Leichtathletik-WM 2017 in London

Präsentationen | Sport

Die letzte große Bolt-Show

Sprint-Superstar Usain Bolt geht bei der WM in London zum letzten Mal bei einem großen Event an den Start. Mit dabei sind auch 19 russische Leichtathleten - aber nicht im Trikot ihres Landes.
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Der König der Leichtathletik tritt ab. Zum letzten Mal werden sich die Augen der Sportfans weltweit auf Rennen des Sprint-Superstars Usain Bolt richten. Bei der Leichtathletik-WM in London (4. bis 13. August) gibt der 30-Jährige seine Abschiedsvorstellung. Am Samstag wird er über die 100 Meter sein letztes großes Einzelrennen bestreiten, eine Woche später geht er für die jamaikanische 4x100-Meter-Staffel an den Start. Auf seine Lieblingsstrecke, die 200 Meter, verzichtet Bolt, der im Vorfeld der WM wieder einmal mit Rückenproblemen zu kämpfen hatte.
"Das letzte Rennen hat gezeigt, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Ich bin bereit", sagte Bolt. Mit einer Zeit von 9,95 Sekunden über 100 Meter beim Diamond-League-Meeting in Monaco war der Superstar zum ersten und bisher einzigen Mal in dieser Saison unter zehn Sekunden gelaufen. Damit war Bolt 13 Hunderstelsekunden langsamer als die bisherige Nummer 1 in diesem Jahr, der US-Amerikaner Christian Coleman (9,82 Sekunden). Der Kanadier Andre de Grasse rannte sogar windunterstützte 9,69 Sekunden. Bolts Weltrekorde - 9,58 Sekunden über 100 Meter und 19,19 Sekunden über 200 Meter - sind inzwischen schon acht Jahre alt.
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19-mal Gold bei Olympia und WM
"Ich denke, ich bin eine Legende", sagte Bolt, der die Leichtathletik in den vergangenen zehn Jahren geprägt hat wie niemand zuvor. 2008 ging der Stern des großen Sprinters aus dem kleinen Dorf Sherwood Content auf: Bei den Olympischen Spielen in Peking stürmte der damals 21-Jährige zu Weltruhm.
Acht olympische Goldmedaillen gewann er insgesamt - eine neunte mit der Sprint-Staffel Jamaikas 2008 wurde wegen eines Dopingbefundes bei seinem Teamkollegen Nesta Carter aberkannt. Elfmal Gold holte sich Bolt bisher bei Weltmeisterschaften. "In meinem ganzen Leben habe ich noch keinen Sportler - neben Muhammad Ali - erlebt, der die Menschen so in seinen Bann gezogen hat", sagte Sebastian Coe, Präsident des Leichtathletik-Weltverbands IAAF über Bolt. Es sei unmöglich, ihn zu ersetzten.
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Farah will das fünfte Double
An den Glamour-Faktor eines Bolt kommt bei der WM in London am ehesten noch Mo Farah heran: Der 34 Jahre alte britische Topstar peilt das fünfte Double in Serie über 5000 und 10.000 Meter an (nach Olympia 2012 und 2016 sowie den Weltmeisterschaften  2013 und 2015), ehe er endgültig zum Marathon wechselt. Doppelt triumphieren wollen auch die Südafrikanerin Caster Semenya (800 und 1500 Meter), die erneut von der Testosteron-Debatte eingeholt wird, und Jamaikas Sprint-Königin Elaine Thompson (100 und 200 Meter), die damit das weibliche Bolt-Erbe antreten könnte.
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Hoffnung auf Speerwurf-Gold
Medaillenkandidaten unter den 72 deutschen WM-Startern sind rar. Gold wird eigentlich nur den beiden 90-Meter-Speerwerfern Thomas Röhler (93,90 Meter) und Johannes Vetter (94,44 Meter) zugetraut. "Wir hätten nichts dagegen, drei Medaillen zu holen", sagte Olympiasieger Röhler. Denn mit Andreas Hofmann (88,79 Meter) liegt ein weiterer deutscher Speerwerfer auf Platz drei der Weltjahresbestenliste. Aussichtsreich starten außerdem die beiden Zehnkämpfer Rico Freimuth und Kai Kazmirek sowie Siebenkämpferin Carolin Schäfer. Diskus-Star Robert Harting gilt diesmal eher als Jäger denn Gejagter.
Die gute Bilanz der deutschen Leichtathleten bei der vergangenen WM 2015 in Peking mit insgesamt acht Medaillen dürfte sich nicht wiederholen. "Wir bringen viele individuelle Träume mit nach London", stapelte Idriss Gonschinska, Chef-Bundestrainer des Deutschen Leichtathletik-Verbands (DLV), tief. "Es gilt, sich keine Limits zu setzen."
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19 russische Athleten unter neutraler Fahne
Wie schon bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro bleiben Russlands Leichtathleten auch bei der WM in London noch gesperrt. Allerdings dürfen 19 Russen, die laut IAAF die Anforderungen im Anti-Doping-Programm erfüllt haben, unter neutraler Flagge starten. "Wir haben Fortschritte erkannt", sagte IAAF-Präsident Sebastian Coe. Ins gleiche Horn stieß Rune Andersen, Chef der IAAF-Anti-Doping-Taskforce: "Die Russen wollen wirklich alle Kriterien erfüllen und haben Riesen-Fortschritte gemacht. Aber es gibt noch Probleme, die zu lösen sind."
Usain Bolt macht sich wegen des weiter bestehenden Dopingproblems Sorgen um die Zukunft der Leichtathletik. "Die Sporter müssen verstehen, dass, wenn sie dies weitermachen, der Sport sterben wird", sagte der Superstar vor der WM. "Und sie haben dann keinen Job mehr."
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Stefan Nestler (mit sid, dpa)    
http://p.dw.com/p/2hYjI
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Reus: "Leichtathletik bietet mehr als nur Bolt"

