In der Karnevals-Saison in Deutschland

Feste | Präsentationen

11 Dinge die zwischen dem 11.11. und Aschermittwoch passieren

Auch wenn der Rosenmontag mit den großen Umzügen im Rheinland der bekannteste Tag in der Karnevals-Saison ist, endet das jecke Treiben erst am Aschermittwoch. Hier sind die Karnevals-Facts, die Sie kennen müssen.
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1. Sessionsbeginn – Start des Sitzungskarnevals
Der 11.11. ist für alle Karnevalisten ein magisches Datum. In den Hochburgen beginnt an diesem Tag um Punkt 11 Uhr 11 die Karnevalssaison. Mit unterschiedlichen Ritualen. So wird etwa in Düsseldorf der Schelm "Hoppeditz" zum Leben erweckt, in Köln stellt sich das neue Dreigestirn vor und in Mainz wird die traditionelle "Narrencharta" verlesen. Diese Feste finden auf den großen Plätzen, meistens vor den Rathäusern der Städte, statt. Es wird mit lokalen Musikgruppen und jeder Menge Alkohol den ganzen Tag gefeiert. Auch die Kneipen machen mit, dort dauert so manche Party bis in die Morgenstunden.
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2. Überall Sitzungen und Maskenbälle
Die offiziellen Karnevalsvereine beginnen mit ihrem Programm erst im Januar. Aber der alternative Karneval schlägt schon im Dezember zu. Deswegen sieht man auch in der Vorweihnachtszeit schon öfter einen (nicht als Weihnachtsmann) verkleideten Menschen. In Köln ist die "Stunksitzung" besonders beliebt. Die anarchistische Kabarett-Show gibt es seit mehr als 30 Jahren. Und immer noch sind die Karten (jährlich etwa 50.000) innerhalb weniger Stunden ausverkauft. Weitere Sitzungen der Karnevalsvereine kommen im Januar dazu. Dort werden lustige Reden gehalten, geschunkelt, es gibt Auftritte der lokalen Bands und den Tanzgruppen der Vereine. In Mainz geht es bei den Sitzungen eher politisch-literarisch zu.
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3. Am Neujahrstag wird Mainz närrisch
Am 1. Januar direkt startet in Mainz der offizielle Straßenkarneval – in Mainz "Fastnachts-Kampagne" genannt. Der 11.11. sei ja nur so ein Vorspiel, aber am Neujahrstag ginge es richtig los, erklärt Lothar Both, der Präsident der Mainzer "Ranzengarde". Um 11 Uhr 11 findet ein Umzug durch Mainz statt. Alle, die die Silvesternacht gut überstanden haben, können direkt weiterfeiern, wenn die Fastnachtsvereine, die Garden, mit Blasmusik und Trommeln durch die Straßen ziehen.
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4. Einsingen in den Karneval
In Köln hat sich seit nunmehr zehn Jahren die "LMS"- Kampagne zum Kennenlernen der neuen Lieder etabliert. LMS steht für "Loss mer singe" (Lasst uns singen). Die Mission ist: Die schönsten neuen Karnevalslieder bis zu den Tollen Tagen kennenzulernen und mitzusingen. In einer ausgiebigen Tour durch die Kneipen Kölns und Umgebung werden ab Anfang Januar die neuen Lieder vorgestellt. Hunderte singen die Lieder mit Hilfe von Textzetteln lauthals mit und stimmen für das beste Lied des Abends ab. Das beliebteste Lied von allen Kneipenabenden wird kurz vor Karneval ermittelt.
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5. Biwaks in Düsseldorf
Die Düsseldorfer Karnevalsgesellschaften veranstalten diese "Biwaks" um sich dem Narrenvolk vorzustellen. Ab Anfang Januar gibt es überall Veranstaltungen mit Musik, Häppchen und Getränken, wo Karnevalisten und Bürger miteinander feiern können. Keine Frage, dass die meisten dieser Partys um 11 Uhr 11 beginnen.
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6. Prinzenproklamation
In Köln herrscht das sogenannte Dreigestirn über den Karneval. Es besteht aus Prinz, Bauer und Jungfrau (auch von einem Mann dargestellt). In prächtigen Kostümen sind sie die höchsten Repräsentanten des Kölner Karnevals. Bei der Prinzenproklamation überreicht der Kölner Oberbürgermeister dem Prinzen die Pritsche, die er symbolisch über sein närrisches Volk schwingt. Der Bauer repräsentiert Köln als Stadt, die sich den Fängen der Erzbischöfe entzogen hat. Die Jungfrau beschützt als "Mutter Colonia" die Stadt.
