FIFA Konföderationen-Pokal 2017

Präsentationen | Sport

Auftaktsieg für die DFB-Elf

Es ist die bisher torreichste Partie bei diesem ConfedCup: Deutschland gewinnt sein erstes Spiel gegen Australien, lässt aber viele Chancen ungenutzt und wirkt defensiv unsicher. Erneut muss der Videobeweis aushelfen.
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Nicht mal zur Hälfte gefüllt war das Fischt-Stadion in Sotchi. Selbst wenn der Weltmeister spielt, reißt das offensichtlich nur wenige russische Fans vom eigenen Sessel. Gerade mal 23.000 Zuschauer sahen die Partie Australien gegen Deutschland live in der Arena, in der bei den Olympischen Winterspielen 2014 die Eröffnungs- und Schlusszeremonie stattfand. Immerhin gab es fünf Tore zu sehen, die meisten in den bisherigen vier Partien. Mit 3:2 (2:1) setzte sich das Team von Bundestrainer Joachim Löw gegen die Socceroos durch. "Das sind Spiele, wo einem als Trainer, der draußen steht, auch mal das Herz stehen bleibt", so Löw, der nach dem Abpfiff erleichtert die Arme hoch riss.
Das verjüngte und umstrukturierte deutsche Team ließ von Anfang an Ball und Gegner laufen. Über die Außenbahnen versuchten sie, das Spiel breit zu machen und erspielten sich allein in der ersten Halbzeit rund ein Dutzend Torchancen. Zwei davon nutzen sie dann auch. Nur fünf Minuten nach Spielanpfiff zappelte erstmals der Ball im Tor der Australier: Julian Brandt dribbelte sich bis zur rechten Strafraumkante durch und legte dann flach zurück auf Lars Stindl. Der Mönchengladbacher schloss direkt aus zehn Metern ab - die Führung (5. Minute).
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Der Ausgleich aus dem Nichts
Die Löw-Elf spielte weiterhin unaufgeregt, aber souverän nach vorne, während der Gegner meistens nur reagierte und nicht selbst agierte. So kamen sowohl Stürmer Sandro Wagner, also auch Brandt, Stindl und Leon Goretzka zu sehr guten Möglichkeiten. Aber entweder parierte Australiens Torwart Maty Ryan gut oder der Ball ging knapp am Tor vorbei. Aus dem Nichts kam dann der Ausgleich. Nach einem Fehlpass von Kapitän Julian Draxler schalteten die Socerroos schnell um. Bei seinem ersten Schuss benutzte Tommy Rogic Shkordan Mustafi als Bande, sein zweiter Schuss aus 16 Metern wäre bei einem guten Tag von Leverkusens Schlussmann Bernd Leno zu halten gewesen (41.).
Deutschland ging aber trotzdem mit einer Führung in die Halbzeit, weil kurz darauf Massimo Luongo den besten DFB-Spieler, Goretzka, im Strafraum von den Beinen holte. Ein unstrittiger Elfmeter. Deutschlands Ersatzkapitän Draxler verwandelte souverän vom Punkt zum 2:1 (44.). "Wir hätten mehr aus den vielen Chancen in der ersten Halbzeit machen müssen. In der zweiten waren wir gar nicht mehr so überlegen", meinte Draxler nach der Partie. Zunächst wirkte es jedoch anders: Nach Wiederanpfiff spielte Joshua Kimmich einen zentimetergenauen Ball in den Lauf von Goretzka, der vom rechten Fünfmetereck den Ball im gegnerischen Tor zum 3:1 unterbrachte (48.).
