Eröffnung der Internationalen Filmfestspiele von Venedig

Kino | Präsentationen

Hochkarätige Stars am Lido

Eine Science-Fiction-Satire eröffnet die Filmfestspiele Venedig. Einer von 21 Wettbewerbsfilmen, die in diesem Jahr um den Goldenen Löwen wetteifern. Jane Fonda und Robert Redford werden für ihr Lebenswerk geehrt.
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Matt Damon einmal ganz klein. In dem Eröffnungsfilm von US-Regisseur Alexander Payne schrumpft der Star auf Daumengröße. "Downsizing" wirft einen Blick in die nahe Zukunft. Um dem Problem der weltweiten Überbevölkerung zu Leibe zu rücken, sind Wissenschaftler auf eine radikale Idee gekommen: Sie schrumpfen die Menschen.
Das Ehepaar Safranek, gespielt von Damon und Filmpartnerin Kristen Wiig, lässt sich auf das Spiel ein. Das wissenschaftliche Experiment wird schließlich mit viel Geld gefördert - den Menschen soll es einen besseren Lebensstil ermöglichen. Dass das Spiel mit der menschlichen Größe aber nicht ganz unkompliziert verläuft, ist absehbar. Paynes satirischer Film, der das Festival in Venedig an diesem Mittwoch eröffnet, soll dem Publikum gleich zu Beginn Unterhaltung und Denkstoff im Doppelpack mit auf den Weg geben.
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Venedig-Einsatz als Oscar-Probelauf
21 Filme bewerben sich in diesem Jahr um den Goldenen Löwen. Paynes Beitrag ist dabei einer von sieben, die mit amerikanischen Produktionsgeldern entstanden sind. Das älteste Festival der Welt hatte in den vergangenen Jahrzehnten nicht ganz so stark auf US-Produktionen gesetzt.
Doch eine aktuelle Entwicklung aus den letzten Jahren hat den Hollywood-Produzenten wohl zu denken gegeben: Venedig erweist sich immer mehr als gutes Startpodium für die bevorstehende Oscar-Saison. Einige Filme, die bei dem Festival an der Lagune in den letzten Jahren liefen, konnten ein halbes Jahr später in Los Angeles Oscars abräumen. Zuletzt hatte das Musical "La La Land" das Festival in Venedig eröffnet und anschließend weltweit für Aufsehen gesorgt. Und deshalb dürften sich in diesem Jahr auch Regisseure wie George Clooney, Darren Aronofsky, Guillermo del Toro und Paul Schrader, deren neue Filme in Venedig in den kommenden Tagen Weltpremiere feiern, Hoffnungen machen.
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Blitzlichtgewitter garantiert
Die Regisseure bringen natürlich ihre Stars mit nach Italien, und so wird der Auftritt von Schauspielern wie Matt Damon, Juliane Moore oder Jennifer Lawrence beim obligatorischen Schaulaufen am Lido natürlich für die übliche Aufregung und das Blitzlichtgewitter der Fotografen zu Wasser und zu Lande sorgen.
All diese jungen und jüngeren Hollywood-Stars werden dabei in Venedig auf zwei amerikanische Filmlegenden treffen: Jane Fonda und Robert Redford. Die beiden erhalten einen Ehren-Löwen fürs Lebenswerk, gleichzeitig wird ihr neuer gemeinsamer Film "Ritesh Batra - Our Souls at Night" vorgestellt.
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Starke französische und italienische Beteiligung
Doch Venedig wäre nicht Venedig, wenn nicht auch das europäische und das asiatische Kino große Namen zur diesjährigen Wettbewerbsauswahl beisteuern würden. Frankreich schickt mit Xavier Legrand, Robert Guédiguian und Abdellatif Kechiche gleich drei Regisseure ins Löwenrennen. Vor allem Kechiches Film "Mektoub, My Love" wird mit großer Spannung erwartet, hatte der tunesischstämmige Regisseur 2013 in Cannes mit seinem Wunderwerk "Blau ist eine warme Farbe" doch die Filmwelt verzaubert und die Goldene Palme gewonnen.
Auch Gastgeber Italien schickt gleich mehrere Regisseure zur Film-Mostra. Hier wird vor allem das neue Werk von Paolo Virzi "The Leisure Seeker" zu den Favoriten gezählt, denn der Regisseur ist einer der einfallreichsten seines Landes. Innovativ ist die Einladung von Dokumentarfilmen in den Wettbewerb eines großen Festivals zwar inzwischen nicht mehr, doch dass der chinesische Künstler Ai Weiwei mit seiner Dokumentation "Human Flow" über die weltweite Flüchtlingskrise den Sprung in die Venedig-Konkurrenz geschafft hat, sorgte im Vorfeld des Festivals bereits für einiges Aufsehen.
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Viele deutsche Co-Produktionen in allen Reihen
In "Human Flow" steckt auch deutsches Geld, ebenso wie im Film des israelischen Regisseurs Samuel Maoz "Foxtrot", einer Familiengeschichte, die von den Wirren der israelischen Tagespolitik erzählt, ein Drama um Schuld und Trauer. Die weitreichenden Produktionsaktivitäten deutscher Firmen sind zumindest ein kleiner Trost für die Filmnation Deutschland, die in diesem Jahr keinen Regisseur im Wettbewerb hat. Filme aus Japan, China und Australien vervollständigen die Löwen-Konkurrenz, die am 9. September mit der Preisverleihung endet. Jurypräsidentin ist in diesem Jahr die amerikanische Schauspielerin Annette Bening.
Deutsche Co-Produktionen finden sich darüber hinaus auch in den Nebenreihen des Festivals. Besonders stolz sein darf der junge Regisseur Rick Ostermann, der auch mit seinem zweiten Spielfilm "Krieg" den Sprung in die Venedig-Sektion "Orizzonti" geschafft hat. Ostermann erzählt in der Fernsehproduktion "Krieg", prominent besetzt mit Ullrich Matthes und Barbara Auer, von einem Ehepaar, das aus der Bahn geworfen wird, weil der Sohn bei einem Auslandseinsatz der Bundeswehr zu Tode kommt. Schon Ostermanns Debüt, das Nachkriegsdrama "Wolfskinder", hatte vor vier Jahren in Venedig Premiere gefeiert.
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Aus- und Rückblick in die Kinogeschichte
In der Reihe "Venice International Film Critics‘ Week" läuft der Abschlussfilm der DFFB (Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin)-Absolventin Katharina Wyss "Sarah Joue un Loup-Garou" sowie das Langfilmdebüt von Helena Wittmann "Drift".
Auch internationale Regiestars wie Stephen Frears, Abel Ferrara oder Takeshi Kitano zeigen ihre neuen Werke in diesem Jahr nicht im Wettbewerb, sondern in Nebenreihen. Schließlich runden die Sektionen "Venice Virtual Reality", die in eine mögliche Zukunft des Kinos blickt, sowie die renommierten "Venice Classics", die mit hochwertig restaurierten Klassikern aufwartet, das in diesem Jahr besonders vielversprechende Festivalprogramm von Venedig ab.
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Jochen Kürten
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Datum: 03.09.2017
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