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7. Donnerstag ist Weiberfastnacht
Unterscheidet sich äußerlich kaum vom 11.11. An den bekannten Orten, vor Rathäusern oder an Marktplätzen der Hochburgen feiern – selbstverständlich ab 11 Uhr 11 - tausende Narren und Jecke den Beginn des Straßenkarnevals, mit großen Reden, viel Musik und noch mehr Alkohol. Jetzt gibt's kein Halten mehr, Karnevalsprofis nehmen sich bis einschließlich Aschermittwoch frei, damit sie von Donnerstag an jeden Tag ausgiebig feiern können.
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8. Das Düsseldorfer Tonnenrennen
Auch während den Tollen Tagen wird die Tradition gepflegt. In Köln laufen am Karnevalssonntag die "Schull- und Veedelszöch" – kleine Umzüge durch die einzelnen Stadtviertel, organisiert von den Schulen und lokalen Karnevalsvereinen. Im Düsseldorfer Stadtteil Niederkassel richtet die "Tonnengarde" das traditionelle Tonnenrennen aus. Die Teilnehmer schieben Schubkarren mit großen Fässern über eine Rennstrecke. Traditionell gehen bei dem Rennen das Düsseldorfer Prinzenpaar, das Tonnenbauernpaar – die Regenten der Tonnengarde - und manchmal sogar der Oberbürgermeister mit an den Start.
Wer das in der Karnevalshochburg Köln unaufgefordert in die Menge ruft, gefährdet sich und seine Begleitung. Selbst als witzig gemeinte Provokation wird ein fröhlich geschmettertes "Helau" im Kölner Karneval gar nicht gern gehört. Es heißt natürlich "Kölle Alaaf".
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9. Rosenmontag
Mittlerweile weltbekannt: Die Rosenmontagszüge in Düsseldorf, Köln und Mainz. Internationale Fernsehstationen übertragen die Umzüge, die für alle Karnevalisten der Sessionshöhepunkt sind. Bunte Wagen, meist mit satirischen oder politischen Aussagen, wechseln sich mit den Musikkapellen und Tanzgruppen der Karnevalsvereine ab. Aus dem Zug werden Süßigkeiten (Kamelle) oder kleine Blumensträuße in den Menge geworfen. Zum Schluss kommt der Wagen des Karnevalsprinzen – der prunkvollste von allen. Für die Karnevalsoffiziellen ist ein wochenlanger Terminmarathon nun zu Ende.
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10. Nubbelverbrennung
In Köln hängt über den Karnevalskneipen eine große Puppe, "Nubbel" genannt. Die wird in der Nacht zum Aschermittwoch verbrannt. Der Nubbel muss für all die Sünden, die die Jecken während der Karnevalszeit begangen haben, hinhalten. Auch für alle anderen Unglücke, die passieren – selbst dann, wenn der lokale Fußballverein das letzte Match verloren hat. In Düsseldorf brennt am Aschermittwoch der "Hoppeditz".
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11. Traditionelles Fischessen
Am Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit, die bis zum Karfreitag dauert. Für gläubige Katholiken bedeutet das: kein Fleisch essen. Und Freitags: nur Fisch. Auch Nichtkatholiken nutzen die kommenden sechs Wochen, um auf bestimmte Dinge zu verzichten – wie etwa Alkohol, Tabak oder auch das Internet. Eingeläutet wird die Fastenzeit mit dem traditionellen Fischessen am Aschermittwoch.
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Silke Wünsch    
http://p.dw.com/p/1H3Kl
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Kolumne: Karneval in Berlin - eine "Mission impossible"

Berlin ist Karnevals-Provinz. Importiert aus dem Rheinland, machen da nur wenige Berliner mit. Viele feiern Rosenmontag deswegen woanders - das Berliner Prinzenpaar und auch DW-Kolumnist Gero Schließ.
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"Alaaf" und "Helau", das sind alte Bekannte, eben die populärsten deutschen Karnevalsschlachtrufe aus dem Rheinland. Aber "Hei-Jo"? Daran müsste ich mich erst noch gewöhnen. "Hei-Jo" steht für Heiterkeit und Jokus. Und das ruft man sich in Berlin zu, wenn Karneval ist.
Und damit ist nicht der Berliner "Karneval der Kulturen" gemeint, dessen Umzug sich an Pfingsten kunterbunt und multikulturell durch die Stadt ergießt. Die rufen auch ganz andere Dinge, nicht "Hei-Jo", sondern sowas wie "Ökosteuer - Ökosteuer"!
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Nur 1500 "echte" Karnevalisten in Berlin
Ich meine den eigentlichen Karneval, der in Köln, Düsseldorf oder - als Fastnacht - in Mainz gefeiert wird. Aber eben nicht in Berlin, leider. Das sage ich als gebürtiger Kölner, der vor knapp zwei Jahren an die Spree gezogen ist. Gründe dafür gab es viele, aber - nun ja - der Karneval war's nicht.
