Fußballbundesliga: Borussia Dortmund - FC Bayern

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Klare Verhältnisse im Abendspiel

In einem vor allem in der ersten Halbzeit hart umkämpften Spiel bezwang Bayern München Borussia Dortmund. Die beiden zurzeit besten deutschen Mannschaften boten den Zuschauern guten Fußball.
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Der Tabellenzweite empfängt den Tabellenführer, da ist die Frage, wer denn der Favorit ist, nicht leicht zu beantworten. Für Borussia Dortmund sprach zunächst der Heimvorteil - aber dann nicht mehr viel. Die Borussen haben nach dem furiosen Ligastart stark nachgelassen. Sie haben in den vergangenen Wochen eindeutig zu wenig Punkte gemacht, zu viele Tore kassiert und müssen fürchten, in der Champions-League sang- und klanglos auszuscheiden.
Sonst sprach alles für die Bayern: Die Gäste scheinen nach dem Trainerwechsel von Carlo Ancelotti zu Jupp Heynckes wieder so zuverlässig und robust wie eh. Der Ausfall von Welttorhüter Manuel Neuer konnte dank Sven Ulreich gut kompensiert werden und auch das Fehlen von Franck Ribery schwächt den Rekordmeister nicht wirklich. In den vergangenen Wochen hat der Rekordmeister zu alter Ruhe und Selbstverständlichkeit zurückgefunden - und so gehen sie halt in jedes Bundesligaspiel als Favorit.
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Leidenschaftlicher Hochgeschwindigkeitsfußball
Vom Anpfiff an suchten die Dortmunder jeden Zweikampf, wild entschlossen, keinen Zentimeter Bodens aufzugeben. Die Bayern ließen sich nicht beeindrucken und hielten dagegen. Spielfluss war dagegen nicht zu erkennen, weder auf der einen wie auf der anderen Seite. Eine halbe Chance von Aubameyang nach Zuspiel von Sokratis, in letzter Sekunde entschärft vom aufmerksamen Niklas Süle - mehr gab es an Strafraumszenen nicht zu sehen.
Bis zu 17. Minute: Da kam Arjen Robben nach einem überlegt herausgespielten Angriff im Dortmunder Strafraum an den Ball. Robben auf der halbrechten Position, ohne bedrängt zu werden? Richtig: Das 0:1 war Augenblicke später aktenkundig. Einen solchen Schuss, überlegt und souverän mit links Richtung Torwinkel: Das kann Arjen Robben eben - und kaum einer so gut wie er.
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Ein Treffer, der eine ganze Spielzeit entscheidet?
Nicht wenigen mag in dieser Minute durch den Kopf gegangen sein, dass diese Aktion den Ausgang der Saison 17/18 bereits entschieden haben könnte. Doch obwohl die Borussen sich nur kurz schüttelten und die Bayern gleich wieder hart und aufmerksam angingen: Der FC Bayern spielte jetzt ein wenig ruhiger, sichtbar um Spielkontrolle bemüht.
Und auch die 81.360 Zuschauer im selbstredend ausverkauften Stadion ließen sich nicht beirren und sorgten weiterhin für eine tolle Stimmung. In der 30. Minute ließ Andrey Jarmolenko ihre Hoffnungen hochfliegen - doch seine Chance wurde im letzten Augenblick von hervorragend reagierenden Ulreich zunichte gemacht. Direkt im Gegenzug hatte Lewandowski das 0:2 auf dem Fuß - vergebens. Zwei Minuten darauf im Bayern-Strafraum: Shinji Kagawa tanzt David Alaba aus und setzt den Ball nur um Zentimeter rechts am Tor der Bayern vorbei.
Doch in der 37. Minute der Nackenschag für die Gastgeber: Den Bayern lassen sie auf den rechten Flügel einfach zu viel Platz und Zeit: Joshua Kimmich wird freigespielt und kann unbedrängt flanken. Und vor dem Tor steht - Robert Lewandowski. Von mehreren Gegenspielern bedrängt, verwertet der Torjäger das Zuspiel und erzielt mit der Hacke das 0:2.
