11 kölsche Lieder, die man kennen muss

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Keine Stadt der Welt wird so oft besungen wie Köln

Jedes Jahr erscheinen hunderte neue Lieder. Doch nur wenige schaffen es zum ganz großen Karnevalshit. Hier ist eine Auswahl der größten kölschen Hits.  
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1. Superjeile Zick ['su:pɐjaɪ̯lə ʦɪk]

Nä wat wor dat dann fröher en superjeile Zick,
Met Träne en de Auge loor ich manchmol zuröck
Bin ich hück op der Roll nor noch halv su doll
Doch hück Naach weiß ich nit wo dat enden soll.

Nein, was war das doch früher 'ne supergeile Zeit
Mit Tränen in den Augen gucke ich manchmal zurück
Bin ich heute unterwegs, nur noch halb so verrückt
Doch heute Nacht weiß ich nicht, wo das enden soll.


Der Song von der Gruppe Brings erzählt von ein paar Typen, die die Nacht durchmachen wollen, aber nicht so genau wissen, wo es lang gehen soll. Dann aber kommen ein paar Drogen und ein paar hübsche Mädchen, und dann geht die Party los. das Lied war in der Kölner Karnevalsszene hoch umstritten, weil diese Art zu feiern den Offiziellen nicht geheuer war. Dennoch landete die ursprüngliche Rockband Brings mit diesem Song 2001 ihren ersten Karnevalshit und ist seitdem nicht mehr aus dem Karneval wegzudenken.
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2. Denn wenn et Trömmelche jeit/Kölle Alaaf [dɛn vɛn ət 'tʀœməlʃə jɛɪ̯t/'kœlə alaːf]

Denn wenn et Trömmelche jeit, dann stonn mer all parat
Und mer trecke durch die Stadt und jeder hätt jesaht
Kölle Alaaf Alaaf! Kölle Alaaf!

Denn wenn die kleine Trommel geht, dann sind wir alle bereit
Und wir ziehen durch die Stadt und jeder sagt: Kölle Alaaf.


Das ist ein ganz klassisches Karnevalslied von den "Räubern" aus dem Jahr 1993. Im Text geht es darum, dass es jedes Jahr im Winter wieder mit dem Karneval los geht und sich selbst die Oma so sehr darüber freut, dass sie ihr letztes Hab und Gut im Pfandhaus versetzt. Es ist ein fröhlicher Marsch, dessen Refrain auch den Weg ins Kölner Fußballstadion gefunden hat: Immer, wenn der FC Köln ein Tor schießt, erklingt "Et Trömmelche".
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3. Pirate [pi'ra:tə]

Pirate, wild und frei, dreimol Kölle Ahoi
Rette sich, wer kann mer lääje an
Pirate, wild und frei, dreimol Kölle ahoi,
Und dä Dudekopp op unsrer Fahn hät en rude Pappnas aan.
Heyo! Hey Hey Ho!


Piraten, wild und frei, drei Mal Kölle Ahoi
Rette sich wer kann, wir legen an,
Piraten, wild und frei, drei Mal Kölle Ahoi!
Und der Totenkopf auf unserer Fahne hat eine rote Pappnase an.


Die Band Kasalla knackte mit diesem Song 2012 die Bastion der alten kölschen Bands. Frech und jung enterten die fünf Jungs mit diesem feuchtfröhlichen Rocksong den Karneval. In dem Lied fahren "elf schwarze Seelen" mit ihrem Schiff über den Rhein, legen in Köln an und feiern die ganze Nacht. Kasalla sind Vorbild für viele neue Kölner Bands, die in den letzten Jahren entstanden sind und treten inzwischen auch in ganz Deutschland auf. 2016 feierten sie ihren 5. Bandgeburtstag und füllten zwei Tage hintereinander die Lanxess.Arena, Kölns größte Konzerthalle mit insgesamt 26.000 Zuschauern.
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4. Nie mehr Fastelovend [ni: me:ɐ̯ 'fastəlɔvn̩t]

Met d'r Trumm Trumm Trumm
Met d'r Trumm Trumm Trumm
Met d'r Trumm Trumm Trumm
Mer trecke durch die Veedel
Met d'r Trumm Trumm Trumm
Bes mer dich jefunge han, un ich sag:
Nie mehr Fastelovend, nie mehr rud und wieß
Nie mehr Fastelovend - ohne dich
Mit der Trommel Trommel Trommel (…)

Wir ziehen durch die Stadtviertel mit der Trommel - bis wir dich gefunden haben.
Und ich sag: Nie mehr Karneval, Nie mehr rot und weiß, nie mehr Karneval - ohne dich.


