Davis-Cup-Deutschlands Team scheitert im Viertelfinale

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Deutschland verpasst den ersten Halbfinal-Einzug im Davis Cup seit elf Jahren knapp 

Alexander Zverev und Philipp Kohlschreiber vergeben in ihren Einzeln am Sonntag den Sieg gegen Spanien.
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Alexander Zverev hadert mit sich selbst
Deutschlands Tennis-Herren haben den Einzug ins Halbfinale des Davis Cups ganz knapp verpasst. Das deutsche Team musste sich am Wochenende in Valencia gegen Spanien mit 2:3 geschlagen geben und wartet damit weiter auf den ersten Einzug in die Vorschlussrunde seit 2007. Im entscheidenden fünften Spiel verlor Philipp Kohlschreiber am Sonntag gegen David Ferrer in einem dramatischen Fünfsatzkrimi mit 6:7 (1:7), 6:3, 6:7 (4:7), 6:4 und 5:7. Die Partie im Hexenkessel Stierkampfarena dauerte 4:51 Stunden. Zuvor hatte Alexander Zverev das Spitzenduell gegen Rafael Nadal klar in drei Sätzen verloren. Die 2:1-Führung nach dem Doppel am Samstag war damit dahin.
Kohlschreiber und Ferrer schenkten sich in ihrem Marathonmatch von Beginn an nichts. Die Partie hatte alles, was ein dramatisches Spiel im Davis Cup ausmacht: Lange Ballwechsel, ständige Führungswechsel, eine Unterbrechung wegen Blitz und Donner, zwischenzeitliche kleine Windhosen auf dem Platz - es war eine dieser Begegnungen, die den traditionsreichen Mannschaftswettbewerb so besonders machen.
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Zverev ohne Chance gegen Nadal
Zuvor war Zverev im Spitzenduell mit Nadal beim 1:6, 4:6 und 4:6 völlig chancenlos. Der Spanier war von Beginn an heiß auf das Spitzeneinzel und riss die Zuschauer in der imposanten Stierkampfarena bereits früh von den Sitzen. Nach seiner rund zehnwöchigen Pause wegen einer Verletzung war Nadal zwar noch ein Stück von seiner Topform entfernt. Doch weil Zverev nicht annähernd sein bestes Tennis spielte, geriet der zehnmalige French-Open-Champion auf seinem Lieblingsbelag zu keiner Zeit in Gefahr. 57 vermeidbare Fehler wies die Statistik am Ende für Zverev aus - viel zu viele.
"Ich war einfach müde. Ich bin kein Roboter, sondern auch nur ein Mensch", sagte Zverev, der erst am Montagabend aus Miami in Valencia eingetroffen war. Die Zeitumstellung und der Belagwechsel, das sei etwas zu viel gewesen, sagte er. "Und zudem habe ich gegen den besten Sandplatzspieler aller Zeiten gespielt."
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ck/mrl (dpa)
Calle Kops (sid, dpa)
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Boris Becker: "Wir haben einen Tennis-Boom in Deutschland"

