Eröffnung der Spielemesse Gamescom 2017

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Merkel eröffnet Spielemesse Gamescom

In Deutschland ist Wahlkampf, in Köln startet die Gamescom - ein Grund mehr für Bundeskanzlerin Merkel, sich auf der wichtigen Spielemesse zu zeigen. Messe-Motto: "Einfach zusammen spielen"
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Schon im Vorfeld hatte die Bundeskanzlerin geäußert, die Spielebranche sei ein Teil der Kreativwirtschaft, für die die Kulturpolitik ja schon einiges tue. Sie fügte hinzu: "Wir können noch zulegen."  Zum Auftakt der Gamescom in Köln legte Merkel am Dienstag nach: Gerade bei der Unterstützung der Computerspielbranche sei Deutschland alles andere als "Spitzenreiter " in der Welt, sagte Merkel in ihrer Eröffnungsrede. "Deshalb ist mir der Wunsch Ihrer Branche nach weiteren Förderungsmöglichkeiten sehr wohl klar."
Digitale Spiele seien "Kulturgut, Innovationsmotor und Wirtschaftsfaktor von allergrößter Bedeutung", sagte die Kanzlerin. Sie bezeichnete die Branche als "starken Pfeiler der deutschen Wirtschaft". Konkrete Zusagen machte Merkel nicht. Sie regte aber für die kommende Legislaturperiode Gespräche mit allen beteiligten Akteuren an, um den deutschen Spielentwicklern "vernünftige Möglichkeiten" und ähnlich gute Ausgangschancen zu geben wie etwa der Konkurrenz aus Frankreich oder Kanada.
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Gastland Kanada
Die Gamescom ist das weltweit größte Event für Computer- und Videospiele. In diesem Jahr zeigen mehr als 900 Aussteller aus über 50 Ländern ihre Produkte. 2016 waren rund 345.000 Fach- und Privatbesucher auf der Messe. Partnerland der Gamescom in diesem Jahr ist Kanada.
Pünktlich zur Messe hatte die Branche eine stärkere Unterstützung durch die öffentliche Hand eingefordert. Der Branchenverband BIU verbreitete gemeinsam mit dem Verband Game einen Zehn-Punkte-Plan, der unter anderem "substanzielle finanzielle Unterstützung auf international wettbewerbsfähigem Niveau" für die deutschen Entwickler fordert.
"Die Unternehmen haben keine Möglichkeit, nachhaltig zu wachsen, auch wegen der starken internationalen Konkurrenz", sagte BIU-Geschäftsführer Felix Falk, dem "Handelsblatt". An anderen Standorten hätten Firmen dagegen aufgrund von "klugen Förderprogrammen" teils Kostenvorteile von 30 Prozent.
Die diesjährige Gamescom dauert bis Samstag, ab Mittwoch ist sie für Besucher geöffnet.
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ar/bea (afp, dpa)
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Politik betritt Neuland

