen", sagte Harting gegenüber dem Fernsehsender ARD.
Gold sicherte sich überraschend der Litauer Andrius Gudzius (69,21 Meter) vor dem Schweden Daniel Stahl (69,19 Meter) und Mason Finley aus den USA (68,03 Meter). Stahl war mit einer Jahresbestleistung von 71,29 m als Topfavorit angereist, musste sich aber in der knappsten Diskus-Entscheidung der WM-Geschichte mit Silber begnügen. Der 32-jährige Harting war 2009, 2011 und 2013 Weltmeister geworden. 2015 hatte er die Titelkämpfe in Peking als Folge eines im Jahr zuvor erlittenen Kreuzbandrisses verpasst. 2016 war Harting bei den Olympischen Spielen bereits in der Qualifikation gescheitert, nachdem er sich einen Hexenschuss zugezogen hatte.
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sw/tk (dpa, sid)    
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Mo Farah gewinnt WM-Gold über 10.000 m

Langstreckenläufer Mo Farah entzückt bei der Leichtathletik-WM in London das heimische Publikum. Usain Bolt läuft locker in den 100-Meter-Endlauf und Diskuswerfer Robert Harting wirft sich mühelos durch die Quali.
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Das erste Gold der Titelkämpfe holte das britische Lauf-Idol Mo Farah über 10.000 Meter. Als Superstar Usain Bolt zum Start seiner Abschiedsvorstellung locker und leicht ins Halbfinale joggte, hatte Robert Harting seine Pflichtaufgabe schon längst ebenso souverän gelöst. Während der Jamaikaner am ersten Tag der Leichtathletik-WM in London seinen 100-m-Vorlauf wie gewohnt in eine "Bolt-Show" verwandelte und in 10,07 Sekunden gewann, hakte Harting sein Olympia-Quali-Drama von Rio endgültig ab.
Harting kam im ersten Versuch der Diskus-Qualifikation auf 65,32 Meter und zog ohne Probleme ins Finale ein. "Durch im ersten Wurf, so hatte ich mir das vorgestellt. Das war der Plan. Es war nicht einfach, aber es ist eine schöne Atmosphäre und ein tolles Publikum", sagte Harting: "Ich fühle mich gut, mein Körper fühlt sich gut." 2012 war der Deutsche an gleicher Stelle Olympiasieger geworden. In Rio im vergangenen Jahr hatte der 32-Jährige wegen eines Hexenschusses, den er sich beim Licht ausmachen zugezogen hatte, den Vorkampf nicht überstanden.
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Klosterhalfen und Klein in der nächsten Runde
Für Lauf-Hoffnung Konstanze Klosterhalfen verlief das WM-Debüt erfolgreich: Über 1500 m zog die 20-Jährige ins Halbfinale am Samstag (20.35 Uhr) ein. Die U23-Europameisterin kam in 4:03,60 Minuten ins Ziel und erreichte ebenso wie Landsfrau Hanna Klein die nächste Runde. "Ich war zu ungeduldig und habe nicht gewartet", sagte Klosterhalfen, die früh die Tempoarbeit übernommen hatte und am Ende noch von einigen Konkurrentinnen überholt wurde: "Das Halbfinale wird hart." Zudem erklärte sie, bei der WM nicht über die 5000 m an den Start zu gehen.
Bei den Stabhochspringerinnen erreichte Vize-Europameisterin Lisa Ryzih als einzige deutsche Athletin das Finale. Die 28-Jährige übersprang 4,55 m im ersten Versuch. Die deutsche Rekordhalterin Silke Spiegelburg schied mit übersprungenen 4,35 m ebenso aus wie die erst 21 Jahre alte WM-Debütantin Friedelinde Petershofen (4,20 m). Der deutsche Meister Julian Howard verpasste deutlich das Finale im Weitsprung. Der 28-Jährige, der seine Bestleistung in diesem Jahr auf 8,15 m verbessert hatte, kam nicht über 7,72 m hinaus und blieb deutlich unter der geforderten Weite (8,05 m).
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sw (dpa, sid)    
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Datum: 06.08.2017
Hinzugefügt:   venjamin.tolstonog
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zagluwka
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