Die Truppe "Querbeat" ist eine bunte und fröhliche Marching Band, die seit einigen Jahren die Karnevalsbühnen unsicher macht. Mit gefühlten fünfzig Musikern stürmen sie auch altehrwürdige Karnevalsveranstaltungen und bringen mit Trommeln, Trompeten und treibenden Rhythmen einen Hauch Südamerika nach Köln. 2017 haben sie mit dem Song "Dä Plan" den Sessionshit gelandet. Da es da um eine ausufernde WG-Party geht, die nicht ausschließlich an Karneval vorkommen kann, ist hier in der Auswahl ihr Karnevalshit von 2015: In "Nie mehr Fastelovend" sind sie auf der Suche nach einer im Getümmel verloren gegangenen Karnevalsbekanntschaft.
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5. Et jitt kei Wood [ət jɪt kɛɪ̯ vut]

Et jitt kei Wood dat sage künnt wat ich föhl,
wenn ich an Kölle denk,
Wenn ich an ming Heimat denk!

Es gibt kein Wort, das sagen könnte, was ich fühle,
wenn ich an Köln denke,
wenn ich an meine Heimat denke.


Eine weitere junge Band - Cat Ballou - hat 2013 nachgelegt und den Kölnern damit eine neue Lieblingshymne beschert. Der Text beschreibt, wie sehr ein Lokalpatriot seine Stadt mit seiner Sprache, seinen Liedern, seinen Häusern und natürlich mit dem Dom liebt. So sehr, dass er niemals weg will. Cat Ballou gehören wie Kasalle zu den berühmtesten Newcomern der letzten Jahre. Ihre Musik ist poppiger als die der anderen jungen Bands; auch karnevalsfremde Genres sind für sie kein Problem: 2017 haben sie zusammen mit dem Kölner Rapper Mo Torres und Fußballstar Lukas Podolski eine neue Köln-Hymne veröffentlicht: "Liebe deine Stadt".
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6. Du bes Kölle [du: bɛs 'kœlə]

Du bes Kölle, ov de wells oder och nit
Du bes Kölle, weil et söns kei Kölsche jitt
Du bes Kölle, du bes supertolerant,
nimms jeden op der Ärm und an de Hand.

Du bist Köln, ob du willst oder auch nicht
Du bist Köln, weil es sonst keine Kölner gibt
Du bist Köln, du bist supertolerant,
nimmst jeden auf den Arm und an die Hand.


Bei Kölner Hymnen liegen sich wildfremde Menschen in den Armen und singen lauthals mit. Die meisten Kölner können die kompletten Lieder auswendig. Dieses Lied beschreibt die Stadt mit ihren Vierteln, Plätzen und Eigenheiten. Die Stadt wäre nichts ohne seine Bewohner. Gesungen wird es von Tommy Engel. Im Youtube-Clip zu sehen beim "Birlikte"-Festival gegen Ausländerhass im Juni 2014. Engel ist schon seit 40 Jahren im Kölner Musikgeschäft und begann seine kölsche Karriere bei der berühmtesten Kölner Band - den "Bläck Fööss" - und prägte deren Sound fast 25 Jahre lang.
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7. Mer bruche keiner [mɔ bʀʊχə kɛɪ̯nɐ]

Mer bruche keiner, keiner dä uns sät,
wie man Fastelovend fiere dät
Mer bruche keiner, dä die Schnüss op määt,
dä se besser halden tät
Denn he in Kölle danz dä Bär,
mer fiere Fasteleer
Mer mache et seit zweidausend Johr
Und et bliev su wie et wor.

Wir brauchen keinen, keinen, der uns sagt
wie man Karneval feiert.
Wir brauchen keinen, der den Mund aufmacht
und ihn besser halten sollte.
Denn hier in Köln tanzt der Bär,
wir feiern Karneval.
Wir tun das seit zweitausend Jahren
und das wird immer so bleiben.


Die Bläck Fööss sind die älteste Kölner Karnevalsband. Sie haben sich bereits 1970 zusammengefunden und haben in über vier Jahrzehnten für so viele berühmte Karnevalssongs gesorgt, dass hier in der Liste gleich drei Lieder von ihnen auftauchen. Und es könnten locker noch mehr sein... "Mer bruche keiner" ist ein Stimmungslied im Sambarhythmus. Der Inhalt geht aus dem Refrain hervor: Wir lassen uns hier in Köln nichts vorschreiben, egal von wem.
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8. Drink doch eine met [drɪnk dɔχ ɛɪ̯nə mɛt]

Drink doch eine met, stell dich nit esu ahn.
Du steihs he de janze Zick eröm.
Häs de och kei Jeld, dat es janz ejal,
drink doch met un kümmer dich nit dröm.

