Formel 1: Vettel, die Tifosi und der Mythos Monza

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"Einer von uns!" - mit diesem Satz adelten die Tifosi Michael Schumacher nach seinem ersten Ferrari-Erfolg in Monza. Nach Ähnlichem strebt auch Sebastian Vettel an diesem Wochenende auf dem legendären Rennkurs.
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Pure Leidenschaft für den Motorsport - nirgendwo im Formel 1-Zirkus ist sie so hautnah zu spüren wie in Monza. Die emotionale Zuneigung der Fans gilt allen Fahrern, für die im roten Dress der Scuderia Ferrari aber im Besonderen. Sebastian Vettel kennt das inzwischen. Zehntausende Fans drängen sich schon seit Donnerstag vor dem Rennwochenende im königlichen Park von Monza um den Ferrari-Star und jagen nach Autogrammen und Selfies. Vettel selbst ist die Freude anzumerken. Er wirkt locker, was sicher mit seiner Vertragsverlängerung bei Ferrari bis Ende 2020 zu tun hat, aber auch mit dem guten Auftritt seines Ferraris in Spa. In Belgien musste sich der viermalige Weltmeister nicht der überlegenen Motorleistung seines Mercedes-Rivalen Lewis Hamilton beugen, sondern konnte bis zum Ende Druck machen.
Das weckt bei den Tifosi die Hoffnung auf den ersten Ferrari-Heimsieg seit dem Erfolg von Fernando Alonso 2010. Dagegen spricht, dass drei Viertel der Hochgeschwindigkeitsstrecke mit Vollgas gefahren werden, eine Charakteristik die Mercedes entgegen kommt. In den vergangenen drei Jahren hatten die Silberpfeile unangefochten die Nase vorne. Eine Tendenz, die das Freie Training am Freitag bestätigte. Vettel war etwas langsamer als Hamilton.
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Paralellen zum Kindheitsidol
Vettel könnte es nun seinem Idol gleichtun. Die Parallelen zu Michael Schumacher sind erstaunlich. Auch Schumacher war als mehrmaliger Weltmeister zu einer Scuderia im sportlichen Tief gewechselt. Schumachers damaliger Rivale Mika Häkkinen saß wie Vettels großer Kontrahent heute in einem stärker eingeschätzten Boliden mit Mercedes-Motor. Nach seinem ersten Sieg beim Großen Preis von Italien 1996 war Schumacher dementsprechend euphorisiert: "In Monza mit einem Ferrari zu gewinnen ist einfach das Größte."
Ein Gefühl, das Vettel sich zumindest vorstellen kann. Schließlich feierte er dort selbst schon einen Sensationserfolg: 2008, mit gerade mal 21 Jahren, raste Vettel bei strömendem Regen im Toro Rosso in Monza zum ersten Formel 1-Sieg seiner Karriere. "Bis heute ein spezieller und emotionaler Moment", schwärmt er.
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Monza ist Mythos
"Mit der Leidenschaft der Fans werden wir alles geben. Der Erfolgshunger war nie größer", betont Vettel vor seinem selbsterklärten Heimrennen. Doch es sind nicht nur die enthusiastischen Fans, die Monza einzigartig machen. Es ist die Historie. Als "Tempel des Tempos" gefeiert, hat die Strecke auch ihr Schattenseiten. Monza ist zusammen mit Silverstone der einzige Kurs, der seit der Formel-1-Premierensaison 1950 fest im Rennkalender verankert ist. Oft genug wurde er in diesen Jahrzehnten auch zum "Tempel des Todes":  Alberto Ascari kam 1955 bei Tests ums Leben, Wolfgang Graf Berghe von Trips verunglückte sechs Jahre später bei einem Horrorcrash. Jochen Rindt verunglückte 1970 eingangs der berühmten Parabolica tödlich und wurde posthum Weltmeister.
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Vettel mit Titel-Sehnsucht
Dem nicht genug wird am Wochenende noch mehr Historie in Monza gefeiert. Zusammen mit über 100.000 Tifosi in Rot zelebriert Ferrari sein 70. Firmenjubiläum. Falls Vettel es tatsächlich schaffen sollte, mit einem Sieg die Kirsche auf die Torte zu zaubern, wäre ihm Jubel und ein eigener Platz in der Unternehmensgeschichte gewiss. Doch der ehrgeizige Vettel ist in seinen Träumen schon einen Schritt weiter: "Meine Mission ist noch nicht beendet. Ich stelle mir vor, dass einer meiner schönsten Tage der sein wird, wenn ich in Rot den Titel gewinne", sagte der WM-Spitzenreiter vor dem Großen Preis von Italien.
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Datum: 04.09.2017
Hinzugefügt:   venjamin.tolstonog
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zagluwka
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