21 Filme sind für den offiziellen Wettbewerb in Venedig nominiert

Kino | Präsentationen

Ai Weiwei mit Dokumentarfilm im Rennen um Goldenen Löwen

21 Filme sind für den offiziellen Wettbewerb in Venedig nominiert. Mit dabei ist ein Dokumentarfilm des chinesischen Künstlers Ai Weiwei. US-Schauspieler George Clooney präsentiert sich als Regisseur mit neuem Film.
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Mit Spannung werden in jedem Jahr die Nominierungen der Wettbewerbsfilme für die Filmbiennale in Venedig erwartet. Die renommierten internationalen Filmfestspiele in der italienischen Lagunenstadt zählen zu den weltweit bedeutendsten Filmfestivals. Mit in das Rennen um den "Goldenen Löwen" geht auch ein neuer Dokumentarfilm des chinesischen Künstlers Ai Weiwei: "Human Flow" beschäftigt sich mit künstlerischen Mitteln mit der weltweiten Flüchtlingskrise und wird in Venedig seine Premiere haben. Die Flüchtlingsthematik ist seit langem wichtiger Teil seiner künstlerischen Arbeit.
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Zentrales Thema bei Ai Weiwei: die weltweite Flüchtingskatastrophe
Der Film ist eine deutsch/US-amerikanische Ko-Produktion und als Wettbewerbsfilm für Venedig nominiert, wie Festivaldirektor Alberto Barbera am Donnerstag (27.07.2017) auf einer Pressekonferenz in Rom bekannt gab. Die Filmfestspiele von Venedig beginnen am 30. August und dauern bis zum 9. September 2017. Das Werk von Ai Weiwei, einem der berühmtesten chinesischen Künstler, sei "ziemlich außergewöhnlich", sagte Barbera gegenüber der Presse.
Insgesamt konkurrieren 21 Filme um die begehrten Löwen-Trophäen. Nominiert wurde der Kinofilm "Suburbicon", von Regisseur George Clooney, der inzwischen auch hinter der Kamera agiert. Und "First Reformed" von US-Regisseur Paul Schrader, der mit seinen Drehbüchern zu "Taxi Driver" und "Wie ein wilder Stier" Filmgeschichte schrieb. Aus Deutschland ist in diesem Jahr kein Film dabei. 2016 gehörte der deutsche Regisseur Wim Wenders mit "Die Schönen Tage von Aranjuez" zu den aussichtsreichen Kandidaten im Wettbewerb.
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Hier alle nominierten Wettbewerbsfilme:
1.    "Human Flow" von Ai Weiwei (Deutschland/USA)
2.    "Mother!" von Darren Aronofsky (USA)
3.    "Suburbicon" von George Clooney (USA)
4.    "The Shape Of Water" von Guillermo Del Toro (USA)
5.    "L'Insulte" von Ziad Doueiri (Frankreich/Libanon)
6.    "La Villa" von Robert Guediguian (Frankreich)
7.    "Lean on Pete" von Andrew Haigh (Großbritannien)
8.    "Mektoub, My Love: Canto Uno" von Abdellatif Kechiche (Frankreich)
9.    "The Third Murder" von Koreada Hirokazu (Japan)
10.    "Jusqu'a La Garde" von Xavier Legrand (Frankreich)
11.    "Ammore e Malavita" von Manetti Bros. (Italien)
12.    "Foxtrot" von Samuel Maoz (Israel/Deutschland/Frankreich/Schweiz)
13.    "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri" von Martin McDonaugh (Großbritannien)
14.    "Hannah" von Andrea Pallaoro (Italien/Belgien/Frankreich)
15.    "Downsizing" von Alexander Payne (USA)
16.    "Angels Wear White" von Vivian Qu (China/Frankreich)
17.    "Una Famiglia" von Sebastiano Risio (Italien)
18.    "First Reformed" von Paul Schrader (USA)
19.    "Sweet Country" von Warwick Thornton (Australien)
20.    "The Leisure Seeker" von Paolo Virzi (Italien)
21.    "Ex Libris - The New York Public Library" von Frederick Wiseman (USA)
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Heike Mund
hm/rey (dpa)
http://p.dw.com/p/2hGMV
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Ai Weiweis "Human Flow" in Venedig