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Die Kräfteverhältnisse zurechtgerückt
Die zweite Halbzeit begann, wie die gesamte erste Halbzeit verlaufen war: Mit Bayern, die um Ruhe und Spielkontrolle bemüht waren und Dortmundern, die mit großem Willen und maximalem Einsatz den Gegner beeindrucken wollten. Und den Zuschauern wurde gleich wieder Fußball im ICE-Tempo geboten.
In der 47. Minute scheitert der frei zum Kopfball gekommene Lewandowski am hervorragend reagierenden Dortmunder Keeper Roman Bürki. Nur eine Minute darauf verzweifeln gleich zwei Dortmunder am Versuch, freistehend im Fünfmeterraum den Ball im Bayern-Tor zu versenken - Alaba klärt vor der Linie.
Doch nach rund einer Stunde Spielzeit bot sich dem Betrachter das vertraute Bild eines Bundesligaspiel mit Beteiligung des FC Bayern: Die Münchener kontrollieren das Spiel, ihren Gegnern gehen so langsam Luft und Ideen aus. David Alaba machte diese Beobachtung dann quasi amtlich: In der 67. Minute erzielte der Österreicher das entscheidende dritte Tor für die Bayern.
Dortmunds Trainer reagierte und nahm den von vielen Fans ersehnten Wechsel vor: Für Kagawa brachte er den Ex-Bayern-Spieler und Weltmeister Mario Götze - sozusagen der letzte Versuch, ein Debakel abzuwenden. Doch auch der junge Mann, der Deutschland zum WM-Titel geschossen hat, konnte nichts mehr bewirken. In der 75. Minute machte Dortmunds Torjäger außer Dienst, Aubameyang, es auch nicht besser: freistehend vergab er, der gute Sven Ulreich hatte wieder das bessere Ende für sich.
Der Lohn für das nie erlahmende Bemühen der Hausherren war der Treffer von Marc Bartra in der 88. Minute. Leider war das Tor aus Sicht der Dortmunder nicht mehr als Ergebniskosmetik. Aber er rückte die Kräfteverhältnisse ein wenig zurecht: Ein 0:3 wäre doch zu heftig gewesen, das Tor hatten sich die Dortmunder redlich verdient. Das Endergebnis von 1:3 (0:0) jedenfalls geht so auch in dieser Höhe in Ordnung.
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Die Tabellenführung ausgebaut
Die Dortmunder - und dies ist aller Ehren wert - ließen sich nicht hängen und waren bis zur letzten Minuten bemüht, ein Tor zu erzielen. Doch mit dem schieren Willen war es nicht getan, immer wieder fehlten am Schluss Ruhe und Klarheit in den Aktionen.
Die Bayern dagegen waren ihren Gegnern taktisch und spielerisch über fast die ganze Spielzeit weg überlegen. Entscheidend für ihren Auswärtssieg war, dass sie in keiner Phase des Spiels zurückgezogen und dem Dortmunder Engagement ihren Willen entgegengesetzt hatten.
Die Dortmunder verpassten, im Titelrennen wieder Boden gut zu machen. An der Tabellenspitze stehen weiterhin die Bayern - mit vier Punkten vor dem nun ersten Verfolger RB Leipzig. Auf den Plätzen drei und vier folgen punktgleich und mit sechs Punkten Rückstand auf den Rekordmeister Borussia Dortmund und der FC Schalke.
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Dirk Kaufmann
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Kommentar: Sind die Bayern gar nicht aufzuhalten?

Alles beim Alten nach dem Spitzenspiel: Vorne steht der FC Bayern - die anderen wetteifern um den zweiten Platz. Doch die Meisterschaft muss nicht unbedingt schon entschieden sein, meint DW-Redakteur Dirk Kaufmann.
