Das Oktoberfest hat begonnen

Feste | Präsentationen

Das Oktoberfest ist ein deutscher Exportschlager

Das Oktoberfest hat begonnen. Millionen von Besucher aus der ganzen Welt strömen in die Bierzelte nach München. Wer sich nicht als Neuling outen will, sollte sich vorbereiten. Wir helfen Ihnen dabei!
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Das Oktoberfest ist ein deutscher Exportschlager. Überall auf der Welt feiern Menschen in Dirndl, Lederhosen und blau-weiße Fähnchen schwingend. Das Original gibt es aber nur in München auf der Theresienwiese. Dort schunkeln Millionen von Menschen in den Bierzelten, sie fahren Kettenkarussell und trinken jede Menge Bier.  
Auf dem Oktoberfest trinkt man literweise Bier. Ein Liter Bier ist eine Maß. Die günstigste Maß kostet dieses Jahr 10,60 Euro, die teuerste gibt es für 10,95 Euro. Wen diese Preise nicht vom Mitfeiern abhalten, der sollte sich gut auf das Fest vorbereiten. DW hat die wichtigsten Begriffe und bayerischen Eigenheiten zusammengestellt. Und dann heißt es "O'zapft is!".
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Lederhosen - Zehn Fakten, die Sie über das Kult-Stück auf dem Oktoberfest wissen müssen
Lederhosen waren nicht immer populär. Früher galten sie als altmodische Trachtenmode für gestandene bayrische Mannsbilder. Inzwischen sind sie als Modetrend total angesagt - nicht nur auf dem Münchner Oktoberfest.    
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Der Berg ruft
Irrtum eins: Lederhosen kommen aus Bayern. Sie gehören zwar auf dem Oktoberfest in München zum Dresscode der Besucher, aber eigentlich gibt es Lederhosen nicht nur in Bayern, sondern auch in anderen Alpenländern wie der Schweiz, Österreich und Süd-Tirol.
Unterschiede und Feinheiten
Irrtum zwei: Lederhose ist nicht gleich Lederhose. Jede Region hat ihre eigene. Ein Beispiel: Der Latz (im Bild in der Mitte), gehalten von Hirschhorn-Knöpfen, gilt als typisch bayerisch. Stickereien dagegen finden sich in der Nähe von Salzburg in Österreich. Jungs tragen sie immer mit Hosenträgern. Nice to Have: die Tasche an der rechten Seite, um dort ein Messer unterzubringen.
Perfekte Arbeiterhose
Irrtum drei: Lederhosen sind unbequem. Sie sind für die harte Arbeit gemacht. Das Material - gegerbtes Schafleder, Ziegenhaut für die Ärmeren oder Hirschhaut für die wohlhabenderen Männer - machten die Hosen leicht, weich und haltbar. Sie schützten bei rauem Wetter, hielten trocken, kühl bei Hitze und warm in der Kälte.
Ein Mann, ein paar Biere und ein Plan
Irrtum vier: Lederhosen waren immer populär. Im 19. Jahrhundert wurden Lederhosen plötzlich unbeliebt. Lange Hosen kamen in Mode. Die Lederbuxen galten auf einmal als unkultiviert und waren vom Aussterben bedroht. Aber im August 1883 hatte ein bayerischer Lehrer, Josef Vogl, eine Idee. Gemeinsam mit seinen Zechbrüdern gründete er einen Verein zur Erhaltung der Lederhosen.
Kleidungsstück für Monarchen
Irrtum fünf: Könige tragen keine Lederhosen. Vogls Initiative fand schnell Anhänger. Am Ende des 19. Jahrhunderts erlebte die Lederhose einen sozialen Aufstieg: von der Bauerntracht zum Freizeitlook von Bürgern und Königen. Der bayerische König Ludwig II. unterstützte Vogl und machte die Hose über Bayern hinaus bekannt. Franz Josef von Österreich trug sie beim Jagen mit Kronprinz Rudolf.
Lederhosen im Nationalsozialismus
Irrtum sechs: Lederhosen sind unpolitisch. Die Nazis nutzten sie aus und verwandelten sie in ein Symbol des Nationalsozialismus. Sie idealisierten sie und überhöhten sie zum Fetisch der heilen Bergwelt. Ab 1938 verboten die Nazis allen Juden genauso wie allen anderen Menschen, die nicht "arisch" waren, Lederhosen zu tragen.
Lederhosen und die Kirche
Irrtum sieben: Lederhosen sind was für Kirchgänger. Die Katholische Kirche war nicht erfreut über die Renaissance der Lederhosen. Sie halten die kniefreien Hosenbeine für respektlos. Deshalb sind sie im Gottesdienst tabu. 1913 erklärte sie der Erzbischof von München für unmoralisch. In Berlin darf trotzdem in Lederhosen geheiratet werden - diesen beiden Herren scheint es zu gefallen.
Lederhosen und die Globalisierung
Irrtum acht: Mit Lederhosen kann man keine Geschäfte machen. Die Produktion boomt weltweit. Viele Lederhosen-Fabriken stehen in Indien, Ungarn, Sri Lanka. Das Leder kommt aus Pakistan oder Neuseeland. Vor allem für die Hosenproduktion für das Oktoberfest kommen die Ziegen, Schweine und Kühe von dort. Lederhosen gibt es nicht nur für Männer und Frauen... sondern auch für Hunde.
Lederhosen für alle
Irrtum neun: Lederhosen sind teuer. Wer sich eine Lederhose kaufen will, kann aus einer Vielzahl von Modellen auswählen. Die billige gibt es aus Kuhleder, sie kostet unter 100 Euro. Die teuren Modelle aus Hirschleder klettern auf über 1000 Euro. Ein Tipp: Beachten Sie, dass sich die Hose durch Körperwärme ausdehnt. Nichts sieht unmöglicher aus als eine ausgeleierte Lederhose.
Gretchenfrage: mit oder ohne?
Irrtum zehn: Alle Fragen zur Lederhose sind beantwortet. Auf dem Oktoberfest (16.09.-03.10.2017) hat sie Hochsaison - in allen Variationen: kurz, lang, lila, braun. Fans aus aller Welt tragen sie stolz in den Bierzelten. Die Lederhose hat eine lange und wechselvolle Geschichte - doch über eine Frage zerbricht man sich immer noch den Kopf: Trägt man sie denn nun mit oder ohne Unterhose?
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Für die meisten Besucher des Münchner Oktoberfests sind Lederhosen ein Muss. Und das nicht nur für Männer. Auch weibliche Trachtenfans trauen sich, die traditionellen Ledershorts als "Hot Pants" zu handgestrickten Kniestrümpfen und hochhackigen Gamaschenschuhen zu tragen. Naturfarbenes Leder ist bei den Damen eher nicht angesagt, sie bevorzugen schrille, starke Farben wie Pink und Lila (s.o.). In jedem Bierzelt auf der "Wiesn" kann man von diesem Samstag (16.09.2017) an bis zum 3. Oktober die trendigsten Modelle bewundern.
Knielang, Halblang oder als knappe Minishorts – alles ist möglich, nur Kunstleder ist verpönt. Sogar für Hunde gibt es jetzt maßgeschneiderte Lederhosen in Miniformat. Der Style bei den Zweibeinern ändert sich jedes Jahr, auch die Farben unterliegen dem Modediktat. Mit den ehemaligen Arbeiter- und Wildhüterhosen, die zum Schutz aus handfestem, dickem Leder gefertigt waren, haben moderne Lederhosen wenig zu tun.
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Trachtenmode als globaler Exportschlager
Man unterscheidet vor allem nach der Länge der Lederhosen: Die ganz kurzen werden eher von jungen Männern getragen, die älteren Jahrgänge bevorzugen die klassische Kniebundhose in Kombination mit beinbedeckten wollenen Strümpfen. Modisches Accessoire bei den Männern sind üppige Schmuckketten mit Wildschweinzähnen, Fuchsschwanzecken und in Silber eingefassten Geweihstückchen. Lederhosen sind längst Bestandteil einer globalen Modeindustrie "Made in Germany".
Zurückzuführen ist die Tradition der Lederhose auf die Tracht der bayrischen und österreichischen Gebirgsjäger. Es gab sie aber auch in anderen Alpenländern. Seit dem 18. Jahrhundert wurden die krachledernen Beinkleider zur Jagd und bei der Handwerksarbeit getragen. Heute gehören Lederhosen und bei den Frauen das Dirndl in Bayern und Österreich nach wie vor zur traditionellen Sonntagstracht. Zum Start des Oktoberfestes in München werden Lederhosen inzwischen in ganz Deutschland getragen – bei regionalen Oktoberfesten, Partys und in der Disco.
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Cristina Burack, Heike Mund
http://p.dw.com/p/2k2Co
Datum: 19.09.2017
Hinzugefügt:   venjamin.tolstonog
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