Beethovenfest 2017 in Bonn

Konzerte | Präsentationen

Zwei Länder, zwei Uraufführungen und ein Tripelkonzert

Es war ein ungewöhnliches Konzerterlebnis: Mit Verve musiziert ein frisch gegründetes ukrainisches Jugendorchester zusammen mit deutschen Mitstreitern und bringt Musik beider Länder zu Gehör. Aber hören Sie selbst!
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Sogar ein drittes Land wird in Beethovens Tripelkonzert vertreten: Gleichsam symbolisch für die Überwindung von politischem und militärischem Streit spielt der russische Cellist Konstantin Manaev einen Solopart in Beethovens Tripelkonzert zusammen mit der ukrainischen Pianistin Kateryna Titova. Der Dritte im Solistenbund ist der deutsche Geiger Tobias Feldmann. In diesem Konzert gibt es gleich zwei Uraufführungen. Im "Vom Mond und dem Mädchen" verarbeitet Stefan Hippe ukrainische Volkslieder zu einem kunstvollen Tongewebe für Solo-Akkordeon.
Als urtypisches Instrument der Ukraine ist das Akkordeon gleich siebenfach vertreten im Landesjugendakkordeonorchester Nordrhein-Westfalen, das zusammen mit dem deutsch-ukrainischen Jugendorchester eine "Galizische Fantasie" wiedergibt. Bei diesem Auftragswerk der Deutschen Welle macht der Komponist Bohdan Sehin aus alten Melodien aus Lwiw – historisch Lemberg – eine vibrierende Tonfreske für großes Orchester. Hinzu kommen eine tragische Wucht im symphonischen Gedicht vom ukrainischen Komponisten Boris Lyatoshinsky und ein Werk des selten gespielten Mozart-Sohnes Franz Xaver Mozart, der in Lemberg tätig war.
Insgesamt kommt viel mehr als schöne Musik dabei heraus. Die Botschaft ist unmissverständlich: Die Kulturnation Ukraine gehört zu Europa.
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Der "russische Beethoven" beim Beethovenfest in Bonn
Der zeitgenössische Komponist Vladimir Tarnopolski aus Russland lässt sich von Beethoven inspirieren. Im Konzert erklingt das Original. Hören Sie hier die komplette Aufführung beim Beethovenfest in einer Liveaufnahme.
Alljährlich vergibt das Beethovenfest einen Kompositionsauftrag. Die Aufgabe lautet: Der Tonschöpfer soll sich in seinem neuen Stück auf ein Werk Ludwig van Beethovens beziehen. Diesmal erhielt der russische Komponist Vladimir Tarnopolski den Auftrag. Er entschied sich für Beethovens Viertes Klavierkonzert als Inspirationsquelle. Letzteres steht auch auf dem Programm. Solist ist ein junger Spanier, der kurzfristig eingesprungen ist. Dazu erklingt die schillernde Musik, die Igor Strawinsky zum Ballett "Petruschka" schrieb, eine Geschichte von beseelten Puppen und einer bittersüßen Liebe.
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Beethovenfest zum Nachhören: Signum Saxophonquartett
90 Minuten - mit nur vier Saxophonen: Ist das nicht etwas eintönig? Überhaupt nicht! Die vier Musiker, die Sie in diesem Stream hören können, treten den Beweis an.
Wenn bekannte Musik mit einer ungewohnten Klangfarbe präsentiert wird, gibt es einen doppelten Reiz. Denn: Der Mensch hört gern Sachen, die er schon kennt. Sonst gäbe es keine Hits. Hinzu aber kommt dann die Faszination des Neuen. Mit dieser Formel arbeitet das Signum Saxophonquartett, wenn es Bearbeitungen von Klassikern wiedergibt. Schließlich ist das Saxophon keine 200 Jahre alt und ist wohl stärker im Jazz als in der Klassik vertreten.  Ein absolutes Novum für Hörer, die dieses Quartett noch nicht kennen, ist die frappierende Bandbreite des Klangspektrums: vom flüsternden Pianissimo bis hin zum Raum füllenden Fortissimo. Ebenso groß wie die Dynamik ist das Aufgebot an Klangfarben. Dass vier Instrumentalisten eine ähnliche Wirkung wie ein ganzes Orchester entfalten können, ist für so manchen Konzertbesucher bei dieser Veranstaltung des Beethovenfests in der Rhein-Sieg Halle in Siegburg die Entdeckung des Abends. Bei Gershwins "Rhapsody in Blue" kam der Pianist Michail Lifits hinzu.
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Opernklänge mit französischem Akzent
Programme, die vielleicht sonst nie erlebt werden können: Das Ensemble Opera Fuoco und sein umtriebiger Gründer und Leiter David Stern machen es möglich beim Beethovenfest 2017 in Bonn.
In der Oper "Fidelio" von Ludwig van Beethoven dringt die Hauptfigur Leonore maskiert in einen Kerker ein, um ihren Ehemann, einen politischen Häftling, zu retten. Aber Beethoven war nicht der einzige Komponist, der diesen Stoff behandelte - wie wir in diesem Konzert erfahren. Auch der selten gehörte italienische Komponist Ferdinando Paër machte daraus eine Oper.
Des weiteren begegnen dem Zuhörer faszinierende Frauengestalten wie die in Faust verliebte Margarethe oder die teuflische Medea, die ihre Kinder ermordet. Das Ensemble Opera Fuoco spielt Stücke aus dem reichlichen Opern-Repertoire des 18. und 19. Jahrhunderts. Und zum Schluss geben die französischen Musiker Beethovens Symphonie Nr. 8 wieder – im Originalklang, also etwa so, wie sie zu Beethovens Zeiten geklungen haben mag.
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Rick Fulker
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Datum: 02.10.2017
Hinzugefügt:   venjamin.tolstonog
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zagluwka
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