Confed Cup: Wer gewinnt die Mini-WM?

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Ein Jahr vor der Fußball-WM in Russland steigt dort die traditionelle Generalprobe, der "FIFA Konföderationen-Pokal", kurz: Confed Cup. Anders als Weltmeister Deutschland haben die anderen Teams ihre Stars dabei.
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Kann die DFB-Elf den Titel holen?
Sehr unwahrscheinlich. Bundestrainer Joachim Löw setzt bei dem ungeliebten Turnier auf einen Perspektivkader um Kapitän Julian Draxler mit nur drei Weltmeistern und ist daher eher Außenseiter. Zahlreiche Topstars wie Manuel Neuer, Mats Hummels, Toni Kroos oder Thomas Müller sind verletzt oder werden geschont. "Über allem steht die WM", sagt Löw. Zudem ist die Mannschaft nach den Ausfällen von Leroy Sané (Nasen-OP) und Diego Demme (Rücken) dezimiert.
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Wer ist Favorit?
Vor allem der deutsche Gruppengegner Chile mit Bayern-Star Arturo Vidal und Alexis Sánchez. Auch Portugal hat gute Chancen auf den Titel. Der Europameister um Weltfußballer Cristiano Ronaldo kommt mit mehr als einem Dutzend Helden von Paris. In der Gruppe A treffen Ronaldo und Co. auf Gold-Cup-Gewinner Mexiko, Gastgeber Russland und Ozeanienmeister Neuseeland. Die beiden Gruppenbesten kommen weiter und spielen über Kreuz um den Final-Einzug. Der Sieger wird dann am 2. Juli ermittelt, wenn um 20 Uhr in St. Petersburg das Endspiel angepfiffen wird.    
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Wie schnitt Deutschland bislang ab?
Bei der ersten Teilnahme 1999 verantwortete der damalige Teamchef Erich Ribbeck ein "Todeskommando", wie er das Turnier mit seinem arg dezimierten Kader nannte - und scheiterte in der Vorrunde. 2005 holten Bundestrainer Jürgen Klinsmann und Assistent Joachim Löw zu Hause Platz drei und gaben mit teils begeisternden Spielen gegen Argentinien oder Brasilien einen Vorgeschmack auf das Sommermärchen 2006.
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Welche Bundesliga-Legionäre sind dabei?
Insgesamt Neun! Nur Russland spielt ohne Bundesliga-Spieler. Portugal setzt neben Ronaldo auf den Dortmunder Raphael Guerreiro. DFB-Gegner Australien kommt mit dem künftigen Berliner Mathew Leckie und Mitch Langerak (VfB Stuttgart). Chile setzt auf Vidal und Leverkusens Charles Aránguiz, bei Kamerun spielt Lauterns Jacques Zoua. Mexiko baut auf Chicharito (Bayer Leverkusen) und den Frankfurter Marco Fabián, bei Neuseeland steht Stefan Marinovic vom Drittliga-Aufsteiger SpVgg Unterhaching im Tor.
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Wo wird gespielt?
Die deutsche Mannschaft bestreitet ihren Auftakt und das dritte Gruppenspiel im Fischt-Stadion (Olympiastadion) in Sotschi, in das 47.700 Fans passen. Das Duell mit Chile findet in der Kasan-Arena (44.779) statt. In der Moskauer Otkrytije Arena haben 43.298 Menschen Platz, im Krestowski-Stadion von St. Petersburg 68.134.
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jhr (sid, dpa)     
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Nationalelf von Deutschland: Der Confed Cup als "Chance"

Der Confed Cup wird von vielen als Turnier ohne sportlichen Wert kritisiert. Die junge deutsche Elf, die Bundestrainer Löw ins Rennen schickt, nimmt die "Mini-WM" aber sehr ernst.
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Kennen Sie alle? Das 21-köpfige DFB-Team für den Confed Cup.
Der Vergleich ist gewagt, aber hat auch eine gewisse Logik. Niklas Süle erinnert die Situation vor dem Confed Cup an die vor einem Jahr vor den Olympischen Spielen. Damals sei auch nicht jeder von dem Fußballturnier in Rio überzeugt gewesen und "da wurde uns zuvor auch nicht so viel zugetraut", verwies Süle auf gewisse Parallelen. Im Vorjahr hatte der von Hoffenheim zum FC Bayern wechselnde Abwehrspieler in Rio de Janeiro mit dem DFB die olympische Silbermedaille gewonnen und angesichts der Absageflut im Vorfeld damit viele überrascht.
Beim Probelauf für die WM 2018 streben Löws Perspektivspieler nach einem ähnlichen Erfolg. Und sie sehen sich als Repräsentanten des deutschen Fußballs in der Pflicht. "Wenn du als Weltmeister zum Confed Cup fährst, ist es immer ein Ziel, Titel zu gewinnen", sagte der 23 Jahre alte Emre Can vom FC Liverpool. Der Satz klingt etwas nach Schablone, soll aber durchaus den Ernst des Anliegens transportieren. Kapitän Julian Draxler huschte nach einem Urlaubs-Kurztrip ans Mittelmeer wortlos in die Lobby. "Ich wusste, dass er nochmal in die Sonne geht", sagte Teammanager Oliver Bierhoff zum Wirbel um einige Paparazzi-Bilder von Draxler auf einer Yacht vor Ibiza. "Er ist gesund da, trainiert voll. Ich habe damit jetzt gar kein Problem. Das ist auch sein Privatleben", sagte Bierhoff.
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Wer schafft es auf das WM-Teamfoto?
Die letzte Vorbereitungsphase auf den Confed Cup läuft und Bundestrainer Löw sieht trotz starker Gegner "kein Risiko" im Abenteuer Confed Cup. Denn er gönnt einigen überspielten Stammkräften einen verdienten freien Sommer und setzt stattdessen auf jede Menge Perspektivspieler, die sich hochmotiviert geben. Es geht schließlich um eine Chance bei der WM. Wer Löw kennt, der weiß, der Bundestrainer wertschätzt Engagement und könnte sich durchaus ein Jahr später noch an herausragende Leistungen beim  Vorbereitungsturnier erinnern.
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Wer schafft es also auf das WM-Mannschaftsfoto 2018?
Für eine Antwort ist es noch reichlich früh. Schon jetzt lässt sich aber sagen, dass das offizielle Confed-Cup-Teamfoto wohl nur wenig mit dem in einem Jahr gemein haben wird. Auf dem aktuellen Bild tauchen übrigens nur 21 Spieler auf. Als Bundestrainer Joachim Löw am Dienstag bei schönstem Sommerwettter im Sportpark Kelsterbach die letzte Vorbereitungsetappe auf den Fußball-Sommer in Russland startete, fehlte Diego Demme. Der 25 Jahre alte Mittelfeldspieler von RB Leipzig muss wegen Rückenproblemen für das Turnier vom 17. Juni bis 2. Juli passen. Löw verzichtet wie schon bei Leroy Sané, der wegen einer Nasen-Operation fehlt, auf eine Nachnominierung.
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Kein konkretes Ziel
Löw, der mit schwarzem T-Shirt und Sonnenbrille am Teamhotel ankam, will den Ehrgeiz seiner jungen Mannschaft nutzen. Natürlich wittern die Turnier-Neulinge vom älteren Sandro Wagner (29 Jahre) bis zum jungen Timo Werner (21) ihre Möglichkeiten und Löw sieht das ganze Turnier als "Chance" und nennt die Russlandreise blumig "eine Horizont-Erweiterung" für sein Personal. Ein klares Ziel in Form einer Turnierplatzierung für diesen Sommer mag er nicht vorgeben, auch wenn der Test gegen Dänemark (1:1) und das WM-Qualifikationsspiel gegen San Marino (7:0) durchaus als Hoffnung weckende Proben zu werten sind. "Das werde ich auch intern nicht formulieren", unterstrich der 57-Jährige, der damit indirekt auch klar macht: So wichtig ist dieser Test nun auch wieder nicht. "Ich werde schauen, dass wir eine möglichst homogene Mannschaft auf den Platz bekommen, die mit Einsatzfreude und Spielfreude zu Werke geht." Sichtbar soll diese bereits in den Gruppenspielen werden: Die deutsche Mannschaft trifft bei der Generalprobe für die WM 2018 auf Australien, Chile und Kamerun. Danach wird man klarer sehen, ob der Vergleich mit der Olympia-Mannschaft angebracht ist.
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Joscha Weber    
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Datum: 17.06.2017
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