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Videobeweis beim zweiten Tor der Australier
Die erste Gelbe Karte des Spiels führte schließlich zum Anschlusstor der Australier. Goretzka foulte Torschütze Rogic kurz vor der Strafraumgrenze. Nach einem Freistoß wurde Rogics Schuss abgefälscht und dann über Tomi Jurics Brust in Lenos Richtung gelenkt. Der Schlussmann ließ den Ball abprallen, obwohl er zu halten war. Juric nutzte die Chance und staubte zum 2:3 ab (55.). Aber Schiedsrichter Mark Geiger aus den USA forderte zunächst den Videobeweis an, um zu klären, ob bei Juric' ersten Ballberührung der Arm im Spiel war. War er aber auch nach Ansicht der Zeitlupe nicht, deshalb gab Geiger folgerichtig das Tor (58.). In den letzten 20 Minuten traute sich Australien auch mal öfter in den deutschen Strafraum, während die Löw-Abwehr zu zögerlich war. So zog Joker James Troisi einfach aus 20 Metern ab. Leno flog und parierte diesmal sicher (73.). Eine Viertelstunde vor Abpfiff hätte Deutschland noch erhöhen können. Aber der eingewechselte Timo Werner, mit 21 Treffern Deutschlands bester Stürmer, drückte den Ball an den linken Pfosten (75.). Fünf Minuten später musste der Leverkusener Keeper erneut gegen Juric klären. "Wir haben zum Schluss den Faden verloren", gab Draxler zu. "Gegen Chile müssen wir wirklich besser spielen." Nur anderthalb Stunden nach dem Abpfiff fliegt die deutsche Mannschaft schon nach Kasan. Am Donnerstag wartet dann der Südamerika-Meister auf den Weltmeister (ab 19.45 Uhr im DW-Liveticker).
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Späte Tore zwischen Portugal und Mexiko

Turnierfavorit Portugal enttäuscht im Gruppenspiel des Confed Cups in Russland gegen Mexiko und schafft nur ein Unentschieden. Beim Sieg Chiles gegen Kamerun ist der Videoschiedsrichter im Dauereinsatz.
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Trotz einer Gala-Vorlage von Cristiano Ronaldo hat Portugal bei seiner Confed-Cup-Premiere schwer enttäuscht und den erhofften ersten Schritt zum nächsten Titel verpasst. Beim ersten Auftritt nach den Wechselgerüchten um seinen Superstar kam der Europameister gegen Mexiko am Sonntag in Kasan nur zu einem 2:2 (1:1).
Ronaldo legte in der 34. Minute die Führung durch Ricardo Quaresma mit einer feinen Einzelleistung auf, Cedric (86.) schien den schmeichelhaften Sieg des Favoriten spät klar zu machen. Für Gold-Cup-Sieger Mexiko erzielte Bayer Leverkusens Javier Hernández vor 34.000 Zuschauern per Kopfball den verdienten Ausgleich (42.). Hector Moreno (90.+1) sorgte in der Nachspielzeit dann für den Endstand.
Portugal steht damit am Mittwoch gegen Gastgeber Russland, der zum Auftakt mit 2:0 gegen Neuseeland gewonnen hatte, bereits mächtig unter Druck. Nach dem Wirbel um die Steuer-Anschuldigungen und den kolportierten Gedanken an einen Abgang bei Real Madrid konnte auch Ronaldo zu selten für Glanzmomente sorgen.
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Ronaldos Gegenspieler überfordert
Nach den verheerenden Waldbränden in Portugal begann die zweite Partie beim Confed Cup mit einer Schweigeminute. Elf Europameister standen in der Startformation der Portugiesen, auch Dortmunds Raphaël Guerreiro bekam von Trainer Fernando Santos das Vertrauen geschenkt. Mexiko startete mit Superstar Javier Hernández (29) von Bayer Leverkusen, mit 47 Toren der Rekordschütze der El Tri. Zudem hat Eintracht Frankfurts Neuzugang Carlos Salcedo (23) auf der rechten Abwehrseite die Aufgabe, den Weltfußballer Ronaldo zu stoppen. Nach ordentlichem Beginn war der 23-Jährige von der Mammutaufgabe doch etwas überfordert.
Die erste Viertelstunde blieb Ronaldo unauffällig, kaum ein langer Ball seiner Teamkollegen erreichte den 32-Jährigen. Missmutig joggte der Superstar den Fehlpässen hinterher. Den ersten großen Auftritt hatte er dann in der 20. Minute: Sein Freistoß aus zentraler Position landete nur in der Mauer, den Nachschuss zimmerte er mit Wucht aus 17 Metern an die Latte.
Nur wenig später jubelte Portugal das erste Mal - allerdings vergebens, Schiedsrichter Néstor Pitana aus Argentinien verwehrte dem Treffer nach Rücksprache mit dem Videoschiedsrichter die Anerkennung, gut eine Minute dauerte die Premiere beim Confed Cup.