Die Leichtathletik-WM in London steht im Zeichen des Abschieds von Superstar Usain Bolt. Deutschlands bester Sprinter, Julian Reus, spricht im DW-Interview über Bolt, aber auch über Doping in der Leichtathletik.
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Bei der Leichtathletik-WM in London wird am Samstag der schnellste Mann der Welt gesucht. Superstar Usain Bolt wird über 100 Meter sein letztes großes Einzelrennen laufen. Für Deutschland wird Sprinter Julian Reus an den Start gehen.
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Deutsche Welle: - Mit welchen Erwartungen fahren Sie zur WM in London ?
Julian Reus: - Das Wichtigste ist, am Ende zu sagen, ich habe heute mein Bestes gegeben, ein gutes Rennen gemacht. Dann werde ich auch mit dem Ergebnis zufrieden sein.
Bei der WM in Peking vor zwei Jahren sind Sie bis ins Halbfinale gekommen. Ist jetzt das Finale das Ziel?
Das wäre die Erfüllung eines Traums. Aber die internationale Konkurrenz im Sprint ist sehr groß. Über 100 Meter wird man für das Finale 10,0 Sekunden laufen müssen, über 200 Meter 20,20 Sekunden. Das werden die Leistungen sein, die man braucht, um am Ende unter den Besten zu sein.
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- Die 100 Meter am 5. August werden der letzte Einzelwettkampf von Usain Bolt sein. Wie sehen sie diesen Topsprinter, dem Sie oft begegnet sind?
- Seine Leistungen sprechen für ihn. Er hat in den letzten Jahren alles gewonnen, was man gewinnen kann. Aber diese Fokussierung auf ihn hat mich immer ein wenig gestört. Die Leichtathletik hat viel mehr zu bieten, andere Disziplinen, andere Duelle. Ich hoffe, dass sich gerade im Sprint nach Bolt wieder eine andere Situation entwickelt. Die Duelle Mann gegen Mann werden hoffentlich wieder in den Vordergrund rücken. Ich bin gespannt.  
Er ist aber nicht mehr neunfacher Olympiasieger, sondern nur noch achtfacher. Die Staffel-Medaille von Peking 2008 musste er zurückgeben, weil mit Nesta Carter einer seiner Teamkollegen gedopt war. Die Kontrollen in Jamaika gelten allgemein als lax.
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-Hat man das im Hinterkopf, wenn man ihn laufen sieht?
-Es ist bekannt, dass der 100-Meter-Sprint nicht sauber ist. Neun der zehn schnellsten Menschen auf dieser Strecke sind positiv getestet oder zumindest mit Doping in Verbindung gebracht worden. Das tut mir weh, weil ich den Sprint einfach liebe. Nichtsdestotrotz versuche ich, meine Leistung zu bringen und nicht daran zu denken.
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- Was könnte sein, wie kommen die Leistungen anderer zustande?
- Der europäische Leichtathletik-Verband EAA will zum 1. Januar 2018 neue Rekordlisten einführen, weil viele Uralt-Rekorde unter dem Verdacht stehen, durch Doping erreicht worden zu sein.
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-Wie stehen Sie zu diesem Gedanken?
-Das sehe ich kritisch. Es ist einfach zu sagen, wir streichen diese Rekorde. Aber wird das etwas in der Zukunft ändern? Das kann keiner genau sagen. Für mich ist wichtiger, das Gefühl zu haben, dass alle Verbände, alle Organisationen alles für einen sauberen Sport tun. Das bekomme ich aber nicht, wenn man alle Weltrekorde streicht. Dafür sind andere Sachen notwendig als solch eine pauschale Aktion.
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-Was wäre notwendig?
-Strengere Kontrollen, gleiche Kontrollen, unabhängige Kontrollen. Mich hat nachdenklich gemacht, dass in einer TV-Dokumentation nachgewiesen wurde, dass es 2008 in Peking Fälle von Clenbuterol-Doping gab. Diese wurden jedoch nicht untersucht. So etwas darf es nicht mehr geben. Man muss als Athlet immer das Gefühl haben, dass die Verbände jedem noch so kleinem Verdacht nachgehen, wenn es Hinweise gibt. Und dann auch rigoros gegen Doper vorgehen. Das ist eine Sache der Glaubwürdigkeit.
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-Haben Sie Hoffnung, dass Realität werden könnte, was Sie fordern?
-Da wo Geld sitzt, ist der Betrug ganz nahe. Ich habe leider die Befürchtung, dass sich, solange ich den Sport mache, nichts ändern wird.
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Julian Reus ist der schnellste Sprinter Deutschlands. Seit 2013 wurde er fünfmal in Serie deutscher Meister über 100 Meter. Bei den nationalen Titelkämpfen 2017 in Erfurt gelang ihm, wie zuvor schon 2013, das Double über 100 und 200 Meter. Über die kurze Sprintstrecke hält er mit 10,01 Sekunden den deutschen Rekord.
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Das Interview führte Herbert Schalling.
http://p.dw.com/p/2hZoy
Datum: 04.08.2017
Hinzugefügt:   venjamin.tolstonog
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