Beste Filme: Vier Oscars für "Shape of Water"

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Bei der 90. Oscarnacht gab es viele Gewinner - und ein Thema

Bester Film und beste Regie, dazu Auszeichnungen für Musik und Produktionsdesign - "Shape of Water" von Guillermo del Toro war der Sieger des Abends.
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Die Oscar-Akademie hatte gut und breit verteilt. Eigentlich bekamen alle Filme, die zuvor mit mehreren Nominierungen bedacht worden waren, etwas ab. Vier Oscars gab es für del Toros fantasievolles Historienmärchen "Shape of Water", darunter den wichtigsten Oscar für den besten Film. Zwar hatte "Shape of Water" zuvor 13 Nominierungen erhalten, doch dass der Film dann tatsächlich auch so viele Oscars gewinnen würde, war nicht anzunehmen. Zu stark war die Konkurrenz, zu viele gute Filme hatten sich in diesem Jahr um den begehrten Hollywood-Preis beworben. So war im Vorfeld damit gerechnet worden, dass die Oscar-Akademie ihre Auszeichnungen breit verteilen würden.
Und so kam es dann auch. Bei den Darstellern gewannen die Favoriten: Frances McDormand erhielt den Preis für ihre Rolle einer frustrierten und rachsüchtigen Mutter, deren Tochter vergewaltigt und ermordet wurde ("Three Billboards Outside Ebbing, Missouri"); Gary Oldman für die Verkörperung des britischen Politikers Winston Churchill in "Darkest Hour". "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri", neben "Shape of Water" der große Favorit des Abends, bekam auch den Oscar in der Kategorie "Bester Nebendarsteller" (Sam Rockwell). Zur besten Nebendarstellerin wurde Allison Janney gekürt - für ihre Rolle in "I, Tonya".
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Gewinner des Abends: Guillermo del Toro
Drei Oscars gewann die internationale Co-Produktion "Dunkirk", der technisch meisterhaft die waghalsige Rückholaktion der britischen Soldaten nach England im Jahre 1940 schildert. Zwei Oscars, die für Kamera und visuelle Effekte, konnte "Blade Runner 2049" abräumen. Ein wenig Glanz fiel dabei auch auf einen Deutschen: Gerd Nefzer war einer von vier Trickspezialisten, die für die visuellen Effekte in dem Sciece-Fiction-Film verantwortlich waren.
Nicht überraschend war auch der Oscar für den besten nicht-englischsprachigen Film: Die chilenische Produktion "Eine fantastische Frau" war im Vorfeld vielfach als Favorit in dieser Kategorie gehandelt worden. Auch die Dokumentation "Icarus" über russisches Staats-Doping sowie der Animationsfilm "Coco" gehörten zum Favoritenkreis - sie alle konnten sich durchsetzen und gewannen Oscars in ihren Kategorien. Interessant die Preise bei den Drehbüchern: Jordan Peele, der das Buch für seinen Horrorfilm "Get Out" geschrieben hatte und dafür nun ausgezeichnet wurde, ist der erste Afro-Amerikaner, der einen Oscar für ein Originaldrehbuch gewann. Und der 89-jährige Regieveteran James Ivory bekam völlig zu Recht die Auszeichnung in der Kategorie "Bestes adaptiertes Drehbuch" für die sensible Jugendstudie "Call Me by Your Name". Schließlich war auch der Oscar für die besten Kostüme für den Film "Phantom Thread" keine wirkliche Überraschung - schließlich geht es in Paul Thomas Andersons Melodram um die Geschichte eines Couturiers.
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Beste Kostüme: Mark Bridges
Und dann war da noch das Thema des Abends: der Missbrauchskandal um den Produzenten Harvey Weinstein und die Folgen. Viele hatten wohl noch mit einer größeren Symbolik am Abend gerechnet - schließlich waren bei der Golden Globe-Verleihung vor kurzem viele weibliche Stars in schwarzen Kostümen erschienen - als Zeichen des Protests gegen sexuelle Belästigung und Benachteiligung von Frauen im Filmgeschäft. Doch bei der 90. Oscar-Gala hielt man sich zurück. Die Damenwelt erschien zu großen Teilen in prachtvollen bunten Roben.
Bei der Moderation und bei einigen Reden auf der Bühne gab es dann aber doch Anspielungen und Kommentare zu dem Thema, das Hollywood seit Monaten in Atem hält. Moderator Jimmy Kimmel hatte die bissigste Bemerkung im Köcher: "Oscar ist derzeit der beliebteste und am meisten respektierte Mann", bemerkte Kimmel und ergänzte: "Er hält seine Hände dort, wo man sie sehen kann." Er sei nie unflätig und man sehe keinen Penis: "Das ist ein Mann, von dem wir mehr in dieser Stadt brauchen."
