FC Bayern Campus als Antwort auf Transferwahnsinn

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Der FC Bayern eröffnet sein neues, modernes Nachwuchsleistungszentrum. Der Campus soll die "richtige Antwort" des deutschen Rekordmeisters auf Millionentransfers wie den von Neymar zu Paris St. Germain sein.
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Mit einer neuen Jugendakademie, dem FC Bayern Campus, startet Deutschlands Rekordmeister künftig den Angriff auf Europas Fußball-Thron. "Ich bin überzeugt, dass wir damit die richtige Antwort auf die Entwicklung im internationalen Fußball geben können, auf den ganzen Transferwahnsinn und die Gehaltsexplosionen", sagte ein "stolzer und glücklicher" Uli Hoeneß bei der Eröffnungsfeier des neuen Areals.
Der Verein hat sich die neue Heimat seines Nachwuchses insgesamt 70 Millionen Euro kosten lassen - "nicht einmal ein halber Neymar", wie Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter süffisant anmerkte. Der vom Katarer Herrscherhaus finanzierte Klub Paris St. Germain hatte sich den Brasilianer vom FC Barcelona 222 Millionen Euro kosten lassen. Vielleicht gelinge es dem FC Bayern mit seiner Akademie, so Präsident Hoeneß weiter, den Vorsprung, den andere Vereine durch Investoren aus dem Nahen Osten oder Russland hätten, "durch geschicktes Taktieren" auszugleichen. Man wolle das "Mia san mia" in die Welt hinaustragen: "Der Campus soll ein Markenzeichen sein."
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Künftig Transfers von 16- und 17-Jährigen
Doch nicht nur die Verweigerungshaltung der Bayern gegenüber derartig hochdotierten Transfers, sondern auch offensichtliche Mängel im eigenen Hause lassen die Münchener handeln. Denn in der Nachwuchsarbeit besteht bei den Bayern durchaus Nachholbedarf. Vor sieben Jahren hatte der Österreicher David Alaba als bislang letzter Jugendspieler nachhaltig den Sprung zu den Profis geschafft. Das soll künftig wieder öfter passieren, so der Wunsch der Verantwortlichen. Man habe mit der Akademie "die Möglichkeit Spieler wie Alaba, Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm oder auch Toni Kroos wieder selbst auszubilden", so Hoeneß. Man plane aber auch Transfers bei 16-, 17-Jährigen, da werde der FC Bayern "Geld in die Hand nehmen".
Idealerweise entwickle der FC Bayern so künftig "jedes Jahr einen Spieler für die Profiabteilung. Das ist der Wunschgedanke", sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge zuletzt. Die Maxime werde sein, betonte Hoeneß, "besser zu sein als die anderen", als etwa RB Leipzig, Dortmund oder Hoffenheim. Er sei "überzeugt, dass wir die Chance haben, viel, viel Erfolg in Zukunft zu generieren".
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Gerland: "Talente mit Ecken und Kanten"
Die neue Jugendakademie beeindruckt: Auf einer Fläche von 30 Hektar wurden seit der Grundsteinlegung im Oktober 2015 ein kleines Stadion für 2500 Zuschauer, sieben weitere Fußballfelder, ein Fitnesshügel, Klubheim, Sporthalle, Mensa und ein Internat für 35 Talente errichtet. Das Areal in unmittelbarer Nähe der Allianz Arena soll künftig die Heimat der Münchener Jugendmannschaften von der U9 bis zur U19 sein. Auch die Bundesliga-Frauen ziehen von der Säbener Straße hierher um.
Geleitet wird der Campus vom bisherigen Assistenztrainer Hermann Gerland. Er ist der Entdecker von Spielern wie Lahm, Schweinsteiger, Müller, Alaba und Mats Hummels. Jochen Sauer verantwortet als Geschäftsführer den administrativen Bereich. "Wir brauchen Talente mit Ellbogen und Kanten. Alle müssen den Ball haben wollen", sagte Gerland zum Motto des Nachwuchsleistungszentrums. "Das Motto ist: Gib dem Gegner keine Zeit zu denken!" Die Jungs müssten sich aber auch anständig benehmen - "auf und außerhalb des Platzes. Wir sind Bayern München und vertreten diesen Verein. Da kann einer sagen, das ist Old School, aber Disziplin gehört einfach dazu."
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asz/ck (sid, dpa)
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Datum: 24.08.2017
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