Auch Gamer sind Wähler, jedenfalls die über 18-jährigen. Politiker jeder Couleur haben die digitale Spiele-Community entdeckt und geben sich auf der Gamescom vor den Bundestagswahlen die Klinke in die Hand.
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"Einfach zusammen spielen" - das ist das Motto der diesjährigen Spielemesse Gamescom in Köln. Doch die weltweit größte Publikumsmesse der Branche ist längst mehr als nur der Treffpunkt der Gaming-Community. Mit einem Jahresumsatz von mehr als einer Milliarde Euro - allein im ersten Halbjahr 2017 - hat auch die Politik die digitale Spielewelt für sich entdeckt.
Bundeskanzlerin Angela Merkel reist erstmals in diesem Jahr zur Eröffnung aus Berlin an und die Generalsekretäre aller wichtigen Parteien wollen in Köln Flagge zeigen. Auf einer ganzen Reihe von Veranstaltungen, moderiert von Netzgrößen wie dem Youtuber LeFloyd, wollen sie sich präsentieren und ihre politischen Botschaften möglichst vielen Gamescom-Besuchern präsentieren.
Felix Falk freut sich über dieses neue Interesse der Politik. Der Geschäftsführer des Bundesverbandes Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) hat aber konkrete Vorstellungen, was sie dafür tun kann, damit auch in Zukunft die Branche in Deutschland dynamisch wachsen kann. "Der Besuch der Bundeskanzlerin und von vielen anderen Politikern ist ein ganz wichtiges Signal und macht deutlich, wie groß die Bedeutung des Gamings als Kultur- und Wirtschaftsgut ist und welchen Stellenwert die Gamesbranche als Innovationsfaktor hat", sagt Falk im Gespräch mit der DW. Gleichzeitig engagiere sich die deutsche Politik aber noch nicht genug für die Branche: "Wir sind zwar glücklich, dass wir das weltweit wichtigste Event hier in Deutschland haben, aber als Entwicklerstandort sind wir einfach noch nicht so gut. Da tun andere Länder deutlich mehr." Länder wie Kanada, Frankreich, England, Italien oder Polen seien Deutschland weit voraus. An fast allen wichtigen Entwicklerstandorten im Ausland gebe es staatliche Förderprogramme.
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 "Mehr Produzenten statt nur Konsumenten"
"Auf Bundesebene haben wir in Deutschland null Euro, die bisher in die Entwicklungsförderung gesteckt werden", kritisiert Falk.  Obwohl gute politische Rahmenbedingungen nicht nur wichtig für das Medium und den Wirtschaftsstandort Deutschland seien, sondern auch ein gutes Geschäft. "Der Finanzminister bekommt für jeden Förder-Euro zusätzliche Steuereinnahmen, zusätzliche Investitionen. Es rechnet sich also für den Staat."  Wenn es nach Falk geht, müssen so schnell wie möglich die Weichen gestellt werden, damit Deutschland in der Gaming-Branche wirklich mitmischt - nicht nur beim Konsum, sondern auch bei der Produktion.
Die negativen Auswirkungen einer fehlenden Förderung würden mittlerweile deutlich sichtbar, heißt es in einem gemeinsamen Forderungspapier des BIU mit dem Branchenverband Game. Deutschland sei zwar nach wie vor einer der größten Absatzmärkte weltweit, als Produktionsstandort verliere es jedoch "zunehmend den Anschluss". Zuletzt sank der Umsatzanteil deutscher Games-Entwicklungen auf dem heimischen Markt auf nur noch sechs Prozent. Eine systematische Entwicklungsförderung sei daher für die deutsche Games-Branche überlebenswichtig, unterstreicht Game-Verbandschef Stefan Marcinek.
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Digitale Spieleentwicklung als technologischer Motor
Von der Innovationskraft der Spieleentwickler profitieren längst nicht nur die Gamer, die sich mit dem Spiele-Controller durch digitale Spielewelten bewegen. Von den neuen Standards wie 4K in der Grafik oder der Entwicklung leistungsfähiger Prozessoren und Virtual Reality-Bildgebungsverfahren profitiert auch die Industrie - etwa beim Autonomen Fahren. All das trägt dazu bei, dass digitales Entertainment auch in der Spitzenpolitik kein Randthema mehr ist.
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Mega-Trend eSports
Datenbrillen für den Ausflug in virtuelle Spielewelten standen 2016 auf der Gamescom im Mittelpunkt. Die im vergangenen Jahr auf der Messe vorgestellten Datenbrillen seien in diesem Jahr deutlich günstiger geworden, versprechen Aussteller und Messeveranstalter, immer mehr Hersteller bieten sie an.
Als einen der zentralen Trends in diesem Jahr sehen die Messemacher eSports. Längst füllen eSports-Events weltweit riesige Hallen - oft mit mehr als zehntausend Zuschauern und bis zu achtstelligen Preisgeldern. Mannschaften von Gamern treten dabei live gegeneinander an und bringen die Sport-Arenen zum Kochen. Die Livecasts großer eSports-Events werden im Netz gestreamt und live kommentiert wie Top-Spiele der Fußball-Champions League. Immer mehr eSport-Vereine entstehen und bereits jetzt werden mit eSports Hunderte Millionen Euro weltweit umgesetzt. "Unternehmen wie Audi und Vodafone engagieren sich massiv im digitalen Sport, auch um diese junge, digitalaffine Zielgruppe zu erreichen, die über klassische Werbung kaum mehr angesprochen werden kann", schwärmt der Kölner Messechef Gerald Böse.
Die Gamescom-Verantwortlichen rechnen in diesem Jahr wieder mit deutlich mehr als 300.000 Besuchern. Insgesamt werden auf der Messe, den Entwickler-Konferenzen, Kongressen und Veranstaltungen des Rahmenprogramms, das über die gesamte Stadt verteilt ist, mehr als eine halbe Million Menschen erwartet. Dass von den 910 Ausstellern mit 72 Prozent (nach 68 Prozent) noch mehr als 2016 aus dem Ausland kommen, spricht zwar für den internationalen Stellenwert der Gamescom. Doch für die Branchenlobbyisten vom BIU und Game bieten die Zahlen eine Steilvorlage, um bei den Besuchern aus der Politik kräftig die Werbetrommel für mehr Fördergelder zu rühren.
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Thomas Kohlmann
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Datum: 25.08.2017
Hinzugefügt:   venjamin.tolstonog
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