Der Mega-Boxfight: Riesenereignis oder Geldmacherei?

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Viel Provokation, viel Hype, viel Geld - in der Nacht zu Sonntag steigt der Fight zwischen Box-Ikone Floyd Mayweather und Mixed-Martial-Arts-Star Conor McGregor. Dem Boxsport dürfte das Kampfspektakel nicht gut tun.
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Es geht nicht etwa um einen Weltmeister-Titel. Es geht um Geld, sogar um sehr viel Geld. Um genau zu sein, rechnen die Veranstalter dieses Spektakels in Las Vegas mit mehr als 620 Millionen Dollar - eine absolute Rekordsumme, die es im Boxsport in dieser Höhe noch nicht gegeben hat. Beinahe die Hälfte davon könnte Floyd Mayweather in seine Tasche stecken. Er ist einer der anerkanntesten Boxer seiner Generation. Der 40-Jährige war eigentlich schon in "Rente". Nach fast zweijähriger Pause aber will er jetzt gegen den irischen Käfigkämpfer Conor McGregor seinen 50. Sieg holen und damit seine glanzvolle Karriere - finanziell - krönen. "Ich mache das, was mir am meisten Geld bringt", hat Geschäftsmann Floyd "Money" Mayweather mehrfach erklärt.
In der anderen Ecke steht der Vorzeigeathlet der boomenden Sportart Mixed Martial Arts (MMA): der Multi-Millionär Conor McGregor. MMA ist eine Mischung verschiedener Kampftechniken wie Boxen, Kickboxen, Jiu-Jitsu, Ringen, Kung Fu und Judo. Darin ist der 29-jährige Ire ein Meister. Ein Meister ist er auch in seinen extrovertierten Auftritten.
McGregor ist ein schillernder Kämpfer mit Gorilla-Tattoo auf der Brust, Pelzmänteln und geblümten Leggings im Schrank, aber auch mit schnellen Fäusten und einem losen Mundwerk. "Ich bin nicht wie die anderen MMA-Kämpfer, ich bin nicht wie die anderen Boxer. Ich bin meine eigene Liga, und das werde ich am 26. August beweisen", sagt McGregor vor dem Spektakel selbstbewusst. Und er ist anders. Er ist "The Notorious", der "Berüchtigte", der diesen Namen nicht zuletzt wegen seiner Äußerungen redlich verdient hat. Hasstiraden gegen seine Gegner und manchmal auch deren Verwandtschaft sind ebenso Usus wie gezielte Sticheleien und Provokationen. Mayweather zum Beispiel legte er bei einer Pressekonferenz nahe, "zuerst einmal seine Steuerschulden zu bezahlen". McGregors Trainingsraum ziert derweil ein großes Wandgemälde, auf dem er Mayweather eine linke Gerade verpasst.
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Boxer vs. Mixed-Martial-Arts-Kämpfer
Im Normalfall aber sollte Mayweather dieses Boxspektakel gewinnen, auch wenn er längere Zeit nicht im Ring gestanden hat. Der US-Amerikaner etablierte sich als einer der besten Defensivboxer der Geschichte. Er ist schnell und meisterlich in seiner Technik. Und er hat -  natürlich - angekündigt, McGregor auszuknocken. Alles andere kommt für den Profiboxer auch gar nicht in Frage. Denn dieser Mega-Fight soll sein letzter Ringauftritt sein. "Ich werde zu meinem Wort stehen, das wird mein letzter Kampf." Hochbezahlt!
Der elf Jahre jüngere, nicht ausgebildete Boxer  McGregor hingegen verfügt über einen explosiven Schlag. Allerdings muss der MMA-Superstar nach klassischen Boxregeln kämpfen. Diese Umstellung dürfte ihm nicht liegen. Immerhin: es wird sein erster Profikampf sein. Echte Siegchancen dürfte der Ire deshalb nur haben, wenn er auf eine "Überrumplungstaktik" setzt. "Ich glaube, er wird die zweite Runde nicht überstehen", meinte McGregor selbstbewusst. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass er die Schläge der ersten zwei Runden wegstecken kann". Kürzlich behauptete er in einem Interview, dass es gar nur zehn Sekunden dauern könnte.
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Kritik aus der Boxwelt
Bei all dem Hype - viele Ikonen des Boxsports haben den Kampf bereits kritisiert. "Da passiert viel im Vorfeld und es gibt einen Hype, aber ich nehme es nicht als einen ernsthaften Kampf", sagte Ex-Weltmeister Lennox Lewis. Auch Mike Tyson zeigte sich ungehalten. "McGregor wird im Boxen gekillt. Ich bin wütend, weil sie boxen", sagte er: "Diese Regeln sind beschissen für McGregor. McGregor hat den beschissensten Regeln in der Geschichte des Boxens und des Mixed-Fightings zugestimmt."
"Beschissene Regeln" zu einem guten Preis. Denn auch wenn er verlieren sollte: Der Multi-Millionär wird mehr als genug an diesem Fight verdienen und für einen Hype wiederum in seiner Sportart MMA sorgen. Der Boxsport bleibt dabei auf der Strecke.
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Melanie Last (sid und dpa)
mrl/ck (sid, dpa)
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Datum: 26.08.2017
Hinzugefügt:   venjamin.tolstonog
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