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Beste Hauptdarstellerin: Frances McDormand
Schließlich war es die Oscargewinnerin Frances McDormand, die mit einer Geste auf die Benachteiligung von Frauen im Filmgeschäft aufmerksam machte. Sie forderte alle nominierten Frauen im Saal auf, aufzustehen. Das machte dann das Missverhältnis schlagartig deutlich - weil eben nur relativ wenige Frauen für einen Oscar nominiert waren.
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Die Gewinner im Überblick:
Bester Film: "Shape of Water - Das Flüstern des Wassers"
Beste Regie: Guillermo del Toro für "Shape of Water - Das Flüstern des Wassers"
Bester Hauptdarsteller: Gary Oldman für "Die dunkelste Stunde" 
Beste Hauptdarstellerin: Frances McDormand für "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri" 
Beste Nebendarstellerin: Allison Janney für "I, Tonya"
Bester Nebendarsteller: Sam Rockwell für "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri" 
Bester nicht-englischsprachiger Film: "Eine fantastische Frau" von Sebastián Lelio
Beste Kamera: Roger A. Deakins für "Blade Runner 2049"
Bestes Original-Drehbuch: Jordan Peele für "Get Out"
Bestes adaptiertes Drehbuch: James Ivory für "Call Me by Your Name"
Bester Schnitt: Lee Smith für "Dunkirk"
Beste Filmmusik: Alexandre Desplat für "Shape of Water - Das Flüstern des Wassers"
Bester Filmsong: "Remember Me" aus dem Film "Coco"
Bestes Produktionsdesign: Paul Denham Austerberry (Production Design); Shane Vieau und Jeffrey A. Melvin (Set Decoration) für "Shape of Water - Das Flüstern des Wassers"
Bester Tonschnitt: Richard King und Alex Gibson für "Dunkirk"
Beste Tonmischung: Gregg Landaker, Gary A. Rizzo und Mark Weingarten für "Dunkirk"
Beste visuelle Effekte: Gerd Nefzer, John Nelson, Paul Lambert und Richard R. Hoover für "Blade Runner 2049"
Bester Animationsfilm: "Coco" von Lee Unkrich
Bester Animations-Kurzfilm: "Dear Basketball" von Glen Keane
Bester Dokumentarfilm: "Icarus" von Bryan Fogel
Bester Dokumentar-Kurzfilm: "Heaven Is a Traffic Jam on the 405" von Frank Stiefel
Bestes Make-up/beste Frisur: Kazuhiro Tsuji, David Malinowski und Lucy Sibbick für "Die dunkelste Stunde"
Bestes Kostümdesign: Mark Bridges für "Der seidene Faden"
Bester Kurzfilm: "Silent Child" von Chris Overton
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Jochen Kürten
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Kommentar: Wohlfeile Symbolpolitik in Hollywood

Der Oscar muss immer wieder für politische Statements und gesellschaftlich relevante Reden herhalten. Doch ob die Gala im Dolby Theatre als Ort für Protest und Politik nicht überschätzt wird, fragt sich Jochen Kürten.
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Natürlich ist es nicht falsch, dass die Film-Prominenz im Dolby-Theatre am Hollywood-Boulevard auf die Bühne tritt und auf Missstände aufmerksam macht. Das war in der Vergangenheit schon oft so. Mal ist es die US-Militärpräsenz in entfernten Weltregionen, mal die Politik des jeweils agierenden Präsidenten. Da der Großteil des Hollywood-Establishments eher liberale Ansichten pflegt, gibt es immer dann, wenn ein Republikaner in Washington an der Macht ist, Spitzen gegen den Präsidenten. Bei Donald Trump war das 2017 wieder einmal hörbar.
In den vergangenen Jahren machte sich der Ärger über die Benachteiligung von Afro-Amerikanern im Filmgeschäft Luft. In diesem Jahr war der Missbrauchsskandal um Produzent Harvey Weinstein und die Dominanz der Männer in der Filmwirtschaft das Thema des Abends. Doch wer nun damit gerechnet hatte, dass die Gala zum großen Showdown für Gleichberechtigung werden würde, wurde enttäuscht. Anders als etwa bei der Golden-Globe-Verleihung im Januar fiel schon das Schaulaufen auf dem Roten-Teppich vor Beginn der Veranstaltung eher traditionell aus. Schwarze Roben bei den Damen blieben eindeutig in der Minderheit. Bei den Globes hatten viele Stars auf ihre bunten Kostüme verzichtet und wollten damit ein Zeichen setzen.
