Fußball Confederations Cup 2017: Final der Mini-WM

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DFB-Elf im Finale

Fußball-Bundestrainer Joachim Löw erreicht mit seinem jungen Team auch ohne Stars das Endspiel des Confed Cups gegen Chile. Er schlägt Gegner Mexiko mit seinen eigenen Stärken. Dabei erzielt ein Schalker zwei Tore.
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Die Taktik von Bundestrainer Joachim Löw war so einfach wie gut. Mexiko mit seiner eigenen Stärke schlagen: Aggressives Anlaufen und den Spielaufbau des Gegners stören. So erzielte das junge, international unerfahrene DFB-Team bereits in den ersten acht Minuten zwei Tore. Trotz eines Durchhängers noch in der ersten Halbzeit ließ Deutschland beim 4:1 (2:0)-Erfolg im Confed-Cup-Halbfinale gegen die offensivfreudigen Mexikaner nur ein Gegentor zu und steht nun im Finale gegen Chile (Sonntag, ab 19.45 Uhr im DW-Liveticker). "Erwarten konnte man das nicht mit dieser Mannschaft", gab Bundestrainer Joachim Löw zu. "Der Hunger und die Disziplin aber ist da und es hat sich von Beginn des Turniers an ein Teamgeist entwickelt." 
Nicht erst auf dem Spielfeld, sondern schon vorher auf der Taktiktafel gab es eine Überraschung: Löw ließ den erst 20-jährigen Benjamin Henrichs von Beginn an im rechten, defensiven Mittelfeld spielen. Zudem schickte er gegen die durchschnittlich vier Zentimeter kleineren Mexikaner nicht den großen Stürmer Sandro Wagner (1,94 Meter) auf den Rasen, sondern brachte neben Lars Stindl auch Timo Werner.  
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Doppeltorschütze Goretzka
Gleich vom Anpfiff an zeigte die Löw-Elf Pressing wie aus dem Fußball-Lehrbuch: sie zwang Mexiko mit Tempo auf die Abwehr zu Ballverlusten und hinderte es daran, sein eigenes Spiel nach vorne zu tragen. Dafür wurden Kapitän Julian Draxler und seine Mannschaft schnell belohnt. Henrichs passte von der rechten Außenbahn an die Strafraumgrenze. Von hinten kam Leon Goretzka, der aus 17 Metern direkt abzog und genau ins linke untere Eck traf (6. Minute). Vermutlich war der Pass ursprünglich für den weiter hinten stehenden Timo Werner gedacht gewesen, aber so war es ein schöner und erfolgreicher Spielzug. "Es war sehr wichtig, wie wir ins Spiel gekommen sind. Das hat bei den vorherigen Spielen nicht so gut geklappt, diesmal aber schon", so Goretzka.
Den Schock des frühen Gegentores nutzte Deutschland eiskalt aus. Keine zwei Minuten später spielte Werner einen Ball in die Tiefe, einen dieser Art, wie er sie sonst immer bekommt. Diesmal aber war Goretzka der Empfänger, der aus 14 Metern erneut die linke Eck suchte und fand (8.) - das 2:0 für das DFB-Team und der früheste Doppelpack in der deutschen Länderspiel-Geschichte. Für den Schalker war es bereits das dritte Tor beim Confed Cup. "Es war sehr wichtig, wie wir ins Spiel gekommen sind. Das hat bei den vorherigen Spielen nicht so gut geklappt, diesmal aber schon." 
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Durchhänger der DFB-Elf
Nach weiteren zehn Minuten sehenswerten Fußballs drängte Mexiko Deutschland jedoch immer öfter in die eigene Hälfte zurück und übernahm die Spielgestaltung. Den deutschen Spielern unterliefen immer häufiger individuelle technische Fehler, während der Gold-Cup-Sieger sich mehr und mehr Chancen erspielte: Nach 45 Minuten kam Mexiko auf zehn Torversuche, Deutschland auf fünf.
Nach dem Wiederanpfiff war Deutschland wieder direkt im Spiel drin. Werner vergab, wie auch schon in der ersten Halbzeit, beste Chancen, die er sonst im Verein erfolgreich abschließt. Aber in der 59. Minute spielte Mitspieler Jonas Hector ihn im Strafraum so frei, dass er allein vor dem leer stehenden Tor aus wenigen Metern nur einschieben musste - und es auch tat (59.). Wie Goretzka hat auch Werner damit nun schon drei Tore bei diesem Turnier erzielt.
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Traumtor von Fabian
Trotz des Drei-Tore-Rückstands gab Mexiko nicht auf: Raul Jiminez traf in der 75. Minute nach einem Kopfball nur die Latte. Eine Minute vor Ende der regulären Spielzeit durfte das mexikanische Team aber dann doch jubeln. Eintracht Frankfurts Profi Marco Fabian zog aus 30 Metern ab und drosch den Ball ins rechte Eck, unhaltbar für Torwart Marc-André ter Stegen, der in diesem Spiel sehr gute Paraden zeigte und dem diesmal kein Patzer unterlief (89).