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Quaresma vergibt Vorentscheidung
Nachdem Mexiko die Anfangsphase dominiert hatte, wirkte der nicht gegebene Treffer wie ein Adrenalinschub für die gewohnt abwartend agierenden Portugiesen. Zunächst schien es als habe Ronaldo sich auf der linken Seite verdribbelt, ließ dann aber Diego Reyes und den überforderten Salcedo aussteigen - mühelos schob Quaresma den Ball zur Führung ein. Der Torschütze konnte in der 40. Minute einen sensationellen Hackenpass von Ronaldo nicht verwandeln - es wäre vielleicht schon die Vorentscheidung gewesen.
Portugals Ricardo Quaresma (l.) hätte gegen Ende der ersten Halbzeit für die Vorentscheidung sorgen können, vergab aber.
So kamen die Mexikaner, die mit ihrer siebten Confed-Cup-Teilnahme den Rekord von Brasilien einstellten, noch einmal zurück. Nach einem schweren Patzer von Dortmunds Gurreiro traf Hernández nach Pass von Vela zum Ausgleich - es war der 48. Treffer im Nationaltrikot für Chicharito.  In der Nachspielzeit der ersten Hälfte hätte der Profi aus Leverkusen die Mexikaner beinahe in Führung geschossen.
Auch nach der Pause gab das Team von Trainer Juan Carlos Osorio aus Kolumbien zunächst den Ton an. Mexiko, der Confed-Cup-Sieger von 1999, wirkte spielfreudiger, die Portugiesen lauerten wie in der ersten Hälfte auf ihre Chance. Die kam durch Cedric - und ein neuerlicher Videobeweis, der diesmal zu Gunsten der Portugiesen ausging. Doch Moreno ließ die Mexikaner erneut jubeln.
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Chile schlägt Kamerun
Arturo Vidal hat den perfekten Start Chiles in den Confed Cup eingeleitet. Der Profi von Bayern München erzielte in der 81. Minute den Führungstreffer zum 2:0 (0:0) des Südamerikameisters gegen Kamerun. Für den Endstand sorgte der frühere Hoffenheimer Eduardo Vargas in der zweiten Minute der Nachspielzeit. Die Chilenen übernahmen nach dem ersten Spiel der Gruppe B, in der Weltmeister Deutschland am Montag gegen Australien (17.00 Uhr MESZ im DW Liveticker) ins Geschehen eingreift, die Tabellenführung.
Vor 33.000 Zuschauern in Moskau gab es im ersten Durchgang die größte Aufregung Sekunden vor der Pause, als die Chilenen schon ihren vermeintlichen Führungstreffer durch Vargas bejubelten. Der Video-Assistent hatte die Partie aber wegen einer Abseitsstellung des Stürmers unterbrochen.
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Videoschiedsrichter im Dauereinsatz
Vidal beschwerte sich anschließend gestenreich beim slowenischen Schiedsrichter Damir Skomina, der dem Treffer die Anerkennung verweigerte. Auch der Leverkusener Mittelfeldspieler Charles Aranguiz protestierte, weil es nach Ansicht der Chilenen in der entscheidenen Szene gleiche Höhe war.
Chile war von Beginn tonangebend, konnte seine zahlreichen Torchancen vor der Pause aber nicht in Tore ummünzen. Die Chancenverwertung wurde auch in der zweiten Hälfte zunächst nicht besser, obwohl ab der 58. Minute der auch von Bayern München umworbene Superstar Alexis Sánchez für La Roja im Einsatz war. Der Topstürmer vom FC Arsenal bereitete dann aber in der Schlussphase den Treffer von Vidal vor, der per Kopf erfolgreich war.
In der Nachspielzeit vergab dann zunächst Sánchez zunächst eine große Konterchance, als er einen Gegenspieler auf der Torlinie anschoss, aber Vargas staubte ab. Der Linienrichter verweigerte dem Treffer zunächst wegen einer vermeintlichen Abseitsstellung die Anerkennung, Schiedsrichter Skomina bemühte wieder den Video-Assistenten, der keinen Regelverstoß feststellte.
Chile trifft am zweiten Spieltag der Gruppe B am 22. Juni auf Deutschland, drei Tage später ist zum Gruppenabschluss Kamerun Gegner des Weltmeisters.
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to/sw (dpa/sid)
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Datum: 20.06.2017
Hinzugefügt:   venjamin.tolstonog
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