Der chinesische Künstler hat seinen Film über die Flüchtlingskrise bei den Filmfestspielen Venedig präsentiert. "Human Flow" ist einer von 21 Bewerbern um den Goldenen Löwen. Doch die Kritik fiel gemischt aus.
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Ai Weiwei, Chinas bekanntester Künstler im Westen, hat für "Human Flow" mit seinen Teams in mehr als 20 Ländern gedreht, er besuchte Flüchtlingscamps in Griechenland, Frankreich, Kenia, Libanon und im Gazastreifen. Der 60-Jährige filmte an der Grenze zwischen den USA und Mexiko, Serbien und Ungarn. Mal zeigt er, wie Flüchtlinge auf dem Mittelmeer gerettet werden, mal fängt die Kamera aus der Luft die Dimensionen eines Lagers ein.
All dies verknüpft der Künstler mit Kurzinterviews von Helfern, die die katastrophale Situation in ihren Regionen beschreiben. Außerdem blendet er Schlagzeilen wie Angela Merkels "Wir schaffen das" ein. So entsteht ein Mosaik der vielen Schicksale und Krisen, die in ihrer Gesamtheit eines der drängendsten Probleme unserer Zeit sind. "Wenn wir nur über Politik, Gesetze und technische Details sprechen, geht das am Thema vorbei", sagte Ai in Venedig. Stattdessen sei Menschlichkeit die Lösung. "Wir können alle bei uns selbst anfangen" - jeder könne etwas tun und helfen.
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Gemischte Kritiken
Die Dreharbeiten begannen mit bescheidenen technischen Mitteln, wie Ai Weiwei am Freitag (01.09.2017) erzählte: "Ich habe das alles mit meinem iPhone angefangen." Dann aber habe er gemerkt, dass das Projekt größer wurde und eine Filmcrew zusammengestellt.
Bei einer Pressevorführung am Donnerstag (31.08.2017) bekam der Film Applaus, aber die ersten Kritiken sind durchwachsen. Die britische Tageszeitung "The Guardian" lobt "Human Flow" als "visuelles Gedicht, das episch und höchst menschlich" sei, während das Branchenblatt "Variety" es als "Flüchtlinge für Dummies" abtat und fehlende Tiefe bemängelte.
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Flüchtlinge als zentrales Thema
Die deutsch-US-amerikanische Koproduktion ist einer von 21 Wettbewerbern im  Rennen um den Goldenen Löwen. Dieser wird am 9. September verliehen. Festivaldirektor Alberto Barbera bezeichnete "Human Flow" bei der Präsentation der Wettbewerbsfilme als "ziemlich außergewöhnlich".
Das Schicksal der Flüchtlinge hat Ai Weiwei zum zentralen Thema seiner Arbeit gemacht. So präsentierte er im März 2017 in Prag ein 70 Meter langes Schlauchboot, auf dem 258 überlebensgroße, aufblasbare Figuren von Schutzsuchenden sitzen (Bild). Kritisiert wurde er 2016, als er ein Foto des ertrunkenen Flüchtlingsjungen Aylan Kurdi am Strand der griechischen Insel Lesbos nachstellte.  
Ai Weiwei hat persönliche Erfahrungen mit Heimatverlust und Vertreibung machen müssen: In seiner chinesischen Heimat wurde er 2011 verschleppt und inhaftiert, sein Pass wurde ihm abgenommen. 2015 konnte er nach Berlin ausreisen, wo er seitdem lebt und arbeitet.
Die DW-Autorinnen Bettina Kolb und Eva Mehl haben Ai Weiwei bei den Dreharbeiten zu "Human Flow" begleitet - zu sehen in der Dokumentation "Ai Weiwei Drifting".
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ka/bb (dpa/AFP)
http://p.dw.com/p/2jD98
Datum: 04.09.2017
Hinzugefügt:   venjamin.tolstonog
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zagluwka
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