16th IAAF World Leichtathletiks Championships London 2017

Präsentationen | Sport

Vier WM-Medaillen für das deutsche Team

Super-Saturday für das DLV-Team bei der Leichtathletik-WM in London: Im Hürdenlauf und im Zehnkampf gibt es zweimal Bronze und einmal Silber. Und dann wird auch noch Speerwerfer Johannes Vetter Weltmeister.
***
Johannes Vetter heulte schon vor seinem letzten Wurf vor Freude, Sekunden später sank der neue Weltmeister überglücklich zu Boden: Der deutsche Speer-Rekordhalter hat bei der Leichtathletik-WM in London in einem wahren Final-Krimi triumphiert und das erste Gold für das DLV-Team geholt. Für Thomas Röhler platzte hingegen der Medaillen-Traum - der Olympiasieger wurde nur Vierter. Vetter siegte am vorletzten Tag der Titelkämpfe mit bereits im ersten Versuch erzielten 89,89 Metern. In einem hochklassigen Wettbewerb verwies der 24-Jährige den starken Tschechen Jakub Vadljech (89,73) knapp auf Platz zwei. Dessen Landsmann Petr Frydrych verbesserte sich im letzten Durchgang auf 88,32 Meter und schnappte damit Röhler (88,26) Bronze weg.
Freudentränen gab es auch bei Pamela Dutkiewicz. Die deutsche Athletin gewann Bronze über 100 Meter Hürden. Nach 12,72 Sekunden musste sich die 25-Jährige in London nur Weltmeisterin Sally Pearson aus Australien (12,59) und Peking-Olympiasiegerin Dawn Harper-Nelson (12,63) aus den USA geschlagen geben. Pearson hatte vor fünf Jahren in London Olympia-Gold gewonnen. "Ich war in einem Flow. Es ist mir zwar ein kleiner Fehler passiert, aber es hat gereicht. Ich kann es gar nicht glauben", sagte Dutkiewicz, ehe sie sich auf die Ehrenrunde machte.
Im Zehnkampf gab es gleich zwei Medaillen für das deutsche Team zu bejubeln. Rico Freimuth gewann Silber in der Königsdisziplin der Leichtathletik. Zwei Jahre nach Bronze in Peking musste sich der 29-Jährige diesmal mit 8564 Punkten nur dem neuen Weltmeister Kevin Mayer (8768) aus Frankreich geschlagen geben, Bronze sicherte sich sein Landsmann Kai Kazmirek (8488). Letztmals standen vor 30 Jahren zwei deutsche Zehnkämpfer auf dem WM-Podium, in Rom holte damals Torsten Voss Gold für die DDR vor Siegfried Wentz (BRD). Weltrekordler, Olympiasieger und Titelverteidiger Ashton Eaton (USA) hatte nach den Spielen in Rio seine Karriere beendet.
Unterdessen hat Großbritanniens Laufheld Mo Farah sein angestrebtes Triple-Double vor heimischen Publikum verpasst. Acht Tage nach seinem Sieg über die 10.000 Meter musste der 34-Jährige nach sechs Jahren in einem großen 5000-Meter-Rennen wieder eine Niederlage einstecken, der Jahres-Weltbeste Muktar Edris aus Äthiopien schnappte ihm nach 13:32,79 Minuten Gold weg. Für Farah blieb nach einem dramatischen Rennen nur Silber (13:33,22). Dritter wurde der US-Amerikaner Paul Chelimo (13:33,30).
"Es war ein gutes Rennen. Ich bin einfach nur glücklich, Mo geschlagen zu haben. Vielleicht war er heute ein bisschen müde nach den 10.000 Metern", sagte Edris. 2011 hatte Farah Silber über 10.000 Meter geholt und danach eine nie dagewesene Dominanz entwickelt - unter anderem hatte er 2012 und 2016 bei Olympia jeweils beide Langstrecken gewonnen. Nach dieser Saison will sich Farah ganz auf den Marathon konzentrieren.
***
Jungfleisch verpasst knapp ein Podiumsplatz
Beim Hochsprung hat die deutsche Athletin Marie-Laurence Jungfleisch den undankbaren vierten Platz belegt. Sie überflog 1,95 Meter. Damit verpasste Jungfleisch den erhofften zweiten Zwei-Meter-Sprung ihrer Karriere und ihr erstes internationales Edelmetall. Gold im Olympiastadion gewann wie erwartet Maria Lasizkene mit übersprungenen 2,03 Metern. Die Russin mit dem früheren Namen Kutschina startete unter neutraler Flagge, nachdem der Weltverband wegen des Dopingskandals nur 19 Athleten aus ihrem Land mit einer Sonderstartrecht ausgestattet hat. Silber ging mit 2,01 Meter an Julia Lewtschenko aus der Ukraine, Bronze an die Polin Kamila Licwinko (1,99).
***
sw/gri (dpa, sid)
http://p.dw.com/p/2i6RI
***
Sturz-Pech für Hindernis-Hoffnung Krause

Tränen statt Podest: Gesa Krause rennt über die 3000-Meter-Hürden nach einem unverschuldeten Sturz nur hinterher. In den drei anderen Disziplinen jubeln bei der Leichtathletik-WM in London altbekannte Titelsammler.
***
Gesa Felicitas Krause flog kopfüber zu Boden, rappelte sich auf und kämpfte wie eine Löwin - der Traum von einer Medaille war aber schon nach nicht einmal einem Kilometer geplatzt: Mit viel Pech und nach dem unverschuldeten Sturz hat die Europameisterin bei der Leichtathletik-WM in London eine Medaille über 3000 Meter Hindernis klar verpasst. Im Ziel flossen bittere Tränen bei der 25-Jährigen.
Beim Überraschungssieg der Amerikanerin Emma Coburn kam die Deutsche nur auf Platz neun - das bronzene Märchen von Peking 2015, als Krause sensationell Dritte geworden war, wiederholte sich damit nicht. Nach 9:23,87 Minuten kam Krause abgeschlagen ins Ziel. "Ich habe einen Schlag auf den Kopf bekommen, dachte erst ans Aufhören. Ich war den ersten Kilometer benommen", sagte Krause gegenüber dem Fernsehsender ARD. "Das ist schwer zu verkraften. Ich habe das ganze Jahr dafür trainiert. Es tut einfach weh, dass ich nicht eingreifen konnte."
***
Chepkoech neben der Spur
Die Kenianerin Beatrice Chepkoech, die schon in der zweiten Runde am Wassergraben vorbeigerannt war und wieder umdrehen musste, war an einem Hindernis gestolpert und hatte Krause mitgerissen. Diese rannte verzweifelt dem Feld hinterher und schaffte nur noch den Anschluss an die Verfolgergruppe. In den Medaillenkampf konnte sie nicht mehr eingreifen. Hinter Coburn (9:02,58), die Afrikas Dominanz beendete, machte Courtney Frerichs (9:03,77) den US-Doppelsieg perfekt. Bronze holte die kenianische Titelverteidigerin Hyvin Chepkemoi (9:04,03).
Europarekordlerin Dafne Schippers aus den Niederlanden hat ihren Titel über 200 Meter erfolgreich verteidigt. Die 25-Jährige setzte sich in einem packenden Finale nach 22,05 Sekunden knapp gegen Marie-Josée Ta Lou (22,08) von der Elfenbeinküste durch, die schon über 100 Meter Silber gewonnen hatte. Bronze sicherte sich 400-Meter-Olympiasiegerin Shaunae Miller-Uibo (22,15) von den Bahamas. Die US-Amerikanerin Tori Bowie, die am Sonntag über 100 Meter Gold geholt hatte, verzichtete auf einen Start über die doppelte Distanz. Bei ihrem spektakulären Zielsturz zum Titel hatte sie sich verletzt und erholt sich seitdem für die Staffel.
***
Salman-Rath: Medaillenrunde knapp verpasst
Ihren vierten WM-Titel holte die US-Amerikanerin Brittney Reese mit 7,02 Meter im Weitsprung. Silber gewann Daria Klischina, die nach dem Doping-Skandal in ihrer russischen Heimat als neutrale Athletin antreten musste. Sie sprang 7,00 Meter weit. Olympiasiegerin und Titelverteidigerin Tianna Bartoletta aus den USA landete mit 6,97 Meter auf dem Bronzerang. Zuvor fehlten der deutschen Meisterin Claudia Salman-Rath zwei Zentimeter zum Einzug in die Medaillenrunde der letzten acht Starterinnen. Im dritten Versuch hatte sie mit 6,54 Metern ihren besten Sprung geschafft - und landete auf Platz zehn. Im Siebenkampf war Salman-Rath zuvor Achte geworden.
Hammerwerfer Pawel Fajdek hat sein WM-Triple perfekt gemacht. Der Pole setzte sich mit 79,81 m durch und gewann sein drittes Gold in Serie. Silber sicherte sich als neutraler Athlet Waleri Pronkin aus Russland (78,16 m), Dritter wurde der Pole Wojciech Nowicki (78,03 m). Fajdek, der im Vorjahr bei den Olympischen Spielen als Topfavorit bereits in der Qualifikation gescheitert war, hatte auch in London mit Anlaufschwierigkeiten zu kämpfen und lag nach dem zweiten Versuch nur auf Platz sieben.
***
sw/bru (dpa, sid)
http://p.dw.com/p/2i5mR
Datum: 13.08.2017
Hinzugefügt:   venjamin.tolstonog
Aufrufe: 1
zagluwka
advanced
Absenden