Trink mit uns, stell dich nicht so an, du steht hier die ganze Zeit nur rum.
Auch wenn du kein Geld hast, ist das egal, trink mit uns und kümmer dich nicht darum.


Noch ein Klassiker der Bläck Fööss aus dem Jahr 1974, ein Plädoyer fürs Miteinander. Ein alter Mann traut sich nicht in die Kneipe hinein, weil er kein Geld hat, um sich etwas zu trinken zu bestellen. Niemand beachtet ihn zunächst. Doch dann kommt jemand auf ihn zu, drückt ihm ein Bier in die Hand und holt ihn in die fröhliche Runde. Bei diesem Lied schunkeln alle miteinander und bringen im Refrain auch gerne den Schlachtruf "Zick, Zick, Zick eröm", der Jahre später entstanden ist, als die Kölsche Rap-Formation "4 Reeves" dieses Lied gecovert hat.
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9. Unser Stammbaum [ʊnzə 'ʧambaʊ̯m]

Su simmer all he hin jekumme, mir sprechen hück all die selve Sproch.
Mir han dodurch su vill jewonne.
Mir sin wie mer sin, mir Jecke am Rhing, dat is jet wo mer stolz drop sin.
So sind wir alle hier hin gekommen, wir sprechen heute alle die selbe Sprache.
Wir haben dadurch so viel gewonnen. Wir sind wie wir sind, wir Verrückten am Rhein, und darauf sind wir stolz.


Diese Hymne der Bläck Fööss handelt von der Multikultigesellschaft in Köln. Es geht ums Zusammenleben, egal welcher Nationalität die Menschen sind, oder welcher Religion sie angehören. Das Lied wird seit dem Jahr 2000 nicht nur an Karneval gesungen, sondern regelmäßig bei Demonstrationen und Veranstaltungen, die sich gegen rechte Gesinnung und Ausländerfeindlichkeit richten. Und davon gibt es in Köln viele.
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10. Ich bin ne Räuber [ɪç bɛn nə 'rɔɪ̯bɐ]

Ich ben ne Räuber, leev Mariellche,
ich bin ne Räuber, durch und durch
Ich kann nit treu sinn, läv in d'r Daach rin,
ich ben ne Räuber, mach m'r kein Sorch.

Ich bin ein Räuber, liebes Mariellchen,
ich bin ein Räuber, durch und durch.
Ich kann nicht treu sein, lebe in den Tag hinein,
ich bin ein Räuber und mache mir keine Sorgen.


Dieser Walzer (Achtung! Schunkel-Alarm!) stammt von den "Höhnern" (Hühner). Auch sie gehören zu den dienstältesten kölschen Bands. In diesem Lied aus dem Jahr 1983 geht es um einen Lebenskünstler, der sich von niemandem seine Freiheit nehmen lässt und mitnimmt, was er kriegen kann. Auch Frauen. Als er sich dann doch ernsthaft verliebt, muss er feststellen, dass seine Angebetete genau so ein Schlawiner ist und ihn sitzen lässt.
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11. Leev Marie [le:f ma'ʀi:]

Leev Marie, ich bin kein Mann für eine Nacht
Leev Marie, das habe ich noch nie gemacht.
Leev marie, es muss die wahre Liebe sein,
Für eine Nacht bleib' ich lieber allein.


Das ist der Karnevalshit 2016 von der Band "Paveier" (was so viel heißt wie "Straßenpflasterer"). Dieser Text muss nicht übersetzt werden, "Leev Marie" heißt "liebe Marie". Es ist eine Absage an die während der Karnevalszeit weit verbreiteten One-Night-Stands.
Marie ist in Köln ein sehr beliebter Name; es gibt unzählige kölsche Songs, die sich an eine Dame dieses Namens richten.
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In der Spotify-Playlist haben wir für euch berühmte Kölner Karnevalslieder zusammengestellt. Die ältesten stammen aus den 1930er Jahren, die jüngsten Lieder aus der Saison 2016/17.
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Silke Wünsch
http://p.dw.com/p/1Hhlf
Datum: 19.11.2017
Hinzugefügt:   venjamin.tolstonog
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