Seit August 2017 ist Boris Becker Head of Men's Tennis und schon kämpft das deutsche Davis-Cup-Team gegen Spanien um den Einzug ins Halbfinale. Es geht bergauf, sagt die Tennis-Legende im DW-Interview.
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Deutsche Welle: Herr Becker, halten Sie es für möglich, dass Deutschland in absehbarer Zeit im Tennis - so wie damals in den 1980er Jahren - wieder ganz oben steht?
Boris Becker: - Wir haben einen Tennis-Boom in Deutschland, durch Erfolge auch bei den Damen. Wir haben mit Angie Kerber und auch mit Julia Görges zwei absolute Weltklassespielerinnen. Wir haben mit Sascha [Alexander; Anm. d. Red.] Zverev einen absoluten Weltklassespieler. Warum nicht? Wir arbeiten auch sehr hart daran, dass wir gute 18- und 19-Jährige haben. Sicherlich müssen wir an König Fußball vorbei. Ich weiß nicht, ob das möglich ist, aber es gibt genügend Platz für mehrere Sportarten - eben auch für Tennis.
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-Was waren das Ende der 1980er Jahre für Umstände, die dazu geführt haben, dass das deutsche Tennis so erfolgreich war?
-Das war eine Reihe von Dingen, die zusammen gespielt haben. Wir hatten einen sehr guten Verband, einen sehr guten Landesverband, in dem Fall Baden, sehr gute Trainer, ein sehr gutes familiäres Umfeld, das mir die Möglichkeit gegeben hat, einfach Tennis zu spielen - und auch ein Quäntchen Glück natürlich.
Höhepunkt war wohl 1989: Sie und Steffi Graf in Wimbledon, das hat einen unheimlichen Boom ausgelöst.
Ja, vielleicht angefangen mit meinem Wimbledonsieg 1985, ich war so der erste Vorreiter. Dann hat die Gräfin aufgeholt und ihre Titel gewonnen. Dann haben wir erstmals überhaupt gemeinsam, an einem Tag auch noch, an einem Sonntag im Juli, Wimbledon gewonnen. Da war auch Bundesspräsident [Richard von; Anm. d. Red.] Weizsäcker in der Royal Box, das war ein besonderer Moment für das deutsche Tennis.
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-Waren Sie eigentlich eifersüchtig, dass sie damals den Golden Slam nicht geschafft haben?
-Ich war nicht gut genug, das hat mit Eifersucht nichts zu tun. Das hat die Gräfin eben 1988 gemacht. Ich war immer froh, wenn ich wenigstens einen Grand Slam im Jahr gewonnen habe. Sie hat das regelmäßiger gemacht als sich.
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-Warum haben sie sich vor rund sieben Monaten entschieden diesen Posten beim Deutschen Tennis Bund zu übernehmen und was denken Sie, könnte jetzt wieder möglich sein?
-Ich glaube, dass ich als Trainer gute Erfolge gefeiert habe in den letzten Jahren. Und dann hat mich der Verband schon vor geraumer Zeit angesprochen, diesen nationalen Posten zu übernehmen. Den gab es noch nicht, also "Head of Men's Tennis" gab es noch nicht. Und ich habe gesagt, dass ich mich freue: die Ehre, das Selbstvertrauen, die Verantwortung, die ich da übernehmen darf. Das wurde sehr gut aufgenommen von den Spielern, von den Trainern auch.
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-Haben Sie schon jemanden im Blick wenn es darum geht, wer Rafael Nadal, Roger Federer oder Novak Djokovic ersetzen könnte? Sehen Sie eine neue Generation von Tennisspielern?
-Ich sehe in Deutschland einen sehr guten Spieler, das ist [Alexander; Anm. d. Red.] Zverev. Die Russen haben ein paar sehr gute Spieler: Karen Khachanov und Andrey Rublev sind großartig. Denis Shapovalov aus Kanada ist auch sehr gut. Es gibt einige Spieler, die zwischen 19 und 21 Jahren alt sind und die schon an die Türen klopfen, die immer besser werden. Und ich glaube, es ist nur eine Frage der Zeit, wann sie die Alten überholen werden. Nick Kyrgios mag ich auch sehr, er ist ja auch erst 22 Jahre alt. Die Leute vergessen immer, wie jung der noch ist. Es ist eine aufregende Gruppe von Spielern. Dominic Thiem ist ein anderer, der immer wieder auf sich aufmerksam macht. Es sind vier bis sechs Spieler in der Welt, denen man alles zutrauen kann. Und es ist nur eine Frage der Zeit, wann sie Nummer eins, Nummer zwei und Nummer drei sein werden.
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-Es gibt Gerüchte, dass Sie Trainer von Alexander Zverev werden könnten.
-Ich bin seit Jahren mit Sascha [Alexander; Anm. d. Red.], aber auch mit Mischa Zverev in engem Kontakt. Wir sind befreundet…auch mit seinem Vater. Wir reden seit Jahren über Tennis, das ist nichts Neues. Auch in meiner neuen Aufgabe jetzt als Kopf des Herrentennis ist es auch meine Verpflichtung, mich mit ihm und seinem Bruder intensiv über Tennis zu unterhalten. Das mache ich gerne und auch oft. Aber sein offizieller Trainer, das ist sein Vater. Sein Vater ist sein Trainer und das wird - glaube ich - auch noch lange so bleiben. Aber ich bin sein Freund, sein Berater und ich stehe ihm zur Seite, wenn er mich braucht.
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-Nun steht für das deutsche Davis-Cup-Team das Viertelfinale gegen Spanien auf dem Programm. Wie fällt ihre Prognose aus?
-Wir sind die Außenseiter, aber das waren wir gegen Australien auch. Wenn unsere Mannschaft komplett ist, sind wir stark. Und wir bemühen uns, drei Punkte zu holen.
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Gerhard Sonnleitner
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Datum: 11.04.2018
Hinzugefügt:   venjamin.tolstonog
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