Die Bayern spielen, die Bayern gewinnen, egal gegen wen. So ist das in Deutschland. Auf internationaler Ebene scheitern die Bayern wenigstens mal in einem Halbfinale - auf deutschen Plätzen kann sie dagegen nichts und niemand aufhalten. Das mussten im Spitzenspiel des 11. Spieltages auch die Dortmunder Borussen anerkennen. Trotz eines großen Engagements hatten sie wieder das Nachsehen.
Ja, die Bayern liegen wieder vorn. Doch die Borussen sind noch lange nicht abgeschlagen. Sechs Punkte - das ist nicht wenig. Aber es gibt noch 23 Spieltage bis zur Meisterfeier. Da kann noch viel passieren.
Obwohl: Da kann nicht, da MUSS noch viel passieren. Und das gilt vor allem dem BVB. Die Dortmunder müssen sich jetzt einmal ernsthaft mit ihrem Spielstil auseinandersetzen. Dass der wenigstens im Moment nicht konkurrenzfähig ist, beweisen nicht nur die mageren Liga-Ergebnisse. In der Champions-League sind sie aktuell von Ausscheiden bedroht, können nicht einmal gegen Zyperns Vertreter APOEL Nikosia gewinnen.
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Ein Plan wäre hilfreich
Es fehlt den Dortmundern nicht am Willen, es fehlt ihnen auch nicht an der spielerischen Klasse. Obwohl ihnen die Bayern auch da einiges voraus sind: Aubameyang, Götze, Waigl, Kagawa könnten schon mithalten. Was ihnen fehlt, ist Ruhe und Selbstsicherheit und Balance. Es reicht eben nicht, einen Gegner "hoch anzulaufen", ihn unter Druck zu setzen und darauf zu hoffen, dass er Fehler macht. Das passiert den Bayern nämlich nicht. Und übrigens auch Nikosia nicht.
Die Mannschaft braucht einen Plan, wie man klug und ohne unnötige Kraftverluste den Ball in den eigenen Reihen hält, ihn überlegt und vielleicht sogar ein wenig fantasievoll in die gegnerische Hälfte trägt. Dann kann man auch gegen gute Mannschaften Tore erzielen. Tore, die nicht nur aus überfallartigen Kontern entstehen. Konter, siehe das Spiel gegen die Bayern, werden auch nicht von jeder Mannschaft zugelassen.
Wenn das klappt, dann treffen auch die Stürmer wieder. Dazu haben Aubameyang und Jarmolenko in jedem Fall die nötige Klasse. Dann geht auch das ganze Team nicht nach einer Stunde Spielzeit auf dem Zahnfleisch, kann noch etwas zulegen und den Gegner noch überraschen.
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Einige sind entschuldigt, Dortmund nicht
Das gilt übrigens nicht nur für Borussia Dortmund. Auch die Verfolger der vergangenen Saison, RB Leipzig und die TSG Hoffenheim müssen erst noch lernen, auf hohem Niveau mitzuhalten. Dass sie das jetzt nicht (Hoffenheim) oder nur unter Mühen, wie im Fall RB Leipzig, schaffen, ist aber zu entschuldigen. Diese Newcomer-Teams bewegen sich tatsächlich auf neuem und ungewohntem Terrain.
Aber der BVB kennt die Champions-League, der war in diesem Jahrzehnt auch schon ein paar Mal vor den Bayern. Entschuldigungen haben die Dortmunder nicht, sie müssen jetzt liefern. Wie hilfreich es ist, dabei einen Taktik-Fundamentalisten wie Peter Bosz wirken zu lassen, können nur sie wissen. Sie tanzen auf einem schmalen Grat - abstürzen ist hier verboten. Sonst hat der heutige Bayernsieg die Meisterschaft tatsächlich schon am 11. Spieltag vorentschieden.
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DW-Redakteur Dirk Kaufmann
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Datum: 06.11.2017
Hinzugefügt:   venjamin.tolstonog
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zagluwka
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