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Symbole können auch das Gegenteil bewirken
Doch ohne die wohlfeile Meinung der protestierenden Stars zu schmälern - was ist das für ein Zeichen? Die spanische Regisseurin Isabel Coixet hatte vor kurzem bei der Berlinale mit einer bissigen Bemerkung ins Schwarze getroffen. Statt eines farbigen 10.000-Dollar Kleids hätten die Schauspielerinnen ein schwarzes 10.000-Dollar Kleid getragen, sagte Coixet. Das sei doch eine leichte Übung. Die Regisseurin verwies dabei auf den Protest iranischer Frauen, die in ihrer Heimat den Schleier ablegen und damit den Unmut konservativer Kleriker auf sich ziehen würden. Das sei eine wirklich mutige Geste, so die Spanierin.
Ein paar Bemerkungen der Laudatoren und der Ausgezeichneten, ein paar bissige Spitzen des Moderators Jimmy Kimmel, Frances McDormands Rede auf der Oscar-Bühne und jede Menge Anstecker, auf denen die Hollywood-Prominenz ihre Solidarität mit den Opfern von sexueller Belästigung transportierten - mehr war nicht bei dieser Oscar-Gala in Sachen Protest. Doch war das vielleicht gar nicht mal so falsch. Die Bühne im Dolby-Theatre ist sicher nicht der beste Ort für politische und gesellschaftliche Auseinandersetzungen. Trotz aller gut gemeinter Statements und Solidaritätssymbolik - die Oscar-Nacht ist und bleibt ein Promitreff, ein Show-Ereignis.
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Allzu viel platte Symbolik schadet dem Anliegen
Wie schnell ein solcher Abend in Peinlichkeiten umschlagen kann, haben die Golden Globes bewiesen - siehe Kleiderwahl. Auch der Vorschlag, bei der zurückliegenden Berlinale statt eines roten einen schwarzen Teppich auszurollen, wurde schnell wieder begraben. Auf Festivals und Preisverleihungen dürfen und sollen politische Statements verkündet werden. Doch allzu viel Symbolik schadet oft der eigentlichen Sache. Vor allem, wenn ein Event so klar im Zeichen vom Klatsch und Tratsch steht, wie die Oscars, wo über die Schmuckauswahl und die Kostüme der Damen meist mehr berichtet wird als über die Filme.
Dass nach dem Weinstein-Skandal alle Welt über das Thema Gleichberechtigung von Frauen im Filmgeschäft geredet wird, ist gut. Und vielleicht ändert sich ja jetzt auch langsam etwas, bei Filmhochschulen und Filmfördergremien, in TV-Redaktionsstuben und Produzentenbüros. Es ist höchste Zeit.
Das Oscar-Event allerdings sollte man nicht überfrachten. Der amerikanische Filmpreis wird sowieso unfassbar überschätzt. Nur weil alle Welt wochenlang zuvor darüber redet, ist der Preis nicht das Maß aller Dinge. Die allermeisten Filme, auch die 2018 ausgezeichneten, wurden monatelang vorher auf Festivals entdeckt, präsentiert und auch prämiert. "Shape of Water" und "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri" etwa beim Festival in Venedig, "Una mujer fantástica" ("Eine fantastische Frau") vor über einem Jahr bei der Berlinale.
Und auch daran sei erinnert: Der Oscar ist zu ca. 95 Prozent eine Auszeichnung für die englischsprachige Filmwelt. Alle anderen Nationen werden ausgeblendet - sieht man einmal von der Kategorie "Bester nicht-englischsprachiger Film" ab: Fünf Filme bewerben sich in dieser Sektion und stehen somit für das weltweite Kino - das ist absurd.
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Der Oscar ist vor allem ein Preis mit kommerzieller Ausrichtung
An all das sollte man immer mal wieder erinnern. Würde man die Oscar-Kriterien etwa bei Preisverleihungen in anderen Künsten anlegen, beispielsweise in der Literatur, würde niemand vom "Besten Roman" oder der "Besten Autorin" sprechen. Die Welt des Kinos allerdings, die vor allem in kommerzieller Hinsicht von Hollywood beherrscht wird, steht im Banne der ausgefeilten Marketingstrategen der großen Hollywood-Studios. Die machen einen guten Job, sorgen Jahr für Jahr für ein Milliardengeschäft. Mit Kultur und Kunst hat das aber meist nicht viel zu tun.
Dass in diesem Jahr (und auch in den vorangegangenen) oft künstlerisch gelungene Filme mit Oscars bedacht wurden, ist eine erfreuliche Entwicklung. Das war freilich nicht immer so. All das sollte man im Hinterkopf behalten, wenn es um die Berichterstattung über die Oscars geht und um die Einordnung dieses speziellen Filmpreises. Das ist im Übrigen auch eine Aufgabe der Journalisten und der seriösen Presse. Dann lassen sich auch politische Reden und wohlfeile Symbolik auf der Oscar-Bühne besser einordnen.
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Jochen Kürten    
http://p.dw.com/p/2thS1
Datum: 07.03.2018
Hinzugefügt:   venjamin.tolstonog
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