Während im Rheinland in der "fünften Jahreszeit" das tolle Treiben unüberhörbar ist, bleibt Berlin trotz seiner amtlichen Partykompetenz - piano. So leise, dass manch einer gar nichts davon mitbekommt.
"In Berlin gibt es ja keinen Karneval", klagt beispielsweise ein Freund, der schon lange hier lebt und ursprünglich aus Mainz kommt.
Nun, da würden die 22 Berliner Karnevalsvereine mit ihren leider nur 1500 aktiven Mitgliedern protestieren. Da ist zum Beispiel Narrenkappe e.V. aus Berlin-Reinickendorf. 40 Jahre gibt es den Karnevalsverein. Und er hat genau 40 Mitglieder, wie mir Martina Giersch von Narrenkappe e.V. erzählt. Gut, also für jedes Jahr ein Mitglied, denke ich bei mir. Die Gründung Kölner Karnevalsvereine müsste man nach diesem System in der Steinzeit verorten.
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Karneval aus dem Rheinland importiert
Der Karneval kam in verschiedenen Wellenbewegungen nach Berlin. Was sie alle eint? Ursprung ist das Rheinland mit dem Epizentrum Köln. Als die Preußen die Region im Westen im Jahre 1815 besetzten, da fingen sie sich eben auch den Bazillus des rheinischen Karnevals ein.
Eine weitere Welle löste später dann die Wiedervereinigung aus: Als Berlin Hauptstadt wurde, spülte der Beamten-Exodus aus dem rheinischen Bonn auch viele Jecken in die Berliner Karnevals-Diaspora.
Doch seien wir fair. Winzige Ur-Berliner Karnevalszellen gab es bereits vor den Bluttransfusionen aus dem Rheinland. Ausgerechnet der "Alte Fritz", Preußens König Friedrich II., ergötzte sich an Karneval. Er nannte das aber "Maskenball". Man fragt sich allerdings, wie das gutgehen konnte - bei Friedrichs ausgeprägter Humorlosigkeit. Doch immerhin bekämpfte er das Berliner Faible für Frohsinn nicht mit Tanz- und Vermummungsverbot und setzte obendrauf nicht noch eine deftige Biersteuer, wie seine königlichen Vorfahren. Gut möglich, dass trotzdem das Trauma der amtlichen Karnevals-Verhinderung so tief in der Psyche des Berliners verwurzelt ist, dass der auch heute noch nicht seine inneren Karnevalshemmungen überwinden kann.
Immerhin, politisch gesehen gehörten die in Ost und West-Berlin versprengten Karnevalisten zur Avantgarde. Sie bildeten die Speerspitze der deutschen Einheit, erzählt Narrenkappen-Aktivistin Martina Giersch. Noch vor der offiziellen Wiedervereinigung gründeten die Karnevalisten in Ost- und West-Berlin einen gemeinsamen Landesverband. Es wuchs zusammen, was zusammengehört, auch wenn die Kleiderordnung immer noch der Koordination bedarf. Der West-Berliner Karnevalist tauscht seine Abendrobe im Charlottenburger Chic erst kurz vor Rosenmontag gegen das Kostüm ein. Der Ost-Berliner schlüpft gleich zu Beginn der fünften Jahreszeit ins Kostüm und behält es an bis zum bitteren Ende.
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"Helau" in Düsseldorf statt "Hei-Jo" in Berlin
Doch auch wenn von Weiberfastnacht bis Rosenmontag so manche Party steigt, wie etwa in der "Ständigen Vertretung", dem ganzjährigen Zentrum rheinischen Froh- und Unsinns: Der Funke auf Berlin will einfach nicht überspringen.
Auch die letzte Hoffnung auf ein knackiges Karnevalswochenende ist nun dahin. Der kleine Karnevalsumzug am Ku'damm mit ein paar Festwagen fällt dieses Jahr aus. Grund sind die gestiegenen Kosten für Sicherheitsmaßnahmen, die nach dem Terroranschlag am Breitscheidplatz nötig würden.    
Mein Freund aus Mainz hat recht: Wer am Karnevalswochenende Spaß haben will, der kann nicht in Berlin bleiben. Mich zieht es in die Kölner Heimat. Und sogar das Berliner Prinzenpaar (siehe Artikelbild) kehrt Berlin den Rücken - und feiert Rosenmontag bei den Jecken in Düsseldorf.
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Gero Schließ    
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Datum: 14.02.2018
Hinzugefügt:   venjamin.tolstonog
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