Aber damit war noch nicht Schluss. Der eingewechselte Armin Younes stellte den vorherigen Torabstand wieder her, als er vom linken Fünfmetereck ins Tor traf (90+1.). Damit bleibt Mexiko ein Lieblingsgegner der Deutschen. Bei den Weltmeisterschaften 1978, 1986 und 1998 sowie beim Confed Cup 2005 und jetzt 2017 siegte immer die DFB-Elf. "Am Sonntag gegen Chile müssen wir nochmal alles geben", meinte Kapitän Draxler. Nach der langen Bundesligasaison "müssen wir uns die 90 oder 120 Minuten einfach noch mal quälen".
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Der deutsche Fußball feiert schon wieder einen Titel 

Kurz nach dem EM-Triumph der U21 holt Joachim Löws Perspektivteam bei der WM-Generalprobe den Confed Cup durch einen Finalsieg gegen Chile.
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An deutschen Fußball-Nationalmannschaften führt derzeit kein Weg vorbei. Nach dem sensationellen EM-Sieg der U21 am Freitag holt nun auch das Perspektivteam des DFB überraschend den Confed-Cup. Im hitzigen Finale der Mini-WM hielt die erstaunlich reife deutsche Mannschaft dem Ansturm der Chilenen in einer Abwehrschlacht stand und triumphierte durch das goldene Tor von Lars Stindl mit 1:0 (1:0).
Kapitän Julian Draxler fasste die Bedeutung dieses Triumphes nach dem Spiel so zusammen: "Unglaublich. Dafür, dass der Confed-Cup vorher belächelt wurde, war heute ganz schön Feuer drin. Wir haben super gefightet und diesen Sieg auch verdient. Schließlich haben wir so noch nie zusammengespielt, deshalb ist es umso höher zu bewerten."
Über weite Strecken unterlegen und doch in Führung: So lässt sich die erste Halbzeit des Spiels zusammenfassen. Als das 1:0 durch Lars Stindl (20.) fiel, hatten die Deutschen überhaupt erst zweimal aufs Tor geschossen. Die Chilenen dagegen hatten zu dem Zeitpunkt schon elfmal den Abschluss gesucht. Tatsächlich hatte es die DFB-Elf mit Dauerdruck seitens der Chilenen zu tun, denn wie beim 1:1 im Gruppenspiel elf Tage zuvor setzte Chile auf seine Überfalltaktik.
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Die erste Chance saß
In der fünften Minute musste Torhüter Marc-André ter Stegen mit dem Fuß gegen Vidal retten, Antonio Rüdiger war zuvor gegen Charles Aranguiz zu spät gekommen. Chile machte enormen Druck auf die Ballführenden und spielte nach Ballgewinnen sofort steil in die Spitze. Die deutsche Abwehr, diesmal von Weltmeister Shkodran Mustafi angeführt, wankte heftig: Der Aufbau bestand unter dem Weltklasse-Pressing des Gegners aus langen Schlägen ins Nichts. Bezeichnend: Nach einer halben Stunde hatte ter Stegen die meisten Ballkontakte aller Spieler.
"Auf geht's! Holt euch den Cup!", schrieb Weltmeister Thomas Müller aus der Heimat aufmunternd. Es half fast sofort: Die erste deutsche Chance saß. Der frühere Hamburger Marcelo Diaz träumte am Strafraum und ließ sich den Ball von Timo Werner abluchsen, der quer auf Stindl legte - 1:0. Eine Minute zuvor hatte ter Stegen Kopf und Kragen riskieren müssen, um das 0:1 zu verhindern (19.). Kurz nach dem Rückstand vergab Aranguiz (24.). Ab der 30 Minute befreite sich die DFB-Elf allmählich aus der Umklammerung. Die besten deutschen Chancen hatten danach Leon Goretzka (36./45.) und Julian Draxler (40.).
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Hitzige zweite Halbzeit
Nach der Pause stemmte sich das DFB-Team erfolgreicher als zu Beginn gegen den Versuch der Chilenen, Druck aufzubauen. Kapitän Julian Draxler, wie im gesamten Turnier nicht völlig überzeugend, hatte nach feinem Solo Pech, dass sein Schuss noch abgefälscht wurde (55.). Kurz darauf zofften sich die Bayern-Profis Vidal und Joshua Kimmich, beide sahen Gelb und verzichteten danach auf einen versöhnlichen Handschlag. Dabei hatten sich die beiden Münchner nach dem Gruppenspiel noch zum Wiedersehen im Finale verabredet.
Und es blieb hitzig. Nach Gonzalo Jaras Ellbogenschlag gegen Werner griff der Videoschiedsrichter ein, doch der serbische Referee Milorad Mazic beließ es nach dem Studium der Bilder bei Gelb – eine fragwürdige Entscheidung. Mit Wut im Bauch warfen die Chilenen nun noch einmal alles nach vorn. Rudy rettete gegen Alexis Sanchez (73.), dann parierte ter Stegen einen Schuss von Eduardo Vargas (74.). Löw sah, dass sein junges Team immer mehr in Bedrängnis geriet und brachte Can als Stabilisator anstelle von Werner (79.). Noch einmal musste ter Stegen sich bei Aranguiz' Schuss strecken (80.). Angelo Sagal schoss kurz darauf über das leere Tor (84.), ehe wieder ter Stegen einen Freistoß von Sanchez hielt (90.+5). Dann war es für völlig entkräftete DFB-Auswahl geschafft.
Claudio Bravo, der Torwart Chiles zeigte sich nach der Partie als fairer Sportsmann: "Wir haben viel gelernt. Wir haben alles gegeben. Wir haben gegen eine Mannschaft von Weltniveau verloren. Wir sind sehr traurig, können aber trotzdem stolz auf uns sein. Wir haben nie nachgelassen."
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Deutschland holt also zum ersten Mal den Titel des Confed-Cups. Nur eins gibt im Jubel um den Premierentitel beim WM-Testlauf zu denken: Noch nie wurde ein Confed-Cup-Sieger direkt danach auch Weltmeister. "Abergläubisch sind wir nicht, zumindest ich nicht", hatte Joachim Löw aber vorher schon gesagt.
Den dritten Platz des Turnier hatte sich am Nachmittag Portugal mit einem 2:1 (0:0) nach Verlängerung gegen den deutschen Halbfinalgegner Mexiko gesichert.
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Jan-Hendrik Raffler    
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Kommentar: Muster ohne Wert

Schön, dass das DFB-Team den Confed Cup gewonnen hat. Aber Aussagekraft über die wahre Stärke des deutschen Fußballs hat dieser Erfolg nicht, kommentiert DW-Redakteur Tobias Oelmaier.
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Lästig, unnütz und auch noch zur Unzeit. Dazu noch weitgehend ohne die Weltmächte des Fußballs. Was hatten sie den Confed Cup vor Turnierbeginn alle klein geredet. Die Fans, die Spieler, die Trainer, die Funktionäre hierzulande - auch wir Medienvertreter. Und so gab Bundestrainer Joachim Löw seinen Topstars einfach frei und nominierte eine bessere B-Elf für den Einsatz in Russland. Spieler, die auf der Kippe stehen im DFB-Kader, Spieler, die sich im Verein nicht im internationalen Wettbewerb aufgerieben haben, Spieler, die sich Hoffnung machen, noch auf den WM-Zug 2018 aufzuspringen.
Und tatsächlich: Viele dieser Wackelkandidaten und Talente haben sich bewährt. Haben den Confed Cup für uns Zuschauer zu einem willkommenen Zeitvertreib in einer fußballarmen Zeit gemacht und sogar den Titel geholt. Confed-Cup-Sieger - das gab's noch nie in der Geschichte des Deutschen Fußball-Bundes. Der Jubel der Spieler unterschied sich kaum von dem nach einem WM-Gewinn. Neben den vier Weltmeister-Sternen, neben den drei EM-Erfolgen ziert nun auch der Konföderationenpokal den Briefkopf des größten Sportverbandes der Welt.
Dazu noch der Sieg der Junioren der U21 jüngst bei der Europameisterschaft in Polen. Viele Experten sagen dem deutschen Fußball deshalb eine goldene Zukunft voraus. Zumal die Özils, Neuers, Hummels, Boatengs, Kroos und Müllers ja noch im besten Alter sind und bald in den Kader zurückkommen werden.
Aber die sportliche Leitung beim DFB wäre gut beraten, nach ein paar verdienten Feier-Tagen rechtzeitig auf die Euphoriebremse zu treten. Denn Siege beim Confed Cup gegen Australien und Kamerun durfte man auch von diesem Team erwarten, und Halbfinalgegner Mexiko gehört international ebenso nicht zur ersten Riege. Einzig Chile, in der Weltrangliste als Südamerikameister immerhin auf Position vier geführt, war ein echter Prüfstein. Hier gab es im Gruppenspiel ein glückliches 1:1, beim erneuten Aufeinandertreffen im Finale dann den umkämpften, knappen 1:0-Sieg.
Brasilien, Argentinien, Frankreich, Belgien, Spanien, Italien, England - die Mannschaften, über die dann im nächsten Jahr in Russland der Titel vergeben wird, fehlten unisono. So sollte man den Confed Cup nicht größer machen als das im Vorfeld der Fall war. Der Titel ist, bei allem Respekt, nicht mehr als ein Muster ohne Wert!
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Tobias Oelmaier    
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Datum: 03.07.2017
Hinzugefügt:   venjamin.tolstonog
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