16th IAAF Weltmeisterschaft in London: Schmerzhafter Abschied für Usain Bolt

Präsentationen | Sport

Was für ein Drama: Im letzten Rennen seiner Profikarriere muss der beste Sprinter der Welt mitten im Lauf verletzt abbrechen und schafft es nicht ins Ziel. WM-Staffelgold über die 400 Meter holt sich das Heimteam.
***
Usain Bolts einmalige Sportkarriere ist mit einem Sturz im Staffelfinale dramatisch zu Ende gegangen. In seinem letzten Rennen als Profi hat sich der Superstar als Schlussläufer der jamaikanischen 4x100-Meter-Staffel verletzt und nicht das Ziel erreicht. Den Sieg sicherte sich überraschend Großbritannien vor den USA und Japan. Bolt war mit Rückstand auf die letzte Teilstrecke gegangen, schrie nach wenigen Schritten vor Schmerzen auf und ging offenbar am Oberschenkel verletzt zu Boden. Nach langen Minuten humpelte er auf seine Teamkollegen gestützt und unter dem tosenden Applaus von 60.000 Zuschauern aus dem Innenraum.
Die ebenso frenetisch gefeierten Briten setzten sich in 37,47 Sekunden unerwartet vor den amerikanischen Favoriten um 100-Meter-Weltmeister Justin Gatlin (37,52) durch und holten den WM-Titel nach zwölf Jahren zurück nach Europa. 2005 hatte Frankreich gesiegt, 2007 triumphierten die USA, danach begann die große Ära Jamaikas, das mit dem überragenden Bolt viermal in Serie gewann. Der elfmalige Weltmeister und achtmalige Olympiasieger Bolt tritt ohne einen weiteren WM-Titel in seinen Händen zurück. Über 100 Meter war er Dritter geworden, über 200 Meter nicht am Start gewesen.
***
sw/gri (dpa, sid)
http://p.dw.com/p/2i81P
***
Kommentar: Usain Bolt geht als Mensch

Usain Bolt, der schnellste Mann der Welt, rannte einst wie ein Außerirdischer. Nun tritt er ab - tatsächlich geschlagen. Das macht den Jamaikaner wieder menschlicher, kommentiert Joscha Weber.
***
Er hat diese gewisse Aura. Usain Bolt betritt den Raum und alle Augen richten sich auf ihn. Sein Gang ist federnd, seine Bewegungen fließend, sein Lächeln verschmitzt. 1,95 pures Selbstbewusstsein. Ein Siegertyp, der überall auf der Welt bewundert wird. Übrigens auch von sich selbst. Bolt sagt über sich: "The Greatest of all time." Dass dieser Titel bereits Muhammad Ali gehört, stört ihn nicht weiter, im Gegenteil. Er liebt die historischen Vergleiche, er lebt für die ganz große Show. So wie Ali. Und nun hat Bolt noch etwas mit ihm gemeinsam: Er hat den richtigen Moment zum Aufhören verpasst.
***
Nicht mehr der Alte
Ali ging zu spät aus dem Ring und verlor Anfang der 80er Jahre seine beiden letzten Kämpfe - bereits gezeichnet von der Parkinson-Krankheit. Usain Bolt trat mit Gold behangen und ungeschlagen von der großen Bühne bei den Olympischen Spielen ab - um dann noch einmal bei der WM zu starten. Im Nachhinein wohl ein Fehler. Von Verletzungen in der Vorbereitung ausgebremst, ist der inzwischen 30-jährige Bolt in London nicht mehr der Alte. Über die 100 Meter lief er - bis dahin undenkbar - nur auf Rang drei. Über die 200 Meter trat er nicht an. Und sein letztes Rennen musste er verletzt abbrechen - was für ein Drama.
Bolt tritt ab und weiß genau: Der letzte Eindruck zählt in dieser schnelllebigen Welt, auch und vor allem im Sport. Der Jamaikanische Superstar hätte als ungeschlagenes Phänomen gehen können, doch er hörte nicht auf seinen Körper. Bei den Spielen in Rio 2016 war er noch der Schnellste, aber schon ein gutes Stück von seinen eigenen Rekorden entfernt, obwohl er die dort angreifen wollte. Ein Signal, das Bolt überhörte - oder vielleicht auch auf Druck seiner Sponsoren überhören musste.
***
Verneigung vor einem der größten Sportler der Geschichte
Mit in den Sprinter-Ruhestand nimmt Usain Bolt eine große Frage: Dürfen wir seine Geschichte glauben? Acht Olympiasiege, elf Weltmeistertitel und Fabelweltrekorde über 100 (9,58 Sekunden) und 200 Meter (19,19 Sekunden) stehen symbolisch für einen Sprinter von einem anderen Stern. Bolt rannte über Jahre in einer eigenen Liga, teilweise so weit vor der Konkurrenz, dass seine irdische Herkunft tatsächlich infrage stand. Natürlich wecken seine Erfolge Zweifel. Wie kann es sein, dass der Weltrekordhalter sauber ist, wenn alle anderen Läufer unter den zehn schnellsten der Welt des Dopings überführt, vor Gericht stark belastet oder gar lebenslang gesperrt wurden? Ein Rätsel, das nur Bolt lösen kann - oder möglicherweise Nachtests mit neuen Methoden.
Da - anders als bei seinen überführten Landsleuten Yohan Blake, Asafa Powell und Nesta Carter - bei Bolt niemals verbotene Substanzen oder Methoden nachgewiesen wurden, bleibt festzuhalten: Wir verneigen uns vor Usain Bolt. Einer der größten Sportler der Geschichte geht und verdient Respekt. Seine Leistungen sind einmalig, sein Unterhaltungsfaktor ebenfalls. Und dass er am Ende doch schlagbar war, macht ihn irgendwie wieder ein Stück menschlicher.
***
Joscha Weber
http://p.dw.com/p/2i5nY
Datum: 14.08.2017
Hinzugefügt:   venjamin.tolstonog
Aufrufe: 10
zagluwka
advanced
Absenden