Bundesliga: Kroatisch-deutsche Mentalität

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Disziplin und Leidenschaft

Der nächste Trainer des deutschen Fußballmeisters FC Bayern, Niko Kovac, vereint nach eigener Einschätzung deutsche und kroatische Mentalität. Eine besondere Rolle im Leben Kovacs spielt sein jüngerer Bruder Robert.
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"Es ist etwas Besonderes, beim FC Bayern zu spielen", sagte Niko Kovac 2002 während seiner Zeit als Spieler beim deutschen Rekordmeister. "Aber es ist auch nicht leicht." Das dürfte auch für sein kommendes Engagement als Trainer der Münchener gelten. Die Fußstapfen von Jupp Heynckes sind groß, die Latte für den Noch-Trainer der Frankfurter Eintracht liegt hoch. Die Bayern sind erfolgsverwöhnt. Kovac muss Titel liefern, sonst könnte es ihm bei Deutschlands Vorzeigeklub schnell so ergehen wie zu seiner aktiven Zeit, als er in München häufig auf verlorenem Posten stand und Franz Beckenbauer ihn sogar als "schlechtesten Einkauf" bezeichnete. Zudem muss er mit dem Wissen klarkommen, dass er für den Trainerposten nur zweite Wahl hinter Thomas Tuchel war. Der Ex-Coach von Borussia Dortmund hatte den Münchenern abgesagt.
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Kroatisch-deutsche Mentalität
In Niko Kovacs Brust schlagen zwei Herzen. "Ich fühle mich sowohl als Kroate, als auch als Deutscher", sagte er einmal in einem Interview. Der künftige Bayern-Trainer wurde 1971 als Sohn kroatischer Einwanderer in Berlin geboren und wuchs im Arbeiterviertel Wedding auf. Auch charakterlich prägten Kovac nach eigenen Worten seine Wurzeln in beiden Staaten: "Meine Mentalität ist deutsch und rational geprägt, auch wenn mir die kroatische Impulsivität und Emotionalität nicht fremd sind." Diese Eigenschaften zeichneten ihn bereits als Spieler und auch jetzt als Trainer aus.
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Nicht ohne seinen Bruder
Als Kind in Berlin war Niko Kovac zunächst ein klassischer Straßenfußballer. Schon damals waren er und sein Bruder Robert unzertrennlich und sorgten dafür, immer gemeinsam in einer Mannschaft zu spielen. Niko fühlte sich für den zweieinhalb Jahre jüngeren Bruder verantwortlich. "Das geht das ganze Leben schon so. Ich passe schon ein bisschen auf ihn auf", sagte Kovac 2014 in einem DW-Interview mit einem Augenzwinkern. "Wir ergänzen uns sehr gut, das haben wir schon als Spieler getan. Zu Hause haben wir uns auch immer sehr gut verstanden. Wir entscheiden die Dinge gemeinsam - auch mit unseren Mitarbeitern." Robert Kovac wird Niko auch als Co-Trainer zu den Bayern begleiten.
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Ein Meistertitel mit den Bayern, zwei mit Salzburg
Schon als Spieler kamen die Kovac-Brüder gemeinsam nach München, genauso wie zuvor zu Bayer 04 Leverkusen, wo beide 1996 ihre Bundesliga-Karrieren begannen. Niko Kovac, der im defensiven Mittelfeld spielte, wechselte 1999 vom Werksklub für zwei Jahre zum Hamburger SV. Günter Netzer nannte ihn damals "einen der am meisten unterschätzten Spieler der Bundesliga". Kovac galt als flexibel einsetzbar, zweikampfstark, torgefährlich und äußerst diszipliniert.
2001 waren Niko und Verteidiger Robert Kovac dann wieder vereint, beim FC Bayern. 2003 feierten sie mit der Mannschaft das Double. Anschließend kehrte Niko Kovac zu Hertha BSC zurück, wo er bereits von 1991 bis 1996 in der zweiten Liga gespielt hatte. Nach drei weiteren Jahren in Berlin wechselte Kovac 2006 zum österreichischen Klub Red Bull Salzburg, mit dem er zwei weitere Meistertitel holte und 2009 im Alter von 37 Jahren seine Karriere beendete. "Es waren wunderschöne 18 Jahre", resümierte Niko Kovac seine Zeit als Profi. Als kroatischer Nationalspieler hatte er an je zwei Weltmeisterschaften und Europameisterschaften teilgenommen.
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Zwei Jahre Nationaltrainer Kroatiens
Nach seiner ersten Trainerstation bei Red Bull Salzburg, zunächst bei den Junioren, dann als Co-Trainer der ersten Mannschaft, stieg Kovac als Coach der kroatischen U21 ein. 2013 wurde er Nationaltrainer - mit Bruder Robert als Assistent an seiner Seite - und führte das Team Kroatiens zur WM 2014 nach Brasilien. Dort scheiterte die Mannschaft in der Vorrunde. Im Herbst 2015 entließ der kroatische Verband Kovac nach enttäuschenden Ergebnissen in der EM-Qualifikation.
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Eintracht Frankfurt zu neuer Stärke geführt
Nach einer knapp halbjährigen Auszeit vom Fußball heuerte Niko Kovac im März 2016, erneut mit seinem Bruder als Co-Trainer im Schlepptau, beim akut abstiegsbedrohten Bundesligisten Eintracht Frankfurt an. "Es ist wichtig, dass wir Leidenschaft zeigen", sagte Kobac damals. "Denn mit Leidenschaft kann man viel bewegen." Die Rettung gelang mit Glück in der Relegation. Seitdem ging es mit der Eintracht unter Kovac stetig aufwärts. In dieser Saison haben die Hessen sogar noch die Chance auf einen Champions-League-Startplatz. "90 Prozent des Erfolgs ist Niko Kovac", lobte Mittelfeldspieler Kevin-Prince Boateng seinen Trainer. "Er weiß, wann er draufhauen muss, wann er uns streicheln muss. Das macht er überragend."
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Bayern-Stallgeruch
Das anstehende Engagement beim FC Bayern ist für Niko Kovac der große Karrieresprung. Auch privat dürfte ihm der Wechsel gelegen kommen, leben Ehefrau Kristina, Kovacs Jugendliebe aus Berlin, und Tochter Laura doch nach wie vor in Salzburg. Mit Münchens Sportdirektor Hasan Salihamidzic verbindet Kovac eine enge Freundschaft. Zudem kennt er aus seiner Zeit als Spieler nicht nur den Verein, sondern auch Präsident Uli Hoeneß und Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Aus Sicht des Klubs bringt er den "Bayern-Stallgeruch" mit, auf den besonders Hoeneß Wert legt. Und Kovac erfüllt eine weitere Bedingung, die die Vereinsbosse an den Heynckes-Nachfolger gestellt hatten: Er spricht Deutsch.
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Stefan Nestler
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Datum: 16.04.2018
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