DFB-Pokal: Dortmund jubelt seinen Pokalhelden zu

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Wasser-Fontänen bei der Landung, Autokorso durch die Stadt - die Spieler von Borussia Dortmund werden nach dem Gewinn des DFB-Pokals gefeiert. Die Zukunft ihres Trainers ist allerdings weiter offen.
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Marc Bartra hatte sein Lachen wieder. Der am schlimmsten von dem auf die Mannschaft verübten Attentat verletzte Spieler von Borussia Dortmund genoss die Feierlichkeiten in Dortmund sichtlich gelöst. Auch Pechvogel Marco Reus, der sich im Finale gegen Eintracht Frankfurt wie Kapitän Marcel Schmelzer so schwer verletzte, dass er ausgewechselt werden musste, hatte es eilig, aus dem Flugzeug zu klettern, das kurz vor 15 Uhr am Dortmunder Flughafen gelandet war.
Die Feuerwehr hatte zuvor den Flieger mit Wasser-Fontänen begrüßt, der Pokal den Flug auf der Instrumenten-Konsole im Cockpit verbracht. An den Cockpitfenstern wehten BVB-Fahnen.
Der BVB, der am Samstag im Berliner Olympiastadion den Ligakonkurrenten Eintracht Frankfurt mit 2:1 bezwungen hatte, begab sich anschließend sofort auf einen Truck und fuhr zum Borsigplatz, wo die Mannschaft von Zig-Tausenden Fans bereits seit einigen Stunden erwartet wurde. Trainer Thomas Tuchel spritzte Champagner auf die Anhänger und nahm einen großen Schluck aus der Magnumflasche, und Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke versprach vollmundig im WDR: "Das war nicht der letzte Korso in Dortmund."
Reus war allerdings erst verspätet auf den Wagen geklettert, für ihn ging es nach der Landung erst einmal in die Klinik. Die Diagnose: Der Angreifer erlitt nach Informationen der "Bild"-Zeitung einen Teilriss des Kreuzbandes. Er soll sechs bis acht Wochen ausfallen.
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Rauschende Partynacht, entspannter Tuchel
Den ersten Titel als Profi-Trainer feierte Thomas Tuchel trotz aller Diskussionen um seine Zukunft ausgelassen. Bei der nächtlichen Siegerparty in einem noblen Hotel am Potsdamer Platz wirkte Kopfmensch und Asket Tuchel lockerer denn je. "Ich bin tief glücklich und fühle mich unglaublich leicht. Ich kann auf jeden Fall gut feiern - Gin-Tonic wird dabei helfen."
Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke schloss trotz aller Zwistigkeiten den Coach mit in seine Dankesrede ein: "Lieber Thomas, das ist dein erster Titel. Darüber freue ich mich total." Fast auf den Tag genau 20 Jahre nach dem größten Triumph der Vereinsgeschichte - dem Champions-League-Sieg 1997 - machte Watzke aus seinem Stolz keinen Hehl: "Der BVB hat die DNA, immer wieder aufzustehen und immer wieder Titel zu gewinnen." Kein Spieler sei nach Hause gekommen, bevor es hell war, erzählte Sportdirektor Michael Zorc am Sonntag im WDR und verbarg seine Augen hinter einer großen Sonnenbrille.
Für das schrillste Outfit sorgte Bundesliga-Torschützenkönig Pierre-Emerick Aubameyang, der im Glitzerjackett erschien und sich zuvor, genau wie sein Mitstreiter Marc Bartra, ein Stück des Tornetzes aus dem Berliner Olympiastadion gesichert hatte. Zu seiner Zukunft sagte der Siegtorschütze lediglich: "Wir werden sehen."
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Zeichen stehen auf Abschied
Trotz des krönenden Abschlusses einer schwierigen Saison mit dem Sprengstoffanschlag gut sechs Wochen zuvor gilt es weiterhin als unwahrscheinlich, dass Tuchel auch in der nächsten Saison den BVB coachen wird. In einer für die kommenden Tage anberaumten Unterredung soll über seine Zukunft entschieden werden.
Noch glaubt der vertraglich bis 2018 gebundene und von vielen Fans erstmals in Sprechchören gefeierte Tuchel offenbar an eine Chance: "Es scheint zumindest so, als sei das Gespräch ergebnisoffen. Ich will meinen Vertrag erfüllen, etwas anderes habe ich nie gesagt."
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Tuchel freut sich sichtlich über seinen ersten Titel
In diesem Gespräch könnte Tuchel auf die nette Geste von Ousmane Dembélé verweisen - als Argumentationshilfe für den vermeintlichen Rückhalt der BVB-Profis. Zur Verblüffung seiner Kollegen schnappte sich der Torschütze zum 1:0 auf dem Rasen kurzerhand den Pokal und überreichte ihn dem Trainer. "Er hat es verdient, er hat tolle Arbeit geleistet", kommentierte der Franzose.
Gänzlich anders wird jedoch ein Statement von Marcel Schmelzer gedeutet, das ein vielschichtigeres Licht auf das Binnenklima zwischen Trainer und Team wirft. Die überraschende Entscheidung Tuchels, Mittelfeldspieler Nuri Sahin komplett aus dem Kader für die Partie zu streichen, kommentierte der BVB-Kapitän mit deutlichen Worten: "Ich verstehe es einfach nicht. Wenn Julian Weigl ausfällt, ist Nuri Sahin der einzige Spieler, der es auf dieser Position mindestens genauso gut kann. Wir alle stehen hinter ihm."
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og/asz (sid, dpa)
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Datum: 31.05.2017
Hinzugefügt:   